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Nordfriesland Tageblatt

18. Januar 2017 | 19:04 Uhr

Tüv in Niebüll : Er sucht – und findet auch

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In seiner Funktion als Tüv-Stationsleiter hat Torben Bendsen schon einige Skurrilitäten an Fahrzeugen entdeckt. Insgesamt sinkt die Zahl der Mängel jedoch.

Es gibt immer mal wieder Momente, in denen Tüv-Stationsleiter Torben Bendsen vermutet, Teil der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ zu sein. Beispielsweise, wenn er eine echte Pistole im Handschuhfach eines Pkw findet, wenn er auf dem Kennzeichnen eines Fahrzeugs eine schlecht gefälschte Plakette entdeckt und dazu noch haarsträubende Erklärungen seitens des Fahrzeughalters erhält oder wenn ein älterer Herr vorfährt, der mit seinem Wagen anscheinend schon vor längerer Zeit einen schweren Unfall hatte, die Mängel rundum das Fahrzeug aber – seiner Meinung nach – ausreichend fachmännisch mit Montage-Klebeband in Eigenleistung repariert hat. „Manchmal kann ich es selbst nicht glauben, was man hier so sieht“, sagt Bendsen, bei dem letztendlich aber noch nie Guido Cantz mit Kamerateam auftauchte.

Wann immer sich Derartiges ereignet, tut Bendsen das, was er in solchen Fällen immer macht: Er fotografiert mit seinem Handy das Fahrzeug, um die Sachlage festzuhalten – und ganz nebenbei: um die Bilder später auch seinen Mitarbeitern zu zeigen. „Über die Jahre ist so schon einiges bei mir und meinen Kollegen zusammengekommen“, resümiert der Ingenieur und scrollt durch das Fotoalbum im Smartphone.

Solche Fälle sind aber die Ausnahmen in der Niebüller Station, wie die neueste Statistik von Tüv-Nord zeigt. Insgesamt gehört die Stadt zu jenen Standorten, bei denen es im letzten Jahr wenig zu bemängeln gab. 61 Prozent der Autos, die 2015 in der Bahnhofstraße von den Sachverständigen vor Ort auf Herz und Handbremse gecheckt wurden, hatten überhaupt keine Mängel. Zusätzlich fanden die Experten bei 14 Prozent der Fahrzeuge nur geringe Schäden, sodass zwei Drittel der Fahrzeughalter sofort einen Aufkleber mit zwei Jahren Gültigkeit auf ihre Kennzeichen bekamen. Bemerkenswert ist aber auch die andere Seite der Plakette: Bei immerhin 24 Prozent wurden erhebliche Mängel festgestellt (Vorjahr 26 Prozent). Sie mussten umgehend repariert werden, bevor dann eine Nachprüfung erfolgte. Als völlig verkehrsunsicher wurden hingegen nur sechs Autos eingestuft.

Das durchschnittliche Fahrzeug, das in Niebüll geprüft wurde, war 10 Jahre alt und hatte mehr als 132  000 Kilometer Laufleistung auf dem Tacho – vom Traktor bis zum Motorrad. „Dass diese allgemein gut in Schuss sind, liegt sicherlich daran, dass wir hier im ländlichen Raum leben“, glaubt Torben Bendsen. „Die Autofahrer haben die finanziellen Mittel, pflegen ihre Fahrzeuge und kümmern sich um Termine zur Inspektion und Instandhaltung.“

Nicht mehr auf die Straßen dürfen dagegen Autos mit Mängeln wie durchgerostete Achsen, extrem ausschlagende Lenkungen oder geplatzten Bremsleitungen. Wer in den Wartebereich der Tüv-Station kommt, kann sich in einem Regal anschauen, was die Sachverständigen so an kaputten Fahrzeugteilen bei ihren Untersuchungen entdeckt haben. Bendsen: „Das Gruselkabinett – wie wir es nennen.“

Erschreckend sind zuweilen aber auch die Reaktionen, die Autofahrer zeigen, wenn sie keine Plakette in der Tüv-Station erhalten. Gebrüllt werde öfter in der Werkstatt, weiß Bendsen. „Meistens tun das die Männer, die Frauen schreiben später eher böse E-Mails oder Briefe an uns.“ Auch komme es vor, dass mit kleineren Gefälligkeiten, Sachwerten oder gar Scheinen doch noch ein besseres Ergebnis erkauft werden solle. Alles zwecklos, macht Torben Bendsen jedoch klar.

Er bedauert, dass sein Job bei manchen Bürgern ähnlich beliebt ist wie der der einer Politesse oder eines Finanzamtmitarbeiters. „Die machen nur ihren Job, und wir machen nur unseren Job“, so Bendsen, der dann darauf hinweist, dass die aktuell braunen Plaketten 2017 durch rosafarbene ersetzt werden. „Ich rate allen Autofahrern, rechtzeitig zu uns zu kommen“, sagt der Tüv-Leiter und verspricht: „Wir beißen auch nicht.“

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erstellt am 08.Nov.2016 | 06:30 Uhr

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