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Nordfriesland Tageblatt

02. Juli 2016 | 05:59 Uhr

Drei Wahlkämpfer im Rampenlicht

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am 24. Januar ist in Leck Bürgermeisterwahl: In der Nordsee Akademie präsentieren sich die Anwärter vor rund 330 Besuchern

Drei Kandidaten, mehr als 300 Zuhörer – am Donnerstagabend fanden die letzten Besucher keine Sitzplätze mehr im Foyer der Nordsee Akademie, so groß war das Interesse an der Vorstellung der Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Dabei sind die Anwärter, die auf dem Podium im grellen Scheinwerferlicht saßen, keine Unbekannten: Seit sechs Jahren ist Rüdiger Skule Langbehn (60) Amtsinhaber und war zuvor Bürgervorsteher der Gemeinde Leck, Andreas Deidert (52) ist aktuell Bürgervorsteher. Und der parteilose Einzelbewerber Udo Jankowski (52) war bereits 2010 zur Bürgermeisterwahl angetreten, musste sich aber gegen Rüdiger Skule Langbehn geschlagen geben, der 58,7 Prozent der Stimmen für sich verzeichnete. Jeweils zehn Minuten Redezeit hatten die Kandidaten, die Einhaltung dieser Vorgabe wurde streng überwacht von Akademie-Leiter Oke Sibbersen, der die Veranstaltung moderierte.


Der Amtsinhaber


Ein Losverfahren hatte entschieden, dass Amtsinhaber Langbehn den Anfang machen durfte. Sechs Jahre seien wie im Fluge vergangen. „Vor einiger Zeit habe ich Ihnen ein Informationsblatt zukommen lassen, in dem ich die Rückwärtsbetrachtung unserer Gemeinde in den Ergebnissen aufgezeigt habe“, eröffnete der 60-Jährige. Auf ausgesuchte Punkte ging er ausführlicher ein: In seiner Amtszeit sei der Umbau der Nordfrieslandhalle gelungen, ferner strahle die Grundschule nach dem Umbau als „Zukunftsschule Schleswig-Holsteins“ als Leuchtturm nach außen. Zudem sei auch von ihm im Ansatz der Gedanke einer Offenen Ganztagsschule mitentwickelt worden. Bei den Konversionsplänen für den Flugplatz stünden Air- und Businesspark als Ergebnis fest, hier lobte Langbehn die erfolgreiche Verbindung von Haupt- und Ehrenamt in der Gemeinde.

„Wir haben uns rechtzeitig eingemischt“, sagte Langbehn in Bezug auf die im November angekündigte Erstaufnahme-Einrichtung, zudem habe er eine Lenkungsgruppe ins Leben gerufen. Kopfschmerzen bereite ihm das Thema Krankenhaus, sowohl den Landrat, den Innenminister als auch den Ministerpräsidenten habe er kürzlich mündlich auf die besondere Bedeutung hingewiesen. Weiterhin nannte er die erfolgreiche Bewerbung bei dem Projekt „Soziale Stadt“ und seinen Einsatz für den Verbleib der katholischen Kirche in Leck als Erfolg. „Ich möchte die vielschichtigen Aufgaben unserer Gemeinde auf allen Ebenen fortsetzen.“ Auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hob er hervor. Auf diese „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ nahm ein Bürger aus dem Publikum direkt Bezug, indem er die Erklärung auf der jüngsten Gemeindevertretung anführte, Bürgermeister Langbehn sehe sich gemobbt. Die Frage kam auf, wie eine Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung nach diesem Vorfall überhaupt noch gelingen könne. Es gebe eben auch in der kommunalen Familie einmal Unstimmigkeiten, antwortete Langbehn lächelnd. Er werde weiterhin nicht mit Geheimnissen hinter dem Berg halten.


Der Rückkehrer


„Einige kennen mich noch“, eröffnete Diplom-Ingenieur Udo Jankowski (52) dann seine Rede. Jankowski stellte als eines seiner Hauptziele mehr und frühzeitigere Bürgerbeteiligung heraus. Er wolle es nicht nur bei der formalen Beteiligung belassen, sondern im Vorfeld die Bürger fragen, etwa bei Bauleitplanungen, Umgestaltungen von Straßen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden, und die Anregungen für alle Bürger sichtbar machen. Die Fachbereiche seien alle in Niebüll konzentriert, er wolle Themensprechtage etwa im Bereich Bauen auch in Leck ermöglichen. Orte wie Gemeindebücherei und Erholungsbad sollten seiner Ansicht nach stärker als Informationspunkte für die Bürger genutzt werden.

Als weitere Ziele nannte er eine „familienfreundlichere Gemeinde“. Dazu gehöre der Erhalt von Spielplätzen genauso wie generationsübergreifende Projekte und mehr Mobilität für alle. Zwar gebe es bereits den Bürgerbus, aber die Busanbindung besonders zu den südlichen Nachbargemeinden und Oster-Schnatebüll könnten seiner Meinung nach verbessert werden. Und: „Die Gemeinde muss sich stärker um das Angebot von Mietwohnungen kümmern. Eine Bestandsaufnahme der Wohnungssituation in Leck und im Amt Südtondern und der erwarteten Entwicklung der Wohnungsnachfrage ist notwendig.“

Auf Nachfrage aus dem Publikum gab Udo Jankowski an, dass er in seinem bisherigen Berufsleben unter anderem in Frankfurt als Stadt- und Verkehrsplaner bereits langjährige Erfahrungen in der Kommunal- und Landesverwaltung gesammelt habe, die er als Bürgermeister einsetzen könne. Inzwischen ist der 52-Jährige, der zuvor in Hessen wohnte, nach Leck gezogen. Der Gemeinde fühle er sich durch seine Familie seit seiner Kindheit verbunden.


Der Bürgervorsteher


„Ich habe lange überlegt, ob ich mich zur Wahl stellen soll“, eröffnete Andreas Deidert seine Vorstellung. Unter anderem, weil ihm seine Arbeit bei der Bundeswehr als Stabsoffizier im Dienstgrad Oberstleutnant Freude bereite, ihn immer noch fordere, und bei der er gut bezahlt werde – „immerhin auch A14“ – das ist auch das Gehalt, das Lecks Bürgermeister erhält. Er habe sich aber trotzdem beworben, weil ihm der Ort Leck nach wie vor gefalle – und trotzdem Potenzial für Verbesserung da sei.

Die Konversion des ehemaligen Fliegerhorstes sei von allen Projekten das Herausfordernste. Aber auch das Projekt soziale Stadt, das Flüchtlingsdorf, so es denn komme, und die Umsetzung des kommenden Ortsentwicklungsplanes seien Aufgaben, die anstünden. „Die Aufgabe des Bürgermeisters ist hier die zügige Umsetzung im Sinne der politisch getroffenen Entscheidung.“ Schwierigkeiten müsse er rechtzeitig erkennen und lösen, Hemmnisse aus dem Weg räumen. Dazu habe er seine Verwaltung, mit der er vertrauensvoll, ziel- und prozessorientiert zusammenarbeiten müsse. „Und der Bürgermeister braucht Erfahrung, Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Kontakte – habe ich das? Ja, das habe ich.“

Der Bürgermeister sei der erste Mann in der Gemeinde, egal, ob es um die kaputte Laterne oder das Loch in der Straße gehe. „Natürlich gelten auch für den Bürgermeister Gesetze, Regeln und Vorschriften. Aber es führen ja viele Wege nach Rom – und es muss ja nicht immer der längste sein. “ Deidert betonte die Wichtigkeit der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung. Der Bürgermeister müsse Entscheidungen so vorbereiten, dass die Politik eine vernünftige Wahl habe. Das müsse frei von politischem Einfluss sein, auch wenn er als CDU-Kandidat aufgestellt sei und CDU-Mitglied bleibe. Aber auch alle anderen Organisationen, Vereine, Handel und Gewerbe sowie alle Bürger seien Leck. „Die Zukunft wird sein, was wir gemeinsam daraus machen. Wenn Sie mich lassen, gehe ich vorne weg, vielleicht schaffen wir es ja auch, gemeinsam zu rennen.“

Fragen aus dem Publikum an die drei Kandidaten gab es einige. So interessierten etwa die Pensionsleistungen, die ein jeweiliger Kandidat kosten würde. Amtsinhaber Langbehn gab an, er habe sich entschieden, an diesem Abend nicht über Zahlen zu sprechen. Zur Erinnerung: Bei seinem Amtsantritt musste die Gemeinde eine Sonderleistung in Höhe von 328 800 Euro an die Versorgungsausgleichskasse leisten. Auf dieses Thema war Andreas Deidert bereits in seiner Vorstellungsrede eingegangen; unter anderem hatte er kritisiert, dass bei der vorherigen Wahl die Diskussion auf dem Rücken des Kandidaten ausgetragen worden sei, dabei müsse man die Ausgleichspraxis zwischen Versorgungsträgern anprangern. Bei ihm seien die Pensionsleistungen 230 Prozent von der Gehaltsstufe A14 monatlich. Udo Jankowski gab an, er sei inzwischen aufgrund einer Diabetes Erwerbsminderungsrenter, für ihn würden im Falle einer Wahl „normale Pensionsbezüge“ fällig. Sorge darüber, dass Giga-Liner aus Dänemark bald durch die Hauptstraße bretterten, äußerte ein Fragesteller. Wie Leck als zweitgrößter Ort besser Einfluss auf die Geschicke des Amtes gelten machen könnte,wollte ein anderer Besucher wissen. Weitere Fragen zielten auf die Gefühle der Kandidaten bezüglich der Erstaufnahme-Einrichtung ab, oder wie Schandflecken in der Hauptstraße verschönert werden könnten. Und auch: „Wie soll die Gemeinde die vordringliche Aufgabe lösen, finanziell stark zu werden?“ Durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Ansiedlung von Gewerbe vor allem auf dem ehemaligen Flugplatz, lautete die Antwort von Rüdiger Skule Langbehn. Man sollte sich keine großen Investitionen ans Bein binden, war die Ansicht von Udo Jankowski. Andreas Deidert hingegen plädierte für Investitionen: „Wenn ich mir ein Haus für 100  000 Euro kaufe, dann muss ich nicht sagen, jetzt habe ich 100  000 Euro Schulden, sondern: Jetzt habe ich ein schönes Haus.“

Für Heiterkeit im Publikum wie auf dem Podium sorgte die Frage, ob Leck und Niebüll nicht fusionieren könnten und man sich somit den Bürgermeister für Leck gänzlich sparen könnte.

Wenn auch nicht auf alle Fragen abschließende Antworten gegeben wurden, so hatten die Besucher jedoch reichlich Gelegenheit, sich ihr eigenes Urteil über Rhetorik, Schlagfertigkeit und Selbstpräsentation der Kandidaten bilden.

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