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Serie Südtondern blüht auf : Farbenprächtiger Garten inspirierte den Maler Emil Nolde

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Frühling stellt unsere Zeitung besondere Gärten in Südtondern vor – im dritten Teil geht es um den Nolde Garten.

„Ich kenne keinen Garten, der so angelegt ist – er ist ein Kunstwerk für sich“, sagt Andreas Weber über den Noldegarten in Seebüll, für den er seit 14 Jahren verantwortlich ist. Fast wie eine Oase in der Wüste wirkt das Farbintensive Refugium, das der bekannte Maler Emil Nolde mit seiner Frau Ada aus dem Nichts kultiviert hat. Viele verbinden mit dem Garten und den Bildern Noldes vor allem die hochsommerliche Blütenpracht – Mohn, Rittersporn, Phlox, Sonnenblumen und Lupinen. Doch auch jetzt schon lohnt sich ein Besuch.

Wie mit dem Pinsel gemalt ziehen sich rote Bänder von tausenden roten Tulpen durch den Garten, dazu Narzissen und blaue Perlhyazinthen. Voll in Blüte steht auch die „Primula Juliae Hybride“ – eine Primelsorte mit kleinen, violettfarbenen Blüten, die es schon lange im Handel nicht mehr zu kaufen gibt, die seit 80 Jahren einige Beete des Noldegartens umrandet und dort immer wieder neu kultiviert wird. „Der Garten war Nolde sehr wichtig. Schon beeindruckend, was die Noldes aus diesem Stück Land gemacht haben, das ist sehr geistreich, gärtnerisch gut durchdacht und sehr emotional“, sagt Andreas Weber. Der Blick in die Historie des Museumsgartens gibt ihm Recht.

Nur grünes, flaches Marschland umgibt eine leere Warft, die der bekannte Expressionist im Jahr 1927 – also vor 90 Jahren – kauft und Seebüll nennt. Dies ist der Anfang einer Jahrzehnte langen innigen Beziehung zwischen Garten und Künstler, der 1867 in der Nähe von Tondern geboren wird und aufwächst, dessen Vater aus der Region Niebüll stammt. Bis 1930 wird das Wohnhaus und Atelier in Seebüll errichtet.

Farbenpracht auch im Frühjahr: Rote Tulpen, dahinter violett farbene Primeln.
Farbenpracht auch im Frühjahr: Rote Tulpen, dahinter violett farbene Primeln.
 

Für den heute so blütenprächtigen Garten müssen einige Vorarbeiten geleistet werden. „Der Boden ist kein typischer Marschboden mehr“, sagt Andreas Weber. Reichlich Torf und auch Sand werden mit dem Kleiboden der Marsch vermischt, um die Qualität zu verbessern. Bis heute wird der Noldegarten komplett biologisch behandelt. „Bei Unkraut heißt das viel Handarbeit. Zum Glück gibt es nur wenige Pflanzenschädlinge, dafür ist die Marsch zu frei und zu windig“, sagt der Gärtner.

Vor dem Wind mussten auch Ada und Emil Nolde ihre Stauden und Blumen schützen. So wurde ein Zaun aus Reet, das Nolde in der Nähe selbst anbauen und ernten ließ, um die westliche Hälfte des Gartens gezogen. Dieser ist extrem dicht und wurde schon einige Male erneuert. Als weiteren Schutz pflanzt Nolde schnell wachsende Pappeln, die mit Wind, feuchten Böden und salzhaltiger Luft gut zurecht kommen. Zäune und Bäume ergeben eine Sonnenfalle, ein milderes Mikroklima – zumindest wenn der Wind wie meistens aus West weht. Einige dieser Bäume, die im Alter nicht mehr standfest genug waren, mussten ersetzt werden. „Und zwar genau durch die Grau-Pappeln, die zu Beginn gepflanzt wurden. Originalität hat eine ganz große Bedeutung, das macht den großen Reiz dieser Arbeit aus“, sagt Andreas Weber.

Die Aufteilung der Beete entspricht bis heute der ursprünglichen Konzeption. „Der Pflanzenplan ist leider verloren gegangen“, sagt der Nolde-Gärtner, dem noch zwei Kollegen zur Seite stehen. Doch bis heute wachsen und blühen dort die Stauden, die Ada und Emil Nolde gepflanzt haben. „Diese Pfingstrose ist zwar nicht 80 Jahre alt, aber sie ist ein Ableger der historischen Pflanzen“, sagt Andreas Weber und beschreibt damit einen großen Teil der Gartenarbeit, die für die Besucher verborgen bleibt – die Nachzucht.

Blick auf den Noldegarten, einer der wenigen Museumsgärten bundesweit, der rein biologisch gehegt und gepflegt wird.
Blick auf den Noldegarten, einer der wenigen Museumsgärten bundesweit, der rein biologisch gehegt und gepflegt wird. Foto: Foto (3): Werner
 

Im Herbst werden von den Stauden Ableger entnommen, die in kleinen Töpfen ins Treibhaus oder in ein Mutterpflanzenbeet gesetzt werden. So gibt es immer originalgetreuen Ersatz, falls im Garten eine Staude eingeht. Und auch genügend Pflanzen, die gekauft und mit nach hause genommen werden können. Viel Arbeit macht auch die Anzucht der Sommerblumen im Gewächshaus. Die Saat zum Keimen bringen, pikieren, umtopfen – so gelangen schließlich 1500 Pflanzen von mehr als 70 Arten – von der Nachtkerze über die Taubnessel bis zur Sonnenblume – zwischen die Stauden des Noldegartens.

Originalgetreu gilt auch für die alten Obstsorten, die demnächst in Blüte stehen werden. Die Quitten hat der Maler noch selbst gepflanzt. Einige Apfelbäume sind eingegangen, die Renette von Seebüll gibt es nirgendwo sonst. „Zum Glück haben wir auch die rechtzeitig vermehren können“, sagt der Nolde begeisterte Gärtner, der in Berlin geboren wurde. Auch das Wegenetz, das nach den Initialen von Ada und Emil Nolde in den Buchstaben A und E angelegt ist, ist unverändert und derzeit, vor der üppigen Sommerblüte auch gut erkennbar. „Es ist eine große Freude, hier zu arbeiten und mitzuerleben, wie Menschen diesen besonderen Garten mit allen Sinnen genießen“, sagt Weber. Die Bedeutung des Gartens für das künstlerische Schaffen Noldes ist kaum ermessbar. „Experten sagen, dass Nolde durch die Blumen zur Farblichkeit seiner Bilder gefunden hat“, sagt Weber, der ab Mai wieder Gartenführungen anbietet. Nolde, der 1956 in Seebüll starb, fiel es sehr schwer, sich von seinem Garten zu verabschieden, wie diese Zeilen zeigen: „Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an....die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie...“ 

Weitere Infos: www.nolde-stiftung.de

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erstellt am 20.Apr.2017 | 06:00 Uhr

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