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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 04:18 Uhr

Farbenfroh zurück in die Zeit vor 1875

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Wie viel Arbeit dahintersteckte, um den Innenanstrich der 800 Jahre alten St. Laurentius-Kirche wiederherstellen, war Thema beim Denkmaltag

Am europaweit gefeierten „Tag des offenen Denkmals“ beteiligte sich auch die Kirchengemeinde Karlum mit einem breit gefächerten Programm, indem sie ihre schmucke, 800 Jahre alt St. Laurentius-Kirche in den Fokus der Besucher rückte. Diese präsentierte sich nach rund dreijähriger Vorbereitung erstmals wieder der Öffentlichkeit mit ihrem gerade fertiggestellten Innenanstrich, wie er – laut Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung – vor dem Umbau im Jahre 1875 vorzufinden war. Die Erneuerungsmaßnahme entsprach somit exakt dem offiziellen Motto des Gedenktages: „Gemeinsam Denkmale erhalten!“

Sein Programm begann am Vormittag mit einem fröhlichen, von Pastor Hans-Joachim Stuck, der Vikarin Caroline Boysen und der Organistin Heike Reimers gestalteten Dankgottesdienst, der durch die Einbeziehung einer Taufe eine besondere Lebendigkeit erfuhr. Anschließend begaben sich die Versammelten in das Dorfgemeinschaftshaus der Gemeinde Karlum, wo Pastor Stuck sie in Empfang nahm.

Bürgermeister Werner Richardsen, der zugleich im Namen seiner Amtskollegen aus den Kirchspielgemeinden Tinningstedt und Lexgaard – Dirk Enewaldsen und Gerhard Hoffmann – sprach, dankte dem Kirchengemeinderat Karlum und dem Freundeskreis der St. Laurentius-Kirche für deren enorme Leistung. Dazu gehörten die arbeits- und kostenaufwändige Wiederherstellung des alten Farbkonzeptes der Kirche durch viele Benefizveranstaltungen, Sammeln von Spenden und Überwinden bürokratischer Hindernisse. Dieselben Akteure lobend, erinnerte das Gemeindeoberhaupt auch daran, dass sie zuvor schon an der Entwurmung des Altars, der Erneuerung der Kanzel, dem Umbau der Empore, der Anschaffung der neuen Orgel, dem Außenanstrich des Gotteshauses und weiteren Verbesserungsmaßnahmen maßgeblich beteiligt waren. Der Vorsitzenden des Freundeskreises, Dr. Karin Tuxhorn, rief Werner Richardsen zu: „Mit der Übernahme deiner Posten haben wir Karlumer einen großen Schatz gewonnen.“

Tuxhorn gab ihren eigenen Rückblick auf die Erneuerung des Farbkonzeptes der Kirche: „Alles begann 2014. Kirchenmaler Volker Lang und Restaurator Markus Freytag haben zwei Farbproben vom Holz gekratzt und an der Hochschule für bildende Künste in Dresden auf Stratigrafie, Bindemittel und Pigmente untersuchen lassen. Unter UV- Fluoreszens, Polarisierungsmikroskospie, FT- und IR-Sektrometrie konnte exakt festgestellt werden, welche Grundierungs- und Malschichten existierten.“ So sei ermittelt worden, dass um 1875 der alte Innenanstrich übermalt wurde, der jetzt durch Experten habe rekonstruiert werden können. „Und so können Sie heute Smalte, Bleiweiß, Ockerrot, Ultramarinblau, Preußischblau und weitere Farben in unterschiedlichen Variationen im Kirchenschiff bewundern.“ Allen beteiligten Personen und Firmen sprach Tuxhorn Dank und Anerkennung aus. Ein Sonderlob galt den Pflegern der kirchlichen Räume: Martina Jänisch und Gerhard Tobiesen.

Volker Lang überreichte dem örtlichen Pastor ein Schmuckbrett mit der Aufschrift: „Renovatum Anno MMXVI“ (Erneuert 2016). Durch projizierte Lichtbilder zeigte Pastor Stuck auf, wie es während der Arbeitsphase in der ausgeräumten Kirche ausgesehen hatte. Danach ging es zum gemütlichen Teil über. Hinter dem Gemeindehaus wurde den Kindern Gelegenheit geboten, eine Hüpfburg zu nutzen, ihre Gesichter an einem Schminkstand fantasievoll bemalen zu lassen oder auf dem Rasen herumzutollen.

Mit einem stimmungsvollen Konzert in der St. Laurentius-Kirche klang das Programm des Tages fröhlich aus. Die Sängerin Inge Lorenzen bot– sich selbst auf ihrer Gitarre begleitend – in gekonnter Manier Welthits aus dem Bereich der Popmusik dar, aber auch eigene Werke, allesamt in plattdeutscher Sprache. Dabei erklangen sogar zwei Uraufführungen. Besonders eindrucksvoll gelangen ihr „Dien Leev“, eine Adaption des Welterfolgs „Susan“ von Leonard Cohen, „Jeden Morgen“ und „Free warn“. Zwischen den Liedervorträgen las der niederdeutsche Autor Peter Kööp selbst verfasste Werke, die auf humorvolle oder auch nachdenkliche Weise den Alltag auf dem Lande und in der Stadt sowie die Sehsucht nach Liebe beleuchteten.

Wie sehr es der souverän auftretenden Sängerin und dem einfühlsamen Schriftsteller gelang, ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen, beweist die Tatsache, dass sie erst nach vier Zugaben mit lautem Jubel verabschiedet wurden.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 07:06 Uhr

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