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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 09:53 Uhr

Niebüll : Der Hügel der Schmerzen soll weg

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Alvin-Lensch-Schule bekommt einen neuen Schulhof. Der Tartanplatz auf dem Gelände des Schulzentrums bleibt vorerst.

Auf einer Tafel im Flur der Alwin-Lensch-Schule in Niebüll steht: „Der Schülerbeirat sagt: Der Hügel muss weg!!!“ Besagter Hügel ist das triste Herzstück des Schulhofs – und Ursache ungezählter Kindertränen.

„Die Grundschüler drängeln sich auf der kleinen Fläche und ziehen sich dabei häufig Schürfwunden zu“, sagt Maike Stapelfeldt. Sie ist Lehrerin, Mutter eines Schülers und leitet den Schulhof-Ausschuss. Das Ergebnis einer Umfrage des Schülerbeirats verschärft den negativen Eindruck vom Hügel noch. „Mich hat man schon oft runter geschubst. Aua!“, wird Robin zitiert. Noch schlimmer soll es bei Anna gewesen sein: „Ich bin ausgerutscht und habe mir den Arm gebrochen.“ Auch von blutenden Knien, verstauchten Füßen, Kopfverletzungen und geprellten Nasen wird berichtet.

Außer dem Hügel hat der graue Hof derzeit wenig zu bieten. Es gibt zwei kleine Sandflächen, eine Kletterwand und ein Türmchen. Das ist alles für die bis zu 280 Schüler der zweiten bis vierten Klassen, die sich in den Pausen auf dem großen Schulhof tummeln. „Es gibt viel zu wenige Möglichkeiten“, sagt Stapelfeldt.

Fußballbereiche sind nicht abgegrenzt, Tischtennisplatte und Basketballkorb für viele Kinder unerreichbar und – wie der Hügel – Relikte aus der Zeit, als auch die Förderschüler der Drei-Harden-Schule den großen Hof nutzten. Früher habe es noch weitere Spielgeräte gegeben, erklärt Schulleiterin Annett Lentfer. „Aber die waren aus Holz, und da gab es irgendwann Sicherheitsmängel.“ Bei Eis und Schnee müsse zudem der ungeliebte Hügel gesperrt werden: Rutschgefahr. Dann bleibt den Grundschülern noch weniger Platz. „Dazu kommt, dass auch Inklusion ein Thema geworden ist – da brauchen wir für einige Schüler mehr Rückzugsmöglichkeiten“, sagt Lentfer.

Um eine Alternative zum Asphalt-Einerlei zu entwickeln, gründete sich der Schulhof-Ausschuss. Schüler und Eltern wurden in die Ideenfindung einbezogen. Neben „Der Hügel muss weg!!!“ hängen im Flur der Schule auch die Wunschvorstellungen der Schüler für einen schöneren Hof. „Manche davon sind realistisch, manche dürften eher schwer umsetzbar sein“, sagt Stapelfeldt. Ins Konzept für die Neugestaltung, das der Politik übergeben wurde, haben es schließlich folgende Hauptpunkte geschafft: Schaffung von Sitzmöglichkeiten, Abtragung des gepflasterten Hügels und das Aufstellen von Spielgeräten.

Die Finanzierung will die Schule durch Akquise von Sponsoren und einen Schüler-Spendenlauf unterstützen. Schon im Frühjahr 2017 sollen die Bauarbeiten beginnen, wenn alles glatt läuft.

Am vergangenen Donnerstag entschied die Stadtvertretung über die außerplanmäßige Einstellung von 20  000 Euro in den Haushalt und die Beauftragung eines Planungsbüros zur Neugestaltung des Schulhofs. Gerechnet werde derzeit grob mit etwa 100  000 Euro Gesamtkosten, hieß es. Über diese Summe wurde diskutiert. Als „durchaus sehr realistisch“, bezeichnete sie Thomas Uerschels (SPD). Schwieriger wäre es Uerschels zufolge, wenn zunächst mit zu wenig Planungskosten gerechnet werde.

Dass sich was tun soll, bestritten die Vertreter der CDU nicht. Letztendlich setzte sich aber Bürgermeister Bockholt mit seinem Änderungsvorschlag in der Abstimmung durch. Demzufolge werden vorerst nur 10  000 Euro in den Haushalt eingestellt. Das Geld soll für einen Ideen-Wettbewerb verwendet werden. Aus den Vorschlägen von mehreren Planungsbüros wollen die Stadtvertreter dann unter Einbeziehung der Schule ein Konzept auswählen.


Noch keine Mehrheit für Sandplatz

Auf der Sitzung der Stadtvertretung wurde auch über den Tartanplatz auf dem Gelände des Schul- und Bildungszentrums diskutiert. Die SPD-Fraktion forderte, anlässlich der anstehenden Komplettsanierung von Halle 1 den Platz durch eine Sandfläche zu ersetzen und zu überdachen. Zudem sei ein Zaun notwendig, um zu verhindern, dass der neue Platz ein Katzen- und Hundeklo wird. Aufgrund „großer Löcher“ im Belag sei eine sichere Nutzung nicht mehr gewährleistet. Hendrik Schwind-Hansen (SPD) verwies zudem auf steigende Schülerzahlen und vielfältigere Möglichkeiten, die eine Sandfläche auf dem Gelände von Gemeinschafts-, Berufs- und Volkshochschule böte. Die Friedrich-Paulsen-Schule habe auch einen Sandplatz. „Das ist modern, das ist zeitgemäß.“ Der Schulleiter sehe nicht unbedingt den Bedarf, Sportlehrer aber sehr wohl. Diese hätten bestätigt, dass der Tartanplatz „eher nicht mehr genutzt wird“.

Christine Kernbichler (SSW) wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Schulkonferenz angehört werden müsse. „Und wenn tatsächlich Schüler gefährdet sind, müsste das Feld durch den Schulleiter gesperrt werden.“ Sie nahm damit Einwände Bernd Neumanns (CDU) vorweg. „Ich unterstütze keinen Antrag gegen den Willen des Schulleiters“, sagte Neumann. Seine Kinder und Bockholts Enkel hätten auf dem Tartanplatz Fahrradfahren gelernt – und seien dabei immer weich gefallen, erklärte Neumann seine ablehnende Haltung weiter. Zudem sei ein neuer Platz nur von Mai bis August für Schüler wirklich nutzbar, abzüglich Sommerferien. Der Boden müsse entkernt werden, der neue Platz überdacht, Wasser abgeleitet werden. „Ich möchte nicht wissen, auf welche Summe wir da kommen.“ Schwind-Hansen erwiderte: „Ich schon.“

Hauke Petersen, Betriebsmeister für das Schulzentrum, sagte dem Nordfriesland Tageblatt: „Der Platz hat einige Löcher, aber es gibt regelmäßige Reparaturen. Der Belag ist in einem dem Alter entsprechenden Zustand.“ Rund ein Jahr werde Halle 1 voraussichtlich saniert. „Dabei werden die Sanitär- und Umkleideräume komplett abgerissen, und der Grünstreifen neben der Tartanbahn wird beseitigt.“ Daher sei es sinnvoll, jetzt darüber nachzudenken, ob es auch gleich einen neuen Platz geben soll.

Warum allerdings eine „multifunktionale Sandfläche“, wie es im Antrag der SPD hieß, einem Tartanplatz vorzuziehen sein sollte, wurde in der Sitzung der Stadtvertretung nicht deutlich. Bürgermeister Bockholt wies darauf hin, dass die Stadt derzeit schon mit Südtondernhalle und Schwimmbad viel zu tun habe. Zudem gebe es bereits Signale, dass die Sanierung der Halle 1 wohl deutlich teurer werden wird als zunächst geplant. „Keiner bestreitet, dass der Platz keinen Schönheitswettbewerb gewinnt“, sagte Anja Cornils (CDU). Aber derzeit gebe es andere Prioritäten.

Während ein neu gestalteter Hof für die Alwin-Lensch-Schule nur noch eine Frage der Zeit ist, wurde der Sandplatz-Antrag zurückgestellt. Er soll im nächsten Januar oder Februar noch mal aufgegriffen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 19.Okt.2016 | 13:15 Uhr

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