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Nordfriesland Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Der Bauernhof im Wandel der Zeit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Andreas Thomsen veröffentlicht sein zehntes Buch / Der bäuerliche Familienbetrieb in der Entwicklung von 1920 bis heute

Andreas Thomsen hat es wieder getan. Der 82-jährige Altbauer hat ein neues Buch geschrieben. „Das ist bereits meine zehnte Veröffentlichung“, berichtet er stolz und zeigt auf den Bücherstapel vor sich auf dem Wohnzimmertisch. Thomsen ist thematisch nicht festgelegt: Bürgermeisterchroniken, Reiseberichte oder die Reformation. Das jüngste Exemplar aus der Thomsenschen Feder widmet sich seiner eigentlichen Leidenschaft: Der Landwirtschaft. Doch warum hat sich der Klixbüller der Schreiberei verschrieben? Der Altbürgermeister weiß prompt Antwort: „Andere sitzen im Wohnzimmer und lesen, ich sitze am PC und schreibe Bücher“, so Thomsen.

In seinem Buch erzählt er über das Leben und Wirtschaften auf dem Bauernhof von 1920 bis heute. Er sehe es als seine Aufgabe, die Art und Weise der damaligen Landwirtschaft für die Nachwelt festzuhalten, sonst ginge dieses Wissen verloren.

Seine Frau Inge betritt das Wohnzimmer und gerät ins Schwärmen von ihren 14 Enkelkindern. Einer von ihnen ist der 28-jährige Jakob. „Er wird den Hof einmal von unserem Sohn Thomas übernehmen“, berichtet sie mit stolzer Stimme und erinnert ihren Mann ganz nebenbei, nicht zu viel über seine früheren Ehrenämter zu erzählen. „Aber sie gehören doch dazu, Inge.“ Seine Frau lächelt, und die loriotartige Szene nimmt ihren Lauf: „Wissen Sie, durch das Bürgermeisteramt und die Posten in den Aufsichtsräten musste mein Mann sich dreimal am Tag umziehen. Das bedeutete für mich auch immer: dreimal Klamotten rauslegen. Neben der Beköstigung der zwölf Personen auf dem Hof, versteht sich. Auch das gehört normalerweise in dein Buch, denn solche Ämter gingen damals nur, wenn man Landwirt war. Heute sieht das schon anders aus“, weiß Inge Thomsen.

War früher denn alles besser? „Ich möchte die Idylle von damals nicht hochleben lassen. Heute ist vieles einfacher geworden. Der technische Fortschritt nach dem Krieg hat der Landwirtschaft zu einem enormen Aufschwung verholfen. Durch Pflanzenschutzmaßnahmen oder den Einsatz von mineralischem Dünger waren mit einmal enorme Ertragssprünge nach oben zu verzeichnen gewesen. Das war immens.“ Gleichzeitig entstanden durch die Technisierung auch zusätzliche Kosten. „Die hohen Investitionssummen schafften auch Abhängigkeiten. Man musste sich also die Frage stellen, ob man mitwachsen oder weichen wollte“, erinnert sich der Autor. Er entschied sich fürs Wachsen. Aus den einstigen 20 Hektar sind mittlerweile 100 Hektar geworden. Auch die Bioenergie ist als wichtiges Standbein dazugekommen. „Auf so einem bäuerlichen Familienbetrieb wird es eben nie langweilig“, verrät Thomsen. Seine Frau lacht herzlich und wirft ihrem Mann einen liebevollen Blick zu: „Da gebe ich dir vollkommen recht.“

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erstellt am 08.Nov.2016 | 15:34 Uhr

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