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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 03:36 Uhr

Green Screen in Leck : Die Natur in der Hauptrolle

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Rund 140 Zuschauer genossen in Leck mit „Green Screen“ fantastische Naturaufnahmen. Einige Film-Szenen entstanden in Südtondern.

Für Strauße ist Regen überlebenswichtig. Schneeeulen nehmen mehr als 5000 Kilometer Flug bis zur Nordsee auf sich, um Nahrung zu finden. Im Amazonasgebiet helfen Mythen, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier zu wahren. Das und viel mehr erlebten die Zuschauer am Sonnabend im Deli-Kino in Leck. Rund 140 Naturfilmfreunde waren der Einladung des Nordfriesland Tageblatts gefolgt und genossen im Rahmen der Green-Screen-Tournee fantastische Aufnahmen im Großformat.


Überleben des Nachwuchses steht und fällt mit dem Regen


Der erste Filmbeitrag „Der Strauß – zum Laufen geboren“ von Mike Birkhead und Martyn Colbeck zeigte den Kampf ums Überleben der Brut in der afrikanischen Wüstenwelt. Die Entstehung neuen Straußenlebens beginnt mit Balzritualen, die einer komplexen Choreografie folgen: Der Hahn muss sich gründlich beweisen, bevor er bei der Henne zum Zug kommen darf. Sie rennt vor ihm davon, erst wenn er sich als schnell und wendig genug erweist, erhört sie sein ausdauerndes Werben. Dass Strauße den Kopf in den Sand steckten, stimmt so nicht, erläuterte der Sprecher des Films – die Eltern auf dem Gelege seien schlicht bemüht, Kopf und Hals so dicht wie möglich über dem Boden zu halten, um ihre Brut vor Fressfeinden zu schützen. Am Ende des Films sind es aber nicht Schakale und Kampfadler, die über Leben oder Tod der Küken entscheiden, sondern der Regen. Ein Straußenpaar hat zur richtigen Zeit gebrütet, es gibt ausreichend Nahrung für den Nachwuchs. Ein anderes Paar war zu früh dran: Der Regen fällt nicht, seine Küken müssen verhungern.


Singschwan-Szenen aus Südtondern


„Die Reise der Schneeeulen“ von Klaus Weißmann, Dietmar Nill und Brian McClatchy zeigte die lange Reise der Überlebenswanderer aus ihrer sibirischen Heimat bis in unsere Gefilde an der Nordsee. Ist der Winter zu kalt und ihre Hauptbeute, der Lemming, nicht zahlreich genug in der Population, machen sich die Tiere auf und legen unter Umständen mehr als 5000 Kilometer zurück. Unterwegs konkurriert eine der vom Filmteam begleiteten Eulen mit Hermelinen und Vielfraßen um die knappe Beute unter dem tiefen Schnee. An der Nordsee angekommen, sind es Möwen und Fischreiher, die nicht mit dem Gast aus Sibirien teilen wollen.

Wer bei einigen Szenen dachte, „das könnte doch auch bei uns gefilmt worden sein“, täuschte sich nicht: „Einige sehr schöne Szenen des Schneeeulenfilms wurden hier bei uns gedreht“, wusste Zuschauerin Antje Kirschberger zu berichten. Die Aufnahmen mit Singschwänen seien in Aventoft an der deutsch-dänischen Grenze entstanden, die Szenen mit Enten und Gänsen im Rickelsbüller Koog. Die Hobby-Naturfotografin und -Filmerin aus Rodenäs ist seit rund 30 Jahren mit dem Kameramann Dietmar Nill befreundet – und war beim Dreh dabei: „Am 4. Februar 2012 war es morgens um 5 Uhr bitterkalt, Dietmar war hier in der Hoffnung, schöne Szenen mit Singschwänen zu drehen. Ich hatte eine noch offene Wasserstelle gefunden. Bei minus 15 Grad zogen wir dick eingepackt zum Schlafplatz der Schwäne. Es passte alles. Wir konnten uns mit dem ganzen Gepäck gut anschleichen und als dann die Sonne aufging, die Schwäne langsam wach wurden – Tausende – da standen wir beide fast sprachlos diesem Naturschauspiel gegenüber. Er filmte, ich staunte.“ Wer sich aufmerksam den Film-Abspann ansah, konnte darin einen Dank an die Rodenäserin lesen.


Männer werden zu Delfinen, ungehorsame Frauen zu Seekühen


In eine beispielhafte Balance von Mensch und Natur entführte der letzte Beitrag „Tiermythen – die Kinder des rosa Delfins“ von Florian Guthknecht, Moritz Kipphardt und Dunja Engelbrecht. Am knisternden Lagerfeuer erzählt Schamane Domingos seinem Volk der Amazonas-Indianer von Boto, dem legendären rosafarbenen Flussdelfin. Er gilt als Verführer der Frauen, der an Land zu einem schönen Mann wird. Die Indianer glauben nicht nur, dass jeder Mensch zum Tier werden kann – ungehorsame Frauen zu Seekühen zum Beispiel –, sondern respektieren auch Zeichen der Natur. Denn der Boto wacht auch über die Balance im Fluss: Kommt er nahe an das Boot eines Fischers, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier nicht mehr gefischt werden darf. So haben die Indianer ihre eigenen Rituale und Verhaltenskodexe entwickelt, um in Harmonie mit der Natur zu leben – und zum Beispiel Überfischung zu vermeiden.

Doch der Friede am Fluss ist gestört: Fremde Fischer töten Botos, zerhacken sie, um damit Welse anzulocken. Tradition und Moderne finden zusammen, um dagegen anzugehen: Francis, Sohn des Schamanen Domingos, und Biologin Stella finden gemeinsam Wege, um auf die Besonderheiten des immer seltener werdenden Botos und der traditionsreichen Balance am Amazonas aufmerksam zu machen.

Nach jedem Film hatten die Kinobesucher mit Applaus gezeigt, dass sie von allen Beiträgen beeindruckt waren – am Ende durften sie ihrem Liebling ihre Stimme für den sh:z-Publikumspreis geben. Für Elisabeth Magnussen stand ihr Favorit nach rund zweieinhalb Stunden Naturfilmvergnügen sofort fest: „Die Tiermythen haben mich am meisten beeindruckt, besonders der Zusammenhang von Harmonie und Respekt zwischen Mensch und Natur.“ Ihre Schwester Nicole Magnussen entschied sich nach einigem Abwägen für den Straußenfilm: „Mich hat vor allem die Technik überzeugt und wie nah man als Zuschauer den Straußen kommen konnte, unglaublich. Es müssen viele, viele Stunden Arbeit dahinter stecken.“ Der Niebüller Bernd Kraus hingegen sah den Schneeeulen-Film ganz vorn: „Die Eule fliegt ja eigentlich nur. Daraus eine spannende Geschichte zu machen, ist für mich eine filmische Meisterleistung – was die anderen Beiträge nicht schmälert.“


Der sh:z-Publikumspreis wird am 17. September verliehen


Das Votum des Südtonderaner Publikums werden Susanne und Jens Stender, die vom Green-Screen-Team nach Leck gekommen waren, mit nach Eckernförde nehmen. Der Publikumspreis des sh:z wird auf der Preis-Gala des Festivals am 17. September in der Eckernförder Stadthalle verliehen. „Ich finde es schön, dass es auch in kleineren Orten wie Leck noch Kinos gibt“, lobte Jens Stender – in Eckernförde, der Heimat des Green-Screen-Festivals, sei das Kino 2010 geschlossen worden und die Verantwortlichen könnten sich seitdem nicht auf einen neuen Standort einigen. Er dankte besonders Helga und Michael Jessen, die ihr Deli-Kino für jeden Tournee-Halt des Green-Screen-Festivals in Leck kostenlos zur Verfügung stellen.

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erstellt am 15.Aug.2016 | 10:30 Uhr

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