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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:16 Uhr

Niebüll : Die Ministerin im Mittelpunkt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Händeschütteln und Gruppenfotos: Britta Ernst besucht im Rahmen ihrer Sommertour auch die Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern.

Jugendliche spielen im Flur am Kickertisch und warten auf die Ministerin. Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt steht einen Gang weiter und wartet auf die Ministerin. Ein Reporter steht vor der Tür der Bildungs- und Arbeitswerkstatt Südtondern gGmbH (BAW) in Niebüll und lässt sich von Geschäftsführer Hauke Brückner schon mal ein paar Sätze ins Mikro sprechen. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst wird erwartet. Sie tut an diesem Dienstag, was Minister im Sommer halt so tun: durchs Land reisen, mit Menschen sprechen, da vorbeischauen, wo Politik auf Praxis trifft.

„Am Übergang von der Schule zum Beruf sollte niemand verlorengehen“, wird Ernst im ersten Satz der Pressemitteilung zu ihrer diesjährigen Sommertour zitiert. 9.45 Uhr war sie laut Plan in der Jugendberufsagentur Nordfriesland und der Regionalen Ausbildungsbetreuung in der Beruflichen Schule des Kreises Nordfriesland in Husum. 11 Uhr folgte ein Besuch im Restaurant „Norditeran“ in Bordelum. „Assistierte Ausbildung zum Beikoch – ein Beispiel für gute Kooperation“ war das Thema.

„Sechs Minuten drüber, das geht ja eigentlich“, sagt ein Journalist mit Blick auf seine Uhr, als 12.21 Uhr schwarze Wagen vor die BAW rollen. Die Ministerin und ihre Mitarbeiter sind da. Händeschütteln. Im Restaurant schon was gegessen? Nein. Also erst mal ein Mittagsimbiss. 12.46 Uhr beginnt die Führung. Im ersten Büro: Händeschütteln mit BAW-Mitarbeitern, ein paar Minuten Gespräch im Stehen.

Die BAW soll Menschen helfen, die auf den normalen Ausbildungswegen keine Chance hätten – Lernbehinderte, benachteiligte Jugendliche, Flüchtlinge. Ernst sagt, dass 7,5 Prozent der Schulabgänger in Schleswig-Holstein keinen Abschluss haben, sei ihr noch zu viel. Aber als Ministerin habe sie immerhin dafür gesorgt, dass es Fortschritte gebe. „Bei uns gibt es kaum welche ohne Schulabschluss“, sagt Geschäftsführer Brückner. Bürgermeister Bockholt sagt, zur Wahrheit gehöre auch, dass es eine Phase gab, in der die BAW durch die Stadt gerettet werden musste.

Im nächsten Büro erzählt ein BAW-Mitarbeiter von der Zusammenarbeit mit der dänischen Seite: „ ... grenzüberschreitend ... interkulturelles Training ... Wissenstransfer ...“ Die Ministerin nickt. Nach ein paar Minuten geht es weiter. Auf dem Weg zu einer Werkstatt kommt die Gruppe an den Jugendlichen vorbei, die vorhin noch gekickert haben und nun auf Sitzmöbeln hocken. Die Jugendlichen sind schon halb aufgestanden, bevor sie sich wieder zurücksinken lassen – weil sie merken, dass sie noch nicht dran sind.


Mannschaftsfoto mit der Ministerin


In der Werkstatt werden Fotos von der Ministerin mit dem Geschäftsführer und dem Bürgermeister geknipst. „Bitte noch mal hierher gucken ...“ Es folgt eine weitere Werkstatt, dann ein Schulraum, in dem Flüchtlinge gerade Deutsch lernen. Sie dürfen sich kurz vorstellen: „Ich heiße ... und komme aus ... ich wohne in ...“ Noch ein paar Fotos? Die Ministerin stellt sich zwischen die Schüler. Pressesprecher und Bürgermeister geben zu bedenken, dass man die Flüchtlinge vor Veröffentlichung der Bilder am besten um eine schriftliche Einwilligung bitten sollte – nicht, dass es nachträglich Ärger gibt, wenn beispielsweise die Frau mit dem Kopftuch in der Zeitung erscheint.

Kurz nach 13 Uhr endet der Rundgang, wo er begonnen hat: vor der Tür. Dort haben die Jugendlichen vom Kickertisch ihren Einsatz. Aufstellen zum Mannschaftsfoto: einige stehen, ein paar hocken, die Ministerin mittendrin, der BAW-Geschäftsführer kommt auch noch dazu. Die Presseleute drücken auf die Auslöser ihrer Kameras. Noch ein, zwei routinierte Fragen an die Ministerin, die ebenso routiniert antwortet. Fazit: „Hat mich gefreut.“ Händeschütteln. Die Ministerin steigt ins Auto. Nächster Termin: Besuch beim Jugendaufbauwerk Schleswig. Und am Mittwoch geht’s unter anderem zur Landesgartenschau in Eutin.

Nachfrage beim Bürgermeister und Geschäftsführer: Wie war das noch mal mit der Phase, in der die BAW durch die Stadt gerettet werden musste? Und wie funktioniert das heute? Brückner und Bockholt beginnen zu erzählen – von schweren Zeiten, Arbeitsplätzen, Gerichtsentscheiden und dem permanenten Rechnen, ob das Geld reicht. Da beginnt man zu ahnen, wie viel Arbeit tatsächlich hinter der BAW steckt, wie wichtig die Einrichtung für Integration in Südtondern ist – und wie wenig selbstverständlich.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 12:18 Uhr

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