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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Leck : Diesel-Teststrecke verzögert sich

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Voraussichtlich erst 2017 könnte das Kraftfahrt-Bundesamt erste Abgas-Testfahrten machen. Ein Prüflabor entsteht andernorts.

Dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf dem ehemaligen Nato-Fliegerhorst eine Teststrecke zur besseren Kontrolle der Autoindustrie errichten will, steht fest. Wann dort aber die ersten Fahrzeuge auf dem Asphalt beschleunigen werden, bleibt weiterhin fraglich. Dabei sollte ursprünglich alles ganz schnell gehen: Kaum, dass eine US-Behörde bei Volkswagen eine Emissions-Manipulation entdeckt hatte und damit der erste Abgas-Skandal durch die Medien ging, sah das Bundesverkehrsministerium dringend Handlungsbedarf. Minister Alexander Dobrindt (CSU) sprach Anfang Juli von „Doping-Kontrollen für Kraftfahrzeuge“, die schnellstmöglich eingeführt werden müssten. Das KBA solle Zusatztests „in eigener Regie und auf eigenen Prüfständen“ durchführen können. Denn bislang hat das Kraftfahrt-Bundesamt diese Tests an Dienstleister wie Dekra und den Tüv vergeben.

Zügig wurde nach einem geeigneten Standort für eine Teststrecke zur Überprüfung der Dieselfahrzeuge gesucht. Der ehemalige Flugplatz in Südtondern mit seiner drei Kilometer langen Landebahn stellte sich aufgrund der Nähe zu Flensburg schließlich als geeignet heraus. Und beim KBA wuchs anfangs noch die Zuversicht, bereits in diesem Jahr, vielleicht sogar im Oktober mit den Auto-Testfahrten beginnen zu können.

Ein Zeitplan, der mittlerweile überholt ist, wie Anfang der Woche nun noch einmal deutlich wurde. Mitarbeiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Wirtschaftsförderung Nordfriesland sowie vom KBA trafen sich mit örtlichen Vertretern erneut im Lecker Rathaus, um sich über den Stand der Dinge auszutauschen und das weitere Vorgehen zu konkretisieren.

„Einige Projekte sind so umfangreich, dass im Vorfeld die für eine Umsetzung tatsächlich notwendige Zeit noch gar nicht vorhersehbar ist,“ erklärt Lecks Bürgermeister Andreas Deidert. Ob beispielsweise zum Immissions- oder Lärmschutz: Erst seien etliche Gutachten notwendig, bei denen jede Menge Träger öffentlicher Belange und anderer Behörden zu beteiligen wären. „Allein mit den Laufzeiten ist es utopisch, dass überhaupt irgendein Auto im Test noch dieses Jahr auf der Strecke fährt.“ Deidert selbst rechnet daher erst frühstens Ende nächsten Jahres mit einer Umsetzung der Dobrindt-Pläne. Immer noch eine ambitionierte Zeitplanung, die sich aber seiner Meinung nach aufgrund von Synergieeffekten bewahrheiten könnte. Da die drei Gemeinden Leck, Tinnigstedt und Klixbüll länger schon an einem „Gewerbepark Südtondern“ als ein Konversionsprojekt für das ehemalige Flugplatzareal arbeiten und dort unter anderem einen Airpark (für Sportflugtourismus) sowie Businesspark (für flugzeugaffines Gewerbe) ansiedeln wollen, sind bereits einige Kartierungen und naturschutzrechtliche Gutachten in Auftrag gegeben. Von derartigen Vorarbeiten könne das KBA nun profitieren.

Auch Bürgermeister Deidert ist mit seinen Kollegen Werner Schweizer (Klixbüll) und Dirk Enewaldsen (Tinningstedt) viel daran gelegen, dass die Entwicklung des insgesamt 330 Hektar großen Areals zügig vorangeht. Rechenzentren aus Europa und den USA haben laut des Lecker Bürgermeisters bereits Interesse an einer Gewerbefläche bekundet und diese zwischenzeitlich sogar schon besichtigt. „Von daher ist es für uns gut, dass eine Bundesbehörde jetzt mit an Bord ist. Das wird sicherlich den gesamten Entwicklungsprozess etwas beschleunigen“, hofft Deidert.

An 150 Werktagen im Jahr will das KBA künftig Fahrzeuge auf die Teststrecke schicken. Allen Beteiligten ist wichtig, dass dabei die bereits vorhandenen Konversionspläne nicht durchkreuzt werden und auch die auf dem Gelände beheimatete Sportfluggruppe, die die Landebahn ebenfalls nutzen will, nicht eingeschränkt wird. „Wir gehen davon aus, dass sich die einzelnen Interessen harmonisieren lassen“, ist sich Werner Schweizer sicher. Für die Teststrecke stehen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums, dem das KBA untersteht, zwei Millionen Euro bereit. Neben der Fahrstrecke soll zudem ein Prüflabor mit mobilen Abgas-Messsystemen eingerichtet werden. Auch dafür war bislang Leck als Standort im Gespräch. „Wo das Labor hinkommt, steht weiterhin noch nicht fest“, sagt Deidert. „Das wird sich voraussichtlich in der nächsten Woche klären. Es verdichten sich aber die Hinweise, dass der Prüfstand erst einmal nicht zu uns kommt, sondern dichter an Flensburg entsteht.“

Gerüchte, dass der neue Standort für ein geplantes Prüflabor Harrislee sein könnte, wurden gestern von offizieller Stelle nicht bestätigt. „Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen“, sagte KBA-Pressesprecher Stephan Immen auf Anfrage. Auch vom Bundesministerium für Verkehr war dazu keine offizielle Aussage zu bekommen. In Harrislee sind unter anderem bereits die Prüfstellen vom Tüv sowie der Dekra vertreten.

 

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erstellt am 27.Sep.2016 | 12:38 Uhr

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