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Nordfriesland Tageblatt

28. August 2016 | 04:12 Uhr

Kunst der Komik : Ein Freund und Helfer der Pointe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit Schadenfreude und Humor unter der Gürtellinie: Der Comedian Dirk Bielefeldt überzeugte als „Herr Holm“ in der Niebüller Stadthalle.

Der Polizist Herr Holm hat seinen Dienst perfekt erledigt und die Stimmung im hohen Norden um einige Grade erhöht. Der Hamburger Comedian brachte am Wochenende die Zuschauer in der gut besuchten Stadthalle gleich von Beginn an in Schwingungen. Denn das war vorher seine größte Sorge: „Ich hatte immer ein wenig Angst vor der Eisschrank-Atmosphäre im Norden, speziell in Niebüll.“ Das mag dem sterilen Stadthallen-Ambiente geschuldet oder eine Folge seiner überkritischen eigenen Wahrnehmung sein; tritt der Künstler doch viel lieber in kleineren, dicht gedrängten Clubsälen auf. Seine Angst war jedoch unbegründet: Seine Gäste machten sofort mit, als er durch die Reihen stolzierte und sich Notizen machte. Jeder bekam sein Fett ab: Ein Karl-Heinz, der „nichts“ macht, also als Rentner verdächtig ist; ein anderer gemütlicher Herr wurde als „zeugungsunwillig“ dargestellt, dem nächsten eine Neigung zum Alkohol unterstellt. Größere und kleinere Alltagsschwächen karikiert, immer leicht unter der Gürtellinie, aber stets zum Ergötzen der Zuschauer. „Ach, Sie haben den Betrieb ganz eingestellt!“ Schadenfreude ist doch die schönste Freude!


Liebevoll-boshaft


Natürlich geht es in Holms Show immer um die Mann-Frau-Klassiker. „Als ich mich einmal als Frau gefühlt habe, konnte ich plötzlich plappern. Und wollte ständig Schuhe kaufen. Das kennen Sie doch auch?“ Natürlich kennen die Zuschauer das alles, und man hört es doch immer wieder gern. Denn auch die männlichen Schwächen werden liebvoll-boshaft aufs Korn genommen. Als Polizist hatte Herr Holm einiges zu verkünden. Beispielsweise, dass es bald eine Polizei-Kundenkarte gibt, das Bußgeld kostet dann nur noch die Hälfte. „Das ist doch was für die Randalierer aus Leck!“ Herr Holm kennt seine Pappenheimer eben ganz genau. Zwischendurch wurden die ins Spiel mit einbezogenen Zuschauer regelmäßig angesprochen. So musste Bootsbauer Andreas aus Jünnebüll immer wieder für kleinere Gemeinheiten herhalten. Und musste eine Fernbedienung aktivieren, weil Herr Holm seine neuesten technischen Errungenschaften vorstellen wollte. Genau hier zeigte sich eine zweite Begabung des Comedian. Absolute Körperbeherrschung, genaues Timing. Hinter seinem Tresen vollführte er diverse technische und körperliche Kunststücke, die zu der perfekten Illusion führten, Andreas lasse ihn hin- und herkippen, immer schneller bis zum Zusammenbruch. Spannung bis zum Zerbersten, Riesenbeifall. Doch auch als Puppenspieler hat Herr Holm seine Stärken. Der kleine Punk in seiner Hand ist frech und aufsässig, sorgte für eine willkommene Abwechslung.

Nach der Pause ging es mit der Mann-Frau-Kiste in die zweite Runde. Ja, Frauen machen sich immer schick – aber sagen die Männer das auch? Wieder mussten die Ansprechpartner im Publikum ran. Beim Komplimente aufsagen haperte es noch, da musste Herr Holm nachhelfen. „Wow, wirklich toll!“ Das kann dann gleich der ganze Saal aufsagen, doch schon beim nächsten Spruch passten die Nordfriesen. Das ist Kalkül des Akteurs, seine Fans zu reizen – und die lassen sich gern herausfordern und geben eigene Sprüche zu besten. „Ja, es ist Aufgabe der Polizei, die Pflege der Partnerschaft!“ Eine weitere akrobatische Höchstleistung die beweist, das Herr Holm sein Handwerk gründlich gelernt hat, schloss sich an. Der Polizist arbeitet verdeckt hinter dem Tresen an einer vermeintlichen Kreissäge: eine pantomimische Großtat, so echt wirkt das.Heraus kommt er mit zwei Mini-Holzwippen. Mit der einen lässt er ein Bier hochfliegen, mit der zweiten den Öffner – genial, einfach überzeugend. Und auch der geplagte Mitspieler Andreas bekam sein Bier. War ja alles nicht bös gemeint!

Zeit für den Ausklang. Herr Holm griff zu Gitarre, sang ein Lied über das Polizistenleben – und alle durften ein wenig mitträllern. Die Zugabe war mit eingeplant. Da Herr Holm für diesen Abend – 25 Jahre ist er unterwegs – die besten Szenen kombinierte, durfte die Joint-Nummer nicht fehlen. Angesichts des sich wandelnden Zeitgeistes und der wachsenden Gefährlichkeit der Droge wirkte das zwar unterhaltsam, aber irgendwie antiquiert. Sei es drum: Dirk Bielefeldt alias Herr Holm hatte an diesem Abend viel Vergnügen verbreitet – und die Eisschränke zum Abtauen gebracht.

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