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Nordfriesland Tageblatt

03. Dezember 2016 | 23:00 Uhr

Schutzprojekt : Eine „Badewanne“ für die Schnepfe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit einem Auffangbecken will die Stiftung Naturschutz im Rickelsbüller Koog optimale Brutbedingungen für Wiesenvögel schaffen.

Ein kleiner Wall mit einer hoffentlich großen Wirkung: Seit August optimiert die Stiftung Naturschutz im Rickelsbüller Koog das Brutgebiet der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Uferschnepfe. Im plattdeutschen Raum hat die Schnepfe – angelehnt an ihren Balzruf „Grütta“ – den Spitznamen „Greta“ verpasst bekommen, weshalb die gestern nun vorgestellte Schutzmaßnahme auch mit „Hilfe für Greta“ betitelt wird.

Noch bis Oktober sind Baggerfahrer im Koog dabei, ein etwa 51 Hektar großes Auffangbecken (Polder) zu schaffen. Die vorhandenen Gräben werden breiter ausgehoben, und mit dem Kleiboden wird dann ein Erdwall rund um das Areal angelegt. „Im Grunde soll eine Art Badewanne entstehen, in der Wasser gehalten und reguliert werden kann“, erklärte Oliver Granke, Projektmanager von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der das Vorhaben zusammen mit Dr. Walther Petersen-Andresen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sowie Bent Nissen, Vorsitzender des betreuenden Naturschutzvereins Wiedingharde, vorstellte. Mit dem Becken entsteht ein größeres Feuchtgebiet – was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass die Uferschnepfe hierzulande erfolgreich brüten kann. „Sie braucht eine offene, breite Landschaft mit feuchten bis nassen Wiesen“, erklärt Oliver Granke.

Solche Wiesen sind jedoch in den letzten Jahren rar geworden. Ursache dafür ist die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und Landnutzung, häufig verbunden mit einer Entwässerung der Böden. Eine Veränderung in der Natur, die bislang zu hohen Verlusten bei den Gelegen und Küken der Uferschnepfe führte.

„Der Bruterfolg der verbliebenen Paare ist deutlich gesunken“, so Projektmanager Granke. Langfristig sei die Nachwuchsrate der Uferschnepfe zu gering, um die derzeitige Bestandshöhe zu erhalten. „Man könnte es so formulieren: Die Population veraltet, der demografische Wandel zeigt sich auch bei der Uferschnepfe.“

26 Brutpaare wurden in diesem Jahr im Rickelsbüller Koog gezählt. Zu Spitzenzeiten (Mitte der 90er Jahre) gab es noch 75 Paare. Granke: „Mit dem Bau des Polders schaffen wir nun aber wieder optimale Rahmenbedingungen.“ Eine Maßnahme, die etwa 70  000 Euro kosten wird und Teil eines Gesamtprojekts ist (siehe Infokasten). Die Uferschnepfe steht dabei als sogenannte Schirmart stellvertretend für eine Vielzahl der heimischen Wat- und Wiesenvögel. Denn nicht allein Greta soll von der Maßnahme profitieren, sondern auch die hochgradig gefährdeten Kampfläufer und Alpenstrandläufer. Deren nationale Brutbestände stehen sogar kurz vor dem Erlöschen. Dr. Walther Petersen-Andresen: „Daher ist eine Maßnahme wie diese so wichtig.“

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erstellt am 03.Sep.2016 | 10:30 Uhr

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