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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:23 Uhr

Niebüll : Führhunde für Blinde nicht ablenken

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Niebüllerin Frauke Nissen ist seit kurzem mit ihrem vierbeinigen Helfer unterwegs – nicht jeder weiß schon, wie er sich da am besten verhalten sollte.

Seit kurzem sind in Niebüll und Umgebung trainierte Blindenführhunde im Einsatz. Die Niebüllerin Frauke Nissen hat bereits die Prüfung mit ihrem Labrador abgelegt und bestanden. „Nun bin ich in der Stadt mit ihm unterwegs. Das hat für mich eine neue Qualität“, sagt Frauke Nissen. Früher war sie mit dem langen Blindenstock in der Stadt oder in den Geschäften. „Doch das löst wohl Kontaktschwellenangst aus“, sagt die Nordfriesin aus Langstoft. „Mit dem Hund ist das anders. Zumal der weiße Labrador ein Teddygesicht hat und Streichelreflexe auslöst.“ Allerdings ist das ein Problem. Denn der Hund darf nicht abgelenkt werden, weder durch streichelnde Kinderhände noch durch andere Hunde. „Wenn er das Geschirr trägt, arbeitet das Tier. Daher sollte jeder Hundebesitzer seinen Hund an die kurze Leine nehmen und keinen Kontakt der Hunde zulassen. Denn die Ablenkung bedeutet eine Gefährdung des Besitzers, der sich nun nicht mehr auf sein Tier verlassen kann“, erklärt die ausgebildete Blindenführhund-Trainerin Nadja Uloth aus Arnstadt. „Gleichwohl ist bei Abstand die Kontaktaufnahme per Gespräch möglich.“

„Wenn ich angesprochen werde“, erläutert Nissen, „legt sich mein Hund hin und ist für diesen Moment im Ruhemodus.“ Dann könne in Ruhe geklönt werden.

In der Edeka-Filiale Lück ist das Duo schon bekannt. Die Mitarbeiter sind offen und freundlich, sie haben gelernt, dass Blindenführhunde auch in Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und Schlachter mit hinein dürfen. „Das klappt wunderbar“, so die Niebüllerin, die seit kurzem über die Trainerin einen sehbehinderten Mitbürger kennengelernt hat. Denn Nadja Uloth ist seit Tagen in Niebüll und trainiert mit Magnus Ausner aus Uphusum einen weiteren Blindenführhund-Besitzer.

„Wir müssen uns aufeinander einstimmen“, sagt Ausner. Auch er hat bestimmte Erfahrungen gemacht. „Die Menschen sind teilweise einfach nicht aufmerksam. Sie lassen ihren Hunden die lange Leine oder gehen nicht aus dem Weg.“ Dabei sind die beiden Blindenführhund-Besitzer gut erkennbar. Sie tragen Plaketten, führen die Hunde an einem unübersehbaren Geschirr. Seinen Arzt musste er erst einmal aufklären, dass für seinen Hund die Hygienevorschriften nicht gelten. „Ich war problemlos beim Zahnarzt“, ergänzt Nissen, „Habe den Hund allerdings auch vorher angemeldet.“ Im Lokal „Wattwurm“ geht es auch ohne Anmeldung – man kennt sich inzwischen.

Das gemeinsame Ziel ist es, den Mitbürgern mit und ohne Hund klarzumachen, dass ein gewisser Abstand sinnvoll und erforderlich ist, damit der Blindenführhund seinen Job machen kann.
„Eigentlich ist es ganz einfach“, sagt Nadja Uloth, „Einfach ein wenig Abstand halten, den Kontakt der Hunde vermeiden, selbst nicht in Richtung Blindenführhund aktiv werden.“

Frauke Nissen hat ein weiteres Problem. „Meine alten Wege am Nordfriesischen Wohnpark und Marschenpark kann ich nun nicht mehr gehen, weil dort Hunde frei laufen – was eigentlich verboten ist. Die Hundebesitzer sind oftmals weit entfernt, die Hunde gehorchen nicht immer.“

Letztlich ist sie auch hier auf die Achtsamkeit der Menschen angewiesen. Das Problem hat Magnus Ausner in Uphusum weniger: „Hier kennt mich jeder und übt Rücksicht.“ Mit der Zeit, so hofft Frauke Nissen, hat man sich auch in Niebüll an sie gewöhnt – und weiß, wie man sich am besten verhalten sollte.

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