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Nordfriesland Tageblatt

29. Mai 2016 | 09:37 Uhr

Bronzemodell von Niebüll : Die Stadt zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Demnächst könnte ein Bronzemodell von Niebüll im Maßstab 1:650 den Rathausplatz bereichern.

Vom langen Bahnhofsgebäude spazieren die Fingerkuppen zur Christuskirche. Ein paar Straßen und Hausecken weiter, stoppen Daumen und Zeigefinger schließlich beim Rathausplatz. Etwa zehn Minuten braucht man zu Fuß für diese Route, mit den Fingern nur wenige Sekunden.

Wer in Niebüll von A nach B gelangen möchte, kommt womöglich demnächst etwas schneller voran – vorausgesetzt, dass er die Strecke auf einem dreidimensionalen Miniaturmodell zurücklegen kann. Denn geht es nach der CDU-Fraktion, soll die Stadt bestenfalls schon Anfang 2017 mit einem Stadtmodell aus Bronze glänzen können. Ein Vorschlag, der bei der nächsten Stadtvertretung (Donnerstag, 28. Januar, 19 Uhr, im Rathaus) auf der Tagesordnung steht. Und eine Idee, die den Rathausplatz beleben und attraktiver machen soll.

„Für die Bürger ist es eine unheimliche Bereicherung“, wirbt der Fraktionsvorsitzende Bernd Neumann, der ein derartiges Werk bereits von der Insel Sylt kennt. „In Westerland sehe ich, wie viele Menschen regelmäßig um das Modell herumstehen“, sagt er. So ein Stadtobjekt sei eine hervorragende Möglichkeit, für Jung und Alt, Blinde sowie Sehende, Einwohner und Touristen, ins Gespräch zu kommen. Menschen mit Sehbehinderungen könnten sich künftig anhand des Modells leichter orientieren, weil es ihnen ermöglicht wird, das Stadtgefüge im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“. Für sie waren solche Tastmodelle, die auch Erläuterungen zu den Gebäuden in Blindenschrift enthalten, ursprünglich gedacht. Die Erfahrungen aus vielen Städten in Deutschland aber zeigen, dass die Miniatur-Nachbildungen auch bei Sehenden sehr gut ankommen. Die Vogelperspektive bietet einen besonderen Überblick über die Stadt, um Distanzen sowie bauliche Strukturen besser erfassen zu können.

Anfertigen könnte das originalgetreue Modell Egbert Broerken aus Welver/Westfalen. Erstmals in Münster und seitdem in etwa 50 Städten in Deutschland und 20 Städten in Europa hat der Bildhauer sein Projekt „Stadtmodell zum Sehen, Fühlen und Begreifen“ bereits verwirklicht. Broerken reichen Fotos aller Gebäude und Häuserzeilen, um sich einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Voraussichtlich ein Dreivierteljahr benötigt der Künstler dann, um das 160 x 90 Zentimeter große Tastmodell im Maßstab 1:650 zu erstellen.

Arbeit, die ihren Preis hat. 27  550 Euro würde der Bronzeguss mit Sockel kosten. „Und bestenfalls sieht die Finanzierung so aus, dass die Stadt, die Aktiv Region Nordfriesland Nord sowie Sponsoren das Projekt zusammen schultern“, sagt Neumann, der hofft, dass am Donnerstag der Beschlussvorschlag auf Zustimmung trifft.

Der Künstler selbst, Egbert Broerken, würde sich freuen, wenn demnächst auch eines seiner Werke in Niebüll steht: „Meine Frau hat Verwandtschaft in der Stadt. Und sollte dort ein Modell mal eingeweiht werden, würde meine ganze Familie mit in den Norden reisen.“

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erstellt am 25.Jan.2016 | 18:36 Uhr

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