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Nordfriesland Tageblatt

26. März 2017 | 09:30 Uhr

Langenberger Forst : „Die Fichten lassen die Hosen runter“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Revier der Försterei Langenberg werden derzeit die Bäume gefällt, die durch die Spätschäden des Orkans „Christian“ krank geworden sind.

Waldbesucher sind gern gesehen im Langenberger Forst. Jenen allerdings, die vom Menschenauge kaum gesichtet werden und es sich unter den Baumrinden schmecken lassen, wird der Garaus gemacht: Der „Buchdrucker“ und der „Riesenbastkäfer“ haben sich nach dem Orkan „Christian“ vor dreieinhalb Jahren stark vermehrt, Fichten befallen und sie absterben lassen. Das ist einer der Gründe, warum die „Harvester-Holzerntemaschine“ einigen Bäumen zu Leibe rückt.

In der Försterei Langenberg, zu der auch der Karlumer und Sprakebüller Wald gehören, erfolgt zurzeit ein „Sammelhieb“. Das heißt, dass über das ganze Revier verteilt stehende Bäume geschlagen und aufgearbeitet werden. Schuld ist Orkantief „Christian“, das im Herbst 2013 eine Schneise der Verwüstung angerichtet und in Nordfriesland mehrere 100  000 Festmeter Holz „flachgelegt“ hatte. Danach mussten viele Bäume mit den neuen Bedingungen zurechtkommen. Sie bekamen plötzlich deutlich mehr Licht, volle Sonnenwärme und direkten Wind. „Viele Bäume leiden im wahrsten Sinne unter einem Sonnenbrand, den einige nicht überleben. Andere verdursten, weil im Orkan Wurzeln teilweise abgerissen wurden und nicht schnell genug neue gebildet werden konnten“, erklärt Förster Jörn Frank.

Zu den Spätfolgen im Nadelwald zählt zudem die Käferkalamität: „Borkenkäfer & Co. haben nach dem Sturm viel Brutmaterial gefunden und sich massenhaft vermehrt.“ Unter der Rinde der Nadelgehölze findet das große Fressen statt, die Rinde fällt ab oder wird von Spechten abgeschlagen. „Dieser Vorgang geht mitunter so schnell, dass die Krone noch voll grüner Nadeln ist und mit dem Absterben nicht hinterher kommt“, sagt der Forstmann und verrät den Fachjargon: „Das sind Fichten, die ‚die Hose heruntergelassen haben‘“.

Auf jeden Fall müssen die absterbenden Bäume gefällt werden, weil sie eine lebensbedrohende Gefahr bedeuten. Im vorigen Jahr waren übrigens 3  500 Festmeter als Folgeschäden angefallen, 2017 werden es 1500 Festmeter (rund 2000 Bäume) sein. Jörn Frank blickt besorgt auf diese Maßnahme: „Die Käfer- und Sonnenbrandbäume bedeuten einen gewaltigen Wertverlust, weil das Holz häufig nur noch als Verpackungsholz verwendet werden kann. Die Holzernte ist wesentlich aufwendiger und damit teurer.“

Nicht weil Geld verdient, sondern durchforstet werden muss, wird in diesen Tagen auch ein regulärer Einschlag vorgenommen. „Wir haben Nachholbedarf. Wir müssen pflegen“, argumentiert der Forstmann. Für die Begründung eines Waldes von einem Hektar benötigt man rund 5  000 kleine Bäume. Nach 100 bis 150 Jahren stehen auf dieser Fläche, heißt es weiter, lediglich noch 200 bis 400 große Bäume. Das macht Sinn, damit nicht nur dünne, lange und unstabile Bäume wachsen. „Nur weil der Langenberg über Jahrzehnte regelmäßig gepflegt wurde, haben große Waldflächen den Orkan „Christian“ überlebt“, schreibt der Förster seinem Vorgänger Jürgen Lorenzen zugute. Nach der Orkan-Katastrophe ist es nun wieder an der Zeit, die Bestände zu pflegen und durchzuforsten. „Wir achten darauf, dass die Krone 50 Prozent der Baumlänge ausmacht. Dann haben wir einen sicheren Bestand“, weiß Jörn Frank. „ Dem gegenüber stehen die restlichen Wiederaufforstungen von Sturmflächen. Gut 120  000 Bäumchen wurden gepflanzt, in diesem Jahr folgen 56  000 junge Pflanzen. 

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erstellt am 11.Mär.2017 | 06:00 Uhr

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