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Nordfriesland Tageblatt

25. Juli 2016 | 00:20 Uhr

Erdbewegungen : Deichhäuser rutschen langsam ab

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Anwohner des Dagebülldamms klagen über das Absacken ihrer Häuser / Sielverband sieht warmen Sommer als Ursache für Erdbewegungen

Es sind meterlange Risse, die sich scheinbar unaufhaltsam durch das Haus von Jorgo Lorkowski fressen. Mittlerweile klaffen die Spalten im gesamten vorderen Teil seiner Immobilie auf dem Dagebülldamm. Es wirkt, als sei das Haus des 77-Jährigen in fatale Bewegung geraten, als rutsche der hintere Teil des Gebäudes langsam vom Deich. Der Grund für die Schäden sei ein Absenken des Deichgrundes, vermutet der Hausbesitzer.

Auch Lorkowskis direkte Nachbarn, die Familie Schweer, hat Probleme mit den Erdbewegungen. Neben kleineren Rissen, die der vierköpfigen Familie regelmäßig im Haus auffallen, senkt sich auch hier der dem Deichgraben zugewandte Teil des Gebäudes sichtbar ab. „Das Fenster auf dieser Seite lässt sich schon nicht mehr öffnen, so groß ist der Druck auf das Holz“, berichtet Bewohnerin Petra Schweer. Auch die „Klönschnacktür“ in dem sanierten Reetdachhaus ließ sich plötzlich nicht mehr öffnen, der Rahmen ist durch die wirkenden Kräfte verzogen.

„Ziemlich genau seit einem Jahr haben die Erdbewegungen stark zugenommen“, sagt Jorgo Lorkowski, der seine in der Gemeinde Galmsbüll gelegene Immobilie seit zehn Jahren vermietet. Auch Familie Schweer, die seit fünf Jahren auf dem Deich lebt, hat erst seit Anfang 2015 verstärkte Verschiebungen bemerkt. Als ein Grund für die Probleme mit den wandernden Erdreich, vermutet Lorkowsi auch den Bruch einer Rohrleitung, die zeitlich mit den ersten Rissen in seinem Haus zusammengefallen seien.

Heiko Thede, Geschäftsführer des Wasserversorgungsunternehmens Drei Harden, widerspricht diesem Verdacht: „Am 24. August 2014 gab es auf dem Dagebülldamm einen Riss in einer Trinkwasserleitung, der aber bereits am folgenden Tag durch ein Tiefbauunternehmen behoben wurde.“ Grund für die Beschädigung der rund 1,20 Meter tief liegenden Faser-Zement-Leitung waren ebenfalls „Erdbewegungen“, so Thede. Die betroffene Stelle sei nur durch ein Rinnsal zu erkennen gewesen und habe jeweils 30 und 40 Meter von den besagten Häusern entfernt gelegen. „Der geringe Wasseraustritt kann für die beschriebenen Probleme nicht verantwortlich sein.“

Die Anwohner sind jetzt auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner, um nicht allein auf den Schäden der Deichbewegungen sitzen zu bleiben: „Wenn das so weitergeht, dann werden hier keine Touristen mehr schlafen können – das bedrückt mich natürlich immens“, sagt Jorgo Lorkowski, der in den letzten Jahren etwa 150  000 Euro in das hundegrechte Ferienhaus auf dem Deich investiert hat. Der 77-Jährige wandte sich mit dem Problem auch an Galmsbülls Bürgermeisterin Sinje Stein. Diese trug die Situation der betroffenen Anwohner im Amt Südtondern vor. „Von dort kam die Einschätzung, dass der Grundstückseigentümer für den Grund und Boden alleine verantwortlich sei“, erinnert sich Lorkowski. Für die Anwohner ist das nur schwer nachzuvollziehen, denn der Deich, auf dem ihre Häuser stehen, gehört ihnen nicht, sondern ist schlicht gepachtet. „Wir zahlen jährlich Stavengeld an den Deich- und Sielverband Kleiseerkoog“, sagt Petra Schweer. Insofern sei logischerweise der Verpächter für den Boden verantwortlich, auf dem das Haus mit dem Schaden steht.

Deichvogt Uwe Christian Petersen, der für das rund 300 Jahre alte Bauwerk Verantwortung trägt, sieht das anders: „Wenn es im Sommer lange trocken ist, dann bewegt sich die Erde – das ist ganz normal.“ Der Kleieboden speichere viel Wasser, das bei längeren Wärmeperioden verloren gehe. Das Erdreich passe sich dann entsprechend an. Klemmende Türen, Risse in der Wand und sogar schiefe Fußböden habe es in Häusern auf Deichen schon immer gegeben. „Alle haben das Problem mit dem sich bewegenden Untergrund“, so der Deichvogt. Dass diese Bewegungen zugenommen haben könnten, weil die Deich- und Sielverbände durch übermäßiges Leerpumpen einen niedrigeren Grundwasserspiegel verursachen – wie Betroffene auch anderorts vermuten – ist für Uwe Christian Petersen dagegen nicht schlüssig.

Die Zeit läuft derweil gegen Jorgo Lorkowskis 225 Quadratmeter großes Haus. „Wenn die ersten Fenster platzen, dann muss ich die Vermietung aufgeben“, sagt er. Bis dahin kontrolliert er die täglich weiter wachsenden Risse an seinen Wänden.  

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erstellt am 11.Jan.2016 | 17:38 Uhr

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