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Nordfriesland Tageblatt

26. Mai 2016 | 20:22 Uhr

Neues Buch von Søren Ryge Petersen : Eine glückliche Kindheit in Achtrup

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit viel Humor erinnert sich der Filmemacher und Journalist Søren Ryge Petersen in seinem Buch „Min barndom“ an Schulzeit und Dorfleute.

„Alltägliches wird etwas Besonderes, wenn sich viele daran erinnern“, sagt Søren Ryge Petersen, Fernsehmoderator, Journalist, Autor, Philosoph und Filmemacher. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er für das Fernsehen und hat unzählige Beiträge gemacht.Geboren wurde er am 31. Juli 1945 in Gram/Dänemark. Aber 15 Jahre seines Lebens – die Kindheit, vom ersten Schultag bis zu seiner Konfirmation – hat er in Achtrup verbracht. Und davon erzählt sein neues Buch.

Gespannt hören die Besucher am Abend der Lesung in dem Versammlungshaus für den dänischen Kulturverein SSF dem Autor zu. Søren Ryge Petersen liest zum ersten Mal auf deutsch, nimmt seine Zuhörer mit – in eine längst vergangene Zeit, die genau in diesem Augenblick noch einmal zurückkehrt. Genau hier – der Raum hat sich kaum verändert – war einmal die kleine Turnhalle der dänischen Schule, in dem etwas höher gelegenen, angrenzenden Zimmer der Werkraum. „Ich bin hier wirklich zuhause“, sagt Søren Ryge Petersen. Und das ist nicht nicht übertrieben. Sein Vater Gunnar war dort von 1946 bis 1981 mit Leib und Seele Lehrer (für alle Fächer). Hier haben Petersens auch gewohnt. „Schule war daheim, und mein Daheim war die Schule“, erklärt der Autor. Seit 1986 gibt es die dänische Schule nicht mehr. Das Haupthaus beherbergt heute den dänischen Kindergarten.

Søren Ryge Petersen erzählt – unterhaltsam, mit Witz und so, dass man ihm stundenlang zuhören könnte: von den ersten Tagen, als 25 Kinder hier in zwei Räumen (1. bis 4. und 5. bis 9. Klasse) unterrichtet wurden, von Streichen und Streitigkeiten, die ihm die einzige Ohrfeige seines Lebens durch den Vater einbracht hatte. Ein ganzes Kapitel widmet er den Schulausflügen in die Natur, wo Pflanzen bestimmt wurden, die Schüler daraus einen Wettbewerb machten. „Die Schule war für mich viel mehr als nur Unterricht. Es ist die Schuld meines Vaters, dass ich als Erwachsener ein so großes Interesse für Blumen habe. Ich kann die Namen der meisten wilden, heimischen Arten.“ Allerdings nur auf dänisch, schmunzelt er. Søren Ryge Petersen nimmt die Zuhörer mit auf eine Fahrradtour durch das Achtrup seiner Kindheit – die Karte, die er als Zehnjähriger gezeichnet hat – ist in dem Buch zu finden. Man erfährt vieles über die Familien und Nachbarn, ihre Liebenswürdigkeiten, Marotten, ihre Lebensverhältnisse, Leid und Freud. Respektvoll und voller Liebe erzählt.

Seine Erinnerungen niederzuschreiben, das sei ihm lange nicht in den Sinn gekommen, erzählt Søren Ryge Petersen später in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe mir immer gesagt: Ich bin noch zu jung, um etwas erlebt zu haben. Ich dachte immer, ich habe nicht genug zu schreiben.“ Und dann hat er sich vergangenen Winter doch an die Arbeit gemacht und in seinen Erinnerungen gekramt. „Es ist sehr speziell, so etwas zu schreiben. Ich habe nie ein Tagebuch geführt. Ich habe auch mit niemandem gesprochen. Alles, was ich aufgeschrieben habe, sind meine eigenen Erinnerungen.“ Ein besonderes Phänomen stellte sich ein: „Man denkt über ein Erlebnis nach, und plötzlich kommen immer wieder neue Geschichten hoch. Manchmal habe ich an einem Abend ganze Kapitel geschrieben.“

120 Seiten hat sein Buch. Gespickt ist sind die 14 Kapitel mit vielen Schwarz/weiß- und Farbfotos. Wer die dänische Sprache nicht beherrscht, kommt trotzdem in den Genuss der Geschichten. Elsbeth Ketelsen, Vorsitzende des dänischen Kulturvereins SSF in Achtrup und selber ehemalige Schülerin von Gunnar Petersen, hat es übersetzt. „ Alte Erinnerungen wurden wach, eine Zeit ohne Schulstress und Zensuren. Es hat mir viel Spaß gemacht“, sagt sie. „Wichtig ist es mir gewesen, die Art und Weise, in der Søren erzählt, in der Übersetzung zu erhalten.“

Der Autor: „Wenn ich mein Leben in einem Satz beschreiben müsste, würde ich sagen: Ich habe eine ganz und gar glückliche Kindheit gehabt – ja, da habe ich.“

 

Zwei Bücher in einem

Søren Ryge Petersens Buch „Min barndom“ (120 Seiten, reich bebildert) ist in dänischer Sprache geschrieben. Käufer erhalten aber die deutsche Übersetzung (69 Seiten) mitgeliefert. Eigentlich sind es zwei Bücher in einem – ein Wendebuch. Dreht man es um,  sind „Leif den stadig Lykkelige og andre historier“ zu lesen (noch einmal 123 Seiten, viele Fotos). Erschienen bei „Gyldendal“, ISBN 978 87 02 18399-3. (www.gyldendal.dk)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 13.Feb.2016 | 06:45 Uhr

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