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Nordfriesland Tageblatt

07. Dezember 2016 | 11:45 Uhr

Die doppelte Hans-Momsen-Straße

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Eine Postleitzahl, ein Name, zwei Orte, nämlich Dagebüll und Niebüll – das führt zu Verirrungen, besonders bei Ortsunkundigen und Technikgläubigen

Von seinem Esstisch aus hat Werner Basner einen Panoramablick. Auf seinen großen Garten im Dagebüller Ortsteil Fahretoft, aber auch auf den Wendehammer in der Hans-Momsen-Straße. Wenn dort verzweifelte Kurierfahrer stehen oder Autos immer wieder hin und her fahren, weiß der Fahretofter warum: „In Niebüll gibt es auch eine Hans-Momsen-Straße, zudem haben Niebüll und Dagebüll die gleiche Postleitzahl.“ Eine Postleitzahl, ein Straßenname, zwei Orte – das führt zu Verwirrungen, besonders bei Ortsunkundigen und Technikgläubigen. „Wer nicht genau guckt, welche Hans-Momsen-Straße sein Navigationsgerät auswählt, landet mit einiger Wahrscheinlichkeit am falschen Ort“, so der Fahretofter. Das komme nicht täglich und auch nicht wöchentlich vor, aber doch regelmäßig.

Und weil Werner Basner um das Problem weiß, hat er schon häufig Verirrte auf den rechten Weg gebracht. Sogar mit dem eigenen Auto: „Die Krönung ereignete sich kürzlich, als abends gegen 20 zwei Gespanne auf dem Wendehammer standen, ein Pferdeanhänger und ein Kleinbus des Deutschen Roten Kreuzes. Daneben standen ein ausländisches Pärchen und Helfer aus Dithmarschen, die die Flüchtlinge beim Umzug unterstützen wollten.“

Schnell wurde mit Hilfe des Ortskundigen klar: Die gesuchte Adresse war in Niebüll. „Aber das Navigationsgerät der Helfer war nicht davon zu überzeugen, die Niebüller Adresse anzunehmen. Das junge Flüchtlingspaar hatte schon Tränen in den Augen. Da bin ich dann ins Auto gestiegen und habe die ganze Karawane nach Niebüll gelotst“, berichtet Werner Basner. Das habe er gerne getan, betont der Fahretofter – fragt sich allerdings auch, ob das Problem der doppelten Hans-Momsen-Straße nicht irgendwie abgemildert werden könnte. Bis Mitte der 80er-Jahre habe die Hans-Momsen-Straße in Fahretoft Gabrielswarft geheißen – ohne Hausnummern, erinnert sich Basner. Die Niebüller Hans-Momsen-Straße wurde laut dem örtlichen Geschichtsverein Anfang der 50er-Jahre erbaut.

Dagebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Ingwersen ist die Tatsache der zwei Hans-Momsen-Straßen im gleichen Postleitzahlengebiet natürlich bekannt. „Es ist meines Wissens die einzige Straße, die es in Orten mit der Postleitzahl 25899 noch einmal gibt.“ Seit 2002 habe die Gemeinde alle Straßen Dagebülls mit Namen versehen, „das hatten wir vorher nicht.“ Dabei habe die Gemeinde darauf geachtet, dass keine Straßennamen doppelt vergeben worden seien, das Gleiche gelte für die neue Ferienhaussiedlung. Sollte je eine Umbenennung einer der beiden gleichnamigen Straßen zur Diskussion stehen, würde Ingwersen dafür plädieren, die Hans-Momsen-Straße in Dagebüll zu verorten. „Hier war der Wirkungs- und Wohnort von Hans Momsen, und hier ist das Momsen-Haus.“ Derzeit sieht der Gemeindechef allerdings kein „Riesenproblem“. „Weder Rettungsdienst noch Einsatzleitstelle sind bisher an uns herangetreten, das ist für uns das Wichtigste.“

Bis auf Weiteres sind also immer mal wieder freundliche Bewohner der Hans-Momsen-Straßen gefragt, besonders in Fahretoft: Dort gibt es zu allem Überfluss auch noch eine Hans-Momsen-Siedlung. Werner Basner nimmt es mit Humor: „Manchmal bieten wir den gehetzten Kurierfahrern auch einen Kaffee an.“

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erstellt am 31.Aug.2016 | 11:12 Uhr

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