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Nordfriesland Tageblatt

03. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Chor in Afrika : Freudentränen in Tansania

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Reisegruppe der Friedrich-Paulsen-Schule ist beeindruckt von ihren Erlebnissen. Öffentliche Berichte mit Fotos gibt's im Oktober.

Das Schwierigste war die Rückreise. „Beim Abschied flossen Tränen auf beiden Seiten. Und der Zwischenstopp in Dubai war ein Kulturschock“, sagt Oliver Schultz-Etzold, Lehrer und Chorleiter an der Friedrich-Paulsen-Schule (FPS) in Niebüll. Im Juli war er mit 24 Schülern und weiteren Begleitern für zwei Wochen nach Tansania gereist. Zum Austausch mit den Schülern eines evangelischen Internats in der Stadt Mpanda. Zwei Monate später, zur Chorprobe in einem Raum der FPS, tragen mehrere Schülerinnen weinrote, lange Röcke. Teil der Schuluniform in Tansania. Teil der Erinnerung und eines neu gewonnenen Gemeinschaftsgefühls in Niebüll.

„In Tansania würde ich freiwillig in die Kirche gehen“, sagt Pia Grünberg. Gemeinsam mit anderen Schülern erzählt sie von singenden und tanzenden Kirchenbesuchern, darunter auch Kinder. Action statt Andacht. Fast wie in dem Musikfilm „Sister Act“ hätten sie sich da gefühlt. „Den Menschen geht es zuerst um den Spaß und die Freude an der Musik. Das ist eine befreiende Erfahrung gewesen“, sagt Jannik Kabelström.

Schultz-Etzold schwärmt von „extrem spannenden Erlebnissen“. Sogar längst vertraute Musik hätten die Gäste in Tansania noch mal mit ungeahnter Intensität erfahren. Zusammen mit einem einheimischen Chor stimmten die Nordfriesen den Standard „Laudate Omnes Gentes“ an. Was folgte, beschreibt Schultz-Etzold so: „Es gab einen musikalischen Moment, in dem zwischen den Teilnehmern keinerlei Grenzen mehr bestanden – weder was Herkunft noch Sprache betrifft. Die Chöre sind miteinander verschmolzen.“ Die Schüler sprechen rückblickend von Gänsehautmomenten und Freudentränen.

Überwältigt zeigten sich die Heimkehrer auch von der Gastfreundschaft in Afrika. Gasteltern hätten ihren Besuchern unter anderem Milch und Eier aufgetischt – Luxus für dortige Verhältnisse. „Und als ich krank geworden bin, hat sich die Schulleiterin persönlich um mich gekümmert und auch später noch mal gefragt, wie es mir geht“, berichtet Sina Erichson. Das Verhältnis zu den einheimischen Schülern sei herzlich gewesen. Geredet wurde auf Englisch. Auch ein paar typisch norddeutsche Wörter wollten die Gastgeber kennenlernen. Prompt wurden die Gäste irgendwann mit „Moini“ begrüßt. Wörter, die auf Konsonanten enden, sind den Einheimischen fremd. Und so kam das norddeutsche „Moin“ in Tansania zu einem zweiten „i“.

„Wir waren in der Stadt die einzigen Weißen“, sagt Schultz-Etzold. „Wenn wir als Gruppe durch die Straßen gelaufen sind, wurde uns eine offene, freundliche, lustige Neugierde entgegengebracht.“ Ein Drittel der Bevölkerung vor Ort seien Christen, ein Drittel Muslime und ein Drittel Anhänger von Naturreligionen gewesen, schätzt der Chorleiter. „Mit ihrer Konfession sind alle offen umgegangen. Bei einem Busfahrer konnte man seinen Glauben daran erkennen, wie er seinen Bus dekoriert hatte. Aber es gab keine Trennung, keine erkennbaren Spannungen; alle haben miteinander geredet und sind im selben Bus gefahren.“

Einfach, aber glücklich sei ihnen das Leben in Tansania erschienen, berichten die Heimkehrer. Dass die Toilette in der Schule nur ein Loch im Boden war, habe spätestens nach drei Tagen niemanden mehr gestört. Eine Schülerin erzählt, ihr sei es bei der Rückkehr komisch vorgekommen, in einer Wanne voller Trinkwasser zu baden.

Umso krasser waren die Eindrücke beim Aufenthalt in Dubai, bevor es zurück nach Deutschland ging: Rasenflächen, wo eigentlich Wüste sein müsste, meterlange Buffets, beheizte Toilettensitze ... Schultz-Etzold nennt es „sinnlosen Überfluss“.

Im Frühjahr 2017 ist ein Gegenbesuch einer Schüler-Gruppe aus Tansania geplant. Chance auf ein Wiedersehen – und weitere ganz besondere Erlebnisse.

Bericht von der Reise:

Sa., 1.10., 19.30 Uhr, Kirche zu Süderlügum
Mi., 5.10., 19.30 Uhr, CJK in Breklum
Mi., 12.10., 19.30 Uhr, Mensa der FPS in Niebüll


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erstellt am 21.Sep.2016 | 15:53 Uhr

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