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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Die Suche nach Herausforderungen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ob Au-Pair-Jahr in England oder Highschool-Jahr in den USA: Auf Alexandra Werner und Lara Petersen warten neue Welten und Erfahrungen

Beide machen in diesem Jahr an der Regionalschule ihren Abschluss, und beide zieht es ins Ausland: Alexandra Werner (17) wird für ein Jahr nach England gehen und dort als Au-Pair-Mädchen arbeiten, Lara Petersen (16) zieht es in die USA, genauer in den Bundesstaat Idaho. Und so unterschiedlich wie ihre Reiseziele sind auch die Auswahlverfahren der entsendenden Organisationen sowie die persönlichen Pläne der Schülerinnen.

Beworben hatte sich Alexandra beim Verein für Internationale Jugendarbeit in Kiel. „Die Chancen für ein Au-Pair-Jahr dort standen für mich zunächst nicht gut, da man mindestens 18 Jahre alt sein muss.“ Da sie aber während ihres geplanten England-Aufenthaltes nach deutschem Recht volljährig wird (in England ab 21), klappte es dann doch. Am 13. August geht es los. Insgesamt wird sie ein Jahr bleiben. Ein Vorteil: Ihre künftige Gastfamilie kennt Alexandra schon – und das war ein glücklicher Zufall. „Wir waren auf den Weg nach Birmingham, um dort ein Konzert von ,Little Mix‘ zu besuchen, als ich eine E-Mail der Agentur bekam.“ Die Familie wollte sie gerne kennenlernen. Und so traf Alexandra nach dem Konzert Mutter und Tochter, besuchte sie in ihrem Zuhause. In ihrer Gastfamilie wird Alexandra sich um die drei Kinder (zwei Jungen, ein Mädchen) zwischen acht und zwölf Jahren kümmern, mit ihnen die Hausaufgaben machen, für sie kochen oder „die Schuluniformen bügeln“, berichtet sie. Dafür bekommt sie einen Lohn. Doch auch die Freizeit wird nicht zu kurz kommen. Alexandra will in Birmingham wieder Fußball spielen. „Sturm, aber am liebsten eher hinten.“ Ein Muss ist die Stadt London. Und Sprachkurse möchte sie belegen.

Wenn die Niebüllerin erzählt, leuchten ihre Augen. England hat es ihr – schon nach drei Aufenthalten dort – angetan. „Es war Liebe auf den ersten Blick: die Sprache, das Essen und die Kultur, das Land, die altmodischen Häuser – die ganze Umgebung“, schwärmt sie. „Ich könnte mir sogar sehr gut vorstellen, dort später einmal zu leben.“

Das Ziel von Lara Petersen ist der US-Bundesstaat Idaho. Im Gegensatz zu ihrer Klassenkameradin wird die 16-Jährige aber dort weiter die Schulbank drücken – ein Highschool-Jahr einlegen. Lara ist nicht die erste in ihrer Familie, die es in die Ferne zieht. Cousins und Cousinen, aber auch Freunde haben den Schritt gewagt. „Meine erste Wahl war Australien, aber das war zu teuer und auch zu gefährlich.“

Auf die Möglichkeit stieß sie im Internet, bewarb sich beim „American Institute for foreign study“ (AIFS). Es folgte ein Vorstellungsgespräch, um die Bewerber kennenzulernen, denn: „Wer ins Ausland geht, muss körperlich geeignet und seelisch bereit sein“, erklärt Lara Petersen. Und dazu gehört auch die Sprache. Ein Interview auf Englisch, Texte lesen und schreiben – das alles musste Lara wuppen. „Dazu einen Haufen Papiere ausfüllen.“ Wie Alexandra musste auch sie Untersuchungen und Impfungen über sich ergehen lassen. Atteste, Zeugnisse und sonstige Papiere sammelte sie, schickte sie ein. Dann hieß es warten und hoffen.

Lara erhielt die Zusage. Sie startet am 9. August und wird elf Monate (die Dauer ihres Visums) bleiben. Leben wird sie in einer Familie, die eine Tochter in ihrem Alter hat, in einer Stadt von der Größe Husums. „Kalifornien – dort hat meine Gastfamilie zuvor gelebt – wäre mein Traum gewesen, aber ich bin zufrieden.“ Neben der Schule möchte sie alles an Aktivitäten mitnehmen, was geboten wird. Cheerleading und Sport wie Volleyball spielen und reiten gehören dazu. Und sie will etwas von dem riesigen Land sehen, möglichst viel erleben. „New York, Los Angeles, San Francisco und vielleicht ganz hoch in den Norden.“ Vor Ort hat sie einen Ansprechpartner, den „Local Coordinator“, der ihr bei Fragen und Problemen zur Seite steht, die Organisation liegt in den Händen der Partnerorganisation „Academic Year in America“ (Aya). Einen Monat hat sie, um sich einzugewöhnen, zu sehen, ob es klappt. Informationen hat sich Lara bei jenen geholt, die schon einmal ein Highschool-Jahr in den USA gemacht haben.

Der gesamte Aufenthalt ist nicht ganz günstig. Etwa 10  000 Euro muss Lara aufbringen, denn anders als Alexandra verdient sie in den USA kein Geld. Aber: „Es ist ein Erlebnis, das ich nie wieder bekomme.“ Au-Pair und „Work and Travel“-Angebote? „Das wäre nichts für mich gewesen.“

Obwohl sich beide freuen, steigt schon jetzt die Aufregung und Nervosität. Sie planen, machen sich Gedanken, was sie mitnehmen sollen. „Ich lasse alles auf mich zukommen“, sagt Alexand  ra. Dennoch ist sie ein wenig traurig, Freunde und Familie für eine Zeit zurücklassen zu müssen. „Aber eine neue Umgebung und eine neue Kultur – das ist die größte Herausforderung.“ Lara sieht es ähnlich. „Am schwersten werden Weihnachten und die Geburtstage sein.“ Sie nimmt ein Abschiedsbuch mit, in dem sich Freunde mit Bildern und Texten verewigen können. „Das darf ich frühestens auf dem Flug öffnen. Immer, wenn ich Heimweh bekomme, gucke ich es mir an.“

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erstellt am 22.Jun.2016 | 14:01 Uhr

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