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Nordfriesland Tageblatt

29. September 2016 | 10:24 Uhr

Bahn : Erstmals eine Frau im Führerstand

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die 23-jährige Janine Martinsen aus Niebüll ist die erste weibliche Lokführerin bei der Norddeutsche Eisenbahngesellschaft.

Wer einen kleinen Jungen nach seinem Berufswunsch fragt, erhält weiterhin meist die Antworten „Pilot“, „Feuerwehrmann“ und „Lokomotivführer“ – alles Berufe, die für Mädchen eigentlich untypisch sind. Und doch gibt es in Südtondern nun erstmals eine Frau, die sich in solch eine Männerdomäne wagt.

Dichtes Gedränge herrscht am Bahnsteig der Kleinbahn nach Dagebüll. Schichtwechsel steht an. Die Tür geht auf – und einige Passagiere staunen. Denn zu sehen ist erstmals eine Frau im Führerstand eines Triebwagens der Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (neg). Die Niebüllerin Janine Martinsen (23) ist eine echte „frasche Deern“, blond, aufgeschlossen und schlagfertig. Wie geschaffen dafür, Lokomotivführerin zu sein.

Gerade hat sie mit Bravour die Prüfung bestanden und fährt tagtäglich zwischen Niebüll und Dagebüll hin und her. Kein Wunder, dass neg-Prokurist Gerd Neumann stolz ist auf den Nachwuchs. „Den haben wir uns selbst herangezogen. Und unser Ziel ist: Wir wollen die Frauenquote heben.“

Dabei war es eigentlich gar nicht der Kindertraum von Martinsen, Lokomotivführerin zu werden. Das Ganze sei eher ein großer Zufall. Als Kauffrau für Verkehrsservice habe sie bei der neg während der Ausbildung auch als Rangier- und Zugbegleiterin gearbeitet und dabei Geschmack am Zugfahren gefunden. Die Lust stieg, selbst einmal eine Lokomotive zu übernehmen. Das hatte sich herumgesprochen. „Gerd Neumann kam dann direkt auf mich zu und hat mir dann die Chance der halbjährlichen Ausbildung zur Lokomotivführerin angeboten.“

Üblicherweise ist Lokomotivführer ein echter Lehrberuf. Um die Ausbildung in sechs Monaten zu schaffen, muss man jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zunächst hatte Martinsen ihre Ausbildung als Kauffrau abgeschlossen. „Und ich war bereits Bremsprobenberechtigte – denn Bremsen sind das Wichtigste beim Zug.“

Der Job habe naturgemäß viel mit Technik zu tun, beispielsweise muss der Zug vor Beginn der Fahrt wie ein Flugzeug geprüft werden. „Bremsdruck, volle Tanks, die Sicherheit ist wichtig. Schließlich haben wir eine Menge an Verantwortung“, erklärt die 23-Jährige, die stolz ist, diesen besonderen Beruf auszuüben und auch die Verantwortung dabei nicht scheut. Die Geschwindigkeiten ihres Gefährts sind an die Örtlichkeiten angepasst – mit maximal 80 Stundenkilometer auf freier Strecke.

Die neg bildet seit Jahren aus. Prokurist Neumann verweist auf die gründliche Ausbildung, die zum Teil in Hannover stattfand: „In der theoretischen Prüfung hat Frau Martinsen eine 95-Prozent-Quote an Wissen erreicht. Besser geht kaum. Der Praxisteil der Ausbildung fand dann bei uns statt. Unser Ausbilder Norman Johannsen fuhr sechs bis acht Wochen mit und überwachte die Abläufe.“

Die praktische Prüfung hatte es in sich. Die Prüfer hatten Fehler eingebaut, die es zu entdecken galt. Die Nordfriesin war plietsch genug, um diese zu entdecken und hatte auch sonst auf alle technischen Fragen die richtigen Antworten. Nun darf Martinsen sogar die Lokomotiven des Sylt Shuttle oder der Nord-Ostsee-Bahn fahren.

Was sagen eigentlich die männlichen Kollegen zu ihrer „Konkurrenz“? „Die finden das ganz normal und unterstützen mich, wo sie können“, sagt die Lokomotivführerin erfreut.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 11:21 Uhr

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