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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 15:29 Uhr

Die klaglose Kartoffelrose: Zu Unrecht ungeliebt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„Rosa Rugosa“ hat einen großen Verbreitungsdrang, ist aber nützlich

Wenn man von Rosen im Garten spricht, dann meint man normalerweise nicht die Kartoffelrose (Rosa Rugosa). Nordeuropas häufigste Wildrose, die ursprünglich aus Nordchina und Ostsibirien stammt, hat nicht den Ruf, eine schöne oder angenehme Gartenbewohnerin zu sein. „Das Zeug ist wie Unkraut“, hört man manche schimpfen, bei denen sie sich angesiedelt hat oder deren Grundstück an eine Rugosa-Hecke grenzt. Im „öffentlichen Grün“ ist die vermutlich robusteste aller Rosen nämlich durchaus beliebt. Sie steckt klaglos fast alles weg, was ihr zugemutet wird. Weder staunasser Boden noch Strandsand können sie beeindrucken, die Salzdusche einer Sommersturmflut nimmt sie ebenso entspannt hin wie Kahlfrost unter minus 25 Grad. Das einzige, was diese „Unrose“ wirklich nicht mag, ist langanhaltende Hitze. Ansonsten blüht sie unermüdlich von Anfang Juni bis zum Frost und produziert ab Juli nebenher dicke fleischig-weiche Hagebutten in Massen.

Eigentlich also eine Gartenpflanze, die pflegeleicht und beliebt sein sollte. Wäre da nicht ihr Drang, sich auszubreiten, sowohl durch unterirdische Ausläufer als auch durch exzessive Aussaat. Trotzdem sollte man, jedenfalls wenn man keinen allzu kleinen Garten hat, eine oder mehrere Kartoffelrosen dulden. Sie sind ausgesprochen nützlich für die Vogelwelt, und auch wir Menschen können sie vielfältig nutzen. Den Ausbreitungsdrang bekommt man in den Griff, wenn man auf beiden Seiten der Hecke/Pflanze Rasen anlegt. Wenn im Sommer mindestens alle 14 Tage gemäht wird, haben die Ausläufer keine Chance. Die Sämlinge im Blumenbeet kann man ebenso wie anderes Unkraut einfach mit der Hacke bekämpfen.

Um Freude an den „Unrosen“ zu haben, sollte man sie unbedingt nutzen. Da gibt es viele Möglichkeiten: Im Sommer am frühen Morgen die Blütenblätter von befruchteten Blüten pflücken (das erkennt man daran, dass die Staubblätter sich nach innen biegen, braun werden und die Blütenblätter leicht abgehen) und sie mit Zucker in einem Glas schichten. Das Gefäß wird in die Sonne gestellt und jeden Tag werden weitere Blütenblätter nachgefüllt. So entsteht über ein paar Wochen ein wunderbar duftender Rosensirup. Eventuell fängt er kurz an zu gären, was das Aroma noch deutlich verstärkt und höchstens zwei Prozent Alkohol verursacht. Apropos Alkohol, auch ein Liköransatz mit Wodka oder Korn lohnt sich, insbesondere wenn man später den Rosensirup anstatt Zuckersirup nimmt, um den Likör fertigzustellen.

Wenn man einen starken Tee aus den Blüten bereitet, kann man unter Zugabe von Zitronensaft, Erdbeeren oder Himbeeren und Vanillemark köstliche Marmeladen und Gelees zaubern. Auch lassen sich die Blüten mit etwas Hefe wie „Fliedersekt“ zubereiten.

Die Hagebutten kann man später im Jahr mit Zucker oder Honig (ohne Gelierzucker) zu cremigen Brotaufstrichen verarbeiten, die sich mit Schlagsahne oder Quark auch als Tortenfüllung verwenden lassen. Auch als „Tomatensauce“ oder Bruschetta-Aufstrich lässt sich das Hagebuttenmark verwenden. Einfach mit italienischer Würzung und etwas Tomatenmark versehen. Wenn es zu sauer ist, hilft ein Teelöffel Natron. Man gewinnt es, in dem man die (reifen, aber nicht matschigen) Hagebutten kurz aufkocht, bis sie gerade eben weich werden und dann durch eine gutes Passiergerät kurbelt. Über Hagebutten, die man selbst nicht verbraucht, freuen sich im Winter die Vögel, und die ungefüllten Blüten der Kartoffelrose sind eine tolle Bienenweide. Wenn man Rugosas im Garten anpflanzen möchte, muss das nicht einmal etwas kosten. Mit Sicherheit bekommt man Ausläufer von irgendwem geschenkt.


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erstellt am 23.Jun.2016 | 17:19 Uhr

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