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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 11:17 Uhr

Schulschliessung : „Ein trauriger Tag für Süderlügum“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bedrückte Stimmung beim endgültigen Abschied vom Schulstandort Wimmersbüll: Es gab Lob für das besondere Konzept und Kritik an „Schulfabriken“.

Eine doch etwas bedrückte Stimmung herrschte im Auditorium zur Feierstunde „Good bye Wimmersbüll“, denn es hieß am Freitag nun endgültig Abschied zu nehmen vom Schulstandort im Süderlügumer Ortsteil. Die Schüler hatten dort ihren letzten Schultag, bevor sie in die Emil-Nolde-Schule nach Neukirchen umziehen. Ehemalige Lehrer und Schulleiter, Elternbeiratsvorsitzende, Bürgermeister der betreffenden Gemeinden, Hausmeister und Sekretärinnen waren gekommen.

Der stellvertretende Schulleiter Axel Stein, der das Programm moderierte, verglich die Schule in Wimmersbüll mit Bullerbü, wo alles leichter zu meistern war, als woanders. „Verlierer sind unsere Kinder“, rief Amtsvorsteher Peter Ewaldsen aus, der den „Sparteufel“ der großen Politik anprangerte gegen dessen Macht nicht anzukommen ist. Man habe um diese Schule gekämpft und sie verteidigt, besonders auch die Schulleiterin der Grund- und Gemeinschaftsschule Neukirchen, Petra Christiansen, zu der der Schulstandort Wimmersbüll im Schulverband Südtondern-Nord gehört.

Nach Auffassung des Amtsvorstehers haben es die Kinder in kleineren Schulen viel behüteter. „Wir in den kleinen Zwergschulen von früher hätten doch eigentlich gar nichts werden können“, kritisierte er die heutigen Vorgaben. Auch Schulverbandsvorsteher Friedhelm Bahnsen sagte: „Die große Politik hat für uns den Rahmen gesetzt durch die freie Schulwahl.“ Dadurch fehlen dem Standort derzeit rund 100 Schüler, die andere Schulen besuchen. In Wimmersbüll sind in den vergangenen sechs Jahren bisher die siebten und achten Klassen und in Neukirchen alle anderen Klassen beschult worden. Ein gutes Konzept, so Friedhelm Bahnsen, der besonders der Schulleitung für diesen organisatorischen Kraftakt dankte.

„Heute ist ein trauriger Tag für Süderlügum“, resümierte deren stellvertretender Bürgermeister Dieter Lorenzen, der berichtete, dass dieser Schulstandort schon einmal 1992 auf der Kippe stand. Seit der Einweihung im Jahre 1952 ist in viele bauliche Maßnahmen an der Schule investiert worden, so Dieter Lorenzen. Er hoffe auf einen langen Bestand der Schule in Neukirchen und mahnte, die Kinder nicht in „Schulfabriken“ zu schicken. Wie er mitteilte, ist für die Immobilie in Wimmersbüll bereits ein Interessent vorhanden.

„Wir finden die Schließung schade und traurig“, sagte dann auch die Vorsitzende des TSV Süderlügum, Marion Kuhn. Sie stellte die Verbindung zwischen dem Sportverein und der Schule durch die Mitarbeit zahlreicher Lehrkräfte im TSV und die Mitnutzung der Sportanlagen heraus. Die ehemalige Schülerin Nanke Jepsen, die 1989 ihr Abschlusszeugnis dort erhalten hatte, lobte die Wimmersbüller Schule ebenso wie die aktuelle Schülervertreterin Natascha Jacobsen, die den sechsjährige Klassen-Rhythmus an beiden Standorten mitgemacht hat: „Es war angenehm und ruhig, jeder kannte jeden in Wimmersbüll. Eine schöne Schulzeit, die man in guter Erinnerung behalten wird.“

Unter dem Motto „Wandel durch die Zeit“ stellte Schulleiterin Petra Christiansen eine kleine Zeitreise aus der zusammengefassten Schul-Chronik vor. Demnach gab es bereits 1874 eine Schule in Wimmersbüll, aber an einem anderen Standort. Zur Standort-Schließung rief sie aus: „Der Geist der Wimmersbüller Schule ist nicht tot. Er ist nur nach Neukirchen umgezogen.“ An Dieter Lorenzen überreichte Christiansen die Original-Schul-Chronik, aber nur bis 1988, denn ab 1989 gehört sie zur Chronik der jetzigen Emil-Nolde-Schule. Einen symbolischen Schlüssel überreichte sie an Friedhelm Bahnsen – von der Schulleitung an den Schulverband. Petra Christiansen schloss mit den Worten des Musikers Alice Cooper: „School’ s out for summer. School’s out for ever.“ (Die Schule ist aus – für den Sommer. Die Schule ist aus – für immer).

Zur Auflockerung der doch angespannten Atmosphäre sorgten zwei gelungene Schülerdarbietungen der achten Klassen mit darstellenden Spielen unter Leitung von Klassenlehrer Uwe Thomsen.

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erstellt am 09.Jul.2016 | 11:30 Uhr

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