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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:21 Uhr

Spanien statt Ladelund : Die Auswanderer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ab in den Süden: Die Ladelunder Martina und Armin Fliegauf haben Nordfrieslands Regenwetter satt und ziehen noch in dieser Woche nach Spanien.

Die Koffer und Umzugskartons sind gepackt. Zwei Mal sind sie schon mit Auto und Anhänger die 2500 Kilometer lange Strecke gefahren, zwei weitere Male stehen ihnen noch bevor. Armin und Martina Fliegauf aus Ladelund wollen in ein Dorf in der Nähe des spanischen Ortes Dénia auswandern. Wenige Stunden vor der Abfahrt ist von Anspannung nichts zu spüren. Eigentlich wollte das Ehepaar bereits am Montag abreisen, doch der endgültige Abschied verzögerte sich. Auch einen Notartermin für den Verkauf des Hauses gibt es noch nicht. „Einmal kommen wir eh noch her“, sagt Martina Fliegauf. Dann aber heißt es endgültig: „Goodbye, Deutschland“.

Der Hauptgrund für die Auswanderung ist das nordfriesische Wetter. Regen, Wind und die unbeständigen Temperaturen – gerade in den Sommermonaten – lassen die dreifachen Eltern von der spanischen Sonne träumen. Hinzu kam, dass zwei an Krebs erkrankte Freunde der Familie vor Kurzem verstarben. „Das hat uns zum Nachdenken gebracht. Wir haben uns gefragt, was wir mit unserer zweiten Lebenshälfte noch anfangen wollen“, erklärt Martina Fliegauf.

„Ursprünglich wollten wir zurück nach Süddeutschland ziehen, wo wir beide herkommen“, erzählt ihr Ehemann. „Wir haben aber keinen Bauplatz bekommen, da die meisten Grundstücke in unserem Heimatdorf dem Hochwasserschutzgesetz unterliegen.“

Also hielt das aus Bad Krozingen stammende Paar nach Häusern in Spanien Ausschau, wohin es seit 25 Jahren in den Urlaub fährt. Im Herbst haben sie ein Haus in der Nähe von Dénia – zwischen Alicante und Valencia – gekauft.

„Ich hatte das Haus noch gar nicht gesehen“, erzählt Martina Fliegauf. „Aber als ich durch den Garten lief, wusste ich: Das ist mein neues Zuhause.“

Das Grundstück liegt etwa zehn Kilometer von Dénia entfernt, auf einem Berg – mit Meerblick. Armin Fliegauf fährt gerne Fahrrad, der Bergblick ist für ihn nichts Neues, hat ihn aber schon immer fasziniert. Seine Frau ist ebenfalls begeistert, wenn das Lichtermeer in den Abendstunden langsam aufleuchtet.

32 Jahre hat das Paar in Südtondern gelebt. „Wir haben uns in Ladelund super wohl gefühlt. Wir haben viele nette Leute kennengelernt“, sagt Martina Fliegauf. Das Ehepaar ist in Ladelund und Umgebung nicht unbekannt. Sie war Mitglied im Vorstand des Reitvereins, wo ihre drei Töchter ritten, und Gründungsmitglied des Fanfarenzuges Karrharde. Er war im Vorstand des BürgerBus, im TSV und HGV tätig. Der Fanfarenzug in Ladelund überlegte sich zum Abschied etwas Besonderes und zog Gründungsmitglied Martina Fliegauf auf einem üppig geschmückten Thron mit dem Bollerwagen unter musikalischer Begleitung durch das Dorf. „Wir sind hier unglaublich heimisch. Es ist nicht einfach, alles hinter sich zu lassen“, sagt die 56-Jährige. „Aber wir haben auch schon nette Nachbarn in Spanien kennengelernt.“

Armin Fliegauf erklärt: „Wir haben schon immer gesagt, wenn ich mit der Arbeit fertig bin, gehen wir zurück nach Süddeutschland. Aber die Kinder gingen noch zur Schule und wir wollten ihnen ihre Heimat nicht nehmen.“ Die drei Töchter sind nun alle aus dem Haus. „Jetzt hindert uns nichts mehr daran, in die Wärme zu fahren. Und das Leben ist auch nicht mehr ganz so teuer, da alle Kinder versorgt sind.“

Sie war Lehrerin und Sozialarbeiterin an einer Schule in Niebüll. Er war lange beim Aufklärungsgeschwader in Leck, zuletzt aber als Werbetechniker selbstständig. Finanziell machen sich die beiden Auswanderer keine Sorgen. „Auf eine feste Arbeitsstelle in Spanien sind wir nicht angewiesen“, sagt Martina Fliegauf. „Für alles andere sind wir offen.“ Die Sprache wollen beide noch richtig lernen. „Wir wollen weg vom Small Talk hin zum richtigen Sprechen“, sagt der 59-Jährige.

Ganz von Deutschland abkapseln werden die beiden sich nicht. „Wir haben noch einen Zweitwohnsitz bei meiner Schwiegermutter“, bestätigt Armin Fliegauf. „Solange es uns – auch gesundheitlich – gut geht, bleiben wir in Spanien. Sonst können wir aber jederzeit zurückkommen.“

In Ladelund hat Martina Fliegauf 1986 den Fanfarenzug mitgegründet. Ob sie in Spanien ihrer Leidenschaft weiter nachgeht und vielleicht sogar einen neuen Zug gründet, will sie nicht ausschließen. „Mein Herz hängt schon sehr an der Musik – wir werden sehen.“

Den Kontakt zu den heimischen Freunden in Deutschland wollen sie weiter pflegen. Die ersten Besucher haben sich auch schon für Spanien angekündigt. „Außerdem werden wir zu besonderen Anlässen immer wieder nach Hause kommen“, sagt Martina Fliegauf. „Zum 30-jährigen Bestehen des Fanfarenzuges im Dezember haben wir bereits Flüge gebucht.“

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erstellt am 27.Jul.2016 | 10:40 Uhr

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