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Nordfriesland Tageblatt

09. Dezember 2016 | 04:59 Uhr

Plattdeutscher Tag : Ein Ehrentag für Plattschnacker

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Vom niederdeutschen Gottesdienst bis zum Trachtentanz: Mehrere Hundert Gäste kamen in die Nordsee-Akademie.

Die Veranstalter hatten sich viel vorgenommen. „Hüüt schall de hele Nordsee-Akademie op Plattdüütsch klingen“, verkündete Malene Gottburgsen schon gleich zur Eröffnung des Plattdeutschen Tags, der gestern etliche Freunde der niederdeutschen Sprache bei bestem Altweiberwetter nach Leck lockte. Und die Sprecherin des Plattdeutschen Forums Nordfriesland hielt Wort. In den Räumen der Akademie sowie auf dem Gelände rundherum war fortan tatsächlich vor allem eins zu hören: Plattdeutsch.

Offiziell wurde der besondere Aktionstag, den das Plattdüütsche Forum, der Förderverein Plattdeutsches Zentrum sowie die Stiftung „Mien Moderspraak“ gemeinsam organisiert hatten, mit Grußworten im Forum der Akademie eingeleitet.

Lecks Bürgermeister Andreas Deidert gestand dabei zwar erst einmal, dass er als Niedersachse selbst kein Plattdeutsch spreche, die Sprache jedoch „Teil unserer Kultur ist und viel über uns aussagt.“ Er verglich die Sprachenvielfalt im Norden mit der Artenvielfalt in der Natur. Monokulturen täten keiner Region gut. „Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache. Und wir haben sie, um sie zu sprechen“, appellierte er an die rund 200 Anwesenden im Saal.

Renate Schnack, Beauftragte für Minderheiten und Plattdeutsch, erinnerte an die 29 Modellschulen im Land, in denen mittlerweile 1000 Kinder von der ersten Klasse an Niederdeutsch lernen. „Das gelang, weil wir alle an einem Strang gezogen haben“, sagte sie in Bezug auf die vielen Aktiven und Einrichtungen im Land. „Alle wollen, dass das Plattdeutsche wieder einen Aufschwung erlebt – und das tut es“, machte sie Hoffnung.

Für Peter Ewaldsen als Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen, in der neben Plattdeutsch auch Friesisch und Südjütländisch gesprochen wird, ist es wichtig, dass Kinder in die vorherrschende Sprachenvielfalt rechtzeitig einbezogen werden. Und auch in den Amtsstuben solle das Plattdeutsche aufrechterhalten bleiben, so der Amtsvorsteher. Ewaldsen mache sich keine Sorgen, dass das Niederdeutsche aussterben könne. „Es gibt ganze Landstriche, da wird nur Plattdeutsch gesprochen – und sonst nichts.“

In einer anschließenden kurzen Podiumsrunde, die die NDR-Moderatorin Christianne Nölting moderierte, verwies Chefredakteur Stefan Hans Kläsener vom Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlag (sh:z) darauf, wie oft in den Zeitungen bereits plattdeutsche Texte erscheinen. Auch er betonte, dass vor allem junge Leute an die Sprache herangeführt werden sollten. Kläsener: „Es ist wichtig, dass die Wurzel erhalten bleibt, damit die Sprache nachwächst.“

Bei den vielen bunten Programmpunkten, die dann nach der offiziellen Eröffnung rund um die Nordsee-Akademie geboten wurden, zeigte sich jedoch, dass es auch an diesem Tag noch an jungen Plattdeutsch-Interessierten mangelte. So waren es am frühen Nachmittag vor allem ältere Bürger, die zu dem besonderen Tag nach Leck kamen. Während der extra eingerichtete Kinderspielraum für die Jüngsten daher kaum genutzt wurde, herrschte an den vielen Ständen sowie bei den Aktionen und Darbietungen in den Räumen aber trotzdem Trubel.

Richtig voll wurde es schließlich beim Auftritt der bekannten Gruppe Godewind, die mit ihren plattdeutschen Liedern im Forum für Stimmung sorgte. Rund 300 Besucher genossen das Konzert – darunter vereinzelt auch wieder mehr jüngere Gäste.

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erstellt am 26.Sep.2016 | 08:30 Uhr

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