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Nordfriesland Tageblatt

31. Mai 2016 | 13:56 Uhr

Gemeinden im Blick : Das Miteinander als Stärke

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Gemeinde Lexgaard ist mit 58 Einwohnern die kleinste im Amtsgebiet. Bürgermeister Gerhard Hoffmann berichtet über Pläne und Sorgen

Das neue Jahr hat begonnen. Südtonderns Bürgermeister ziehen im Nordfriesland Tageblatt Bilanz. Heute ist es Gerhard Hoffmann (64). Der Elektromeister ist seit 2010 Bürgermeister der Gemeinde Lexgaard.

Herr Hoffmann, Lexgaard ist allein schon durch seine Struktur und Größe etwas Besonderes im Amtsgebiet.
Gerhard Hoffmann: Ja, wir sind eine kleine Gemeinde mit aktuell 58 Einwohnern. Wir haben keine Gemeindevertretung, sondern halten mindestens zwei Mal im Jahr eine Gemeindeversammlung bei mir im Wohnzimmer ab. Ich habe zwei Stellvertreter. Weiterhin hat Lexgaard einen Bau- und Wegeausschuss sowie einen weiteren für die Finanzen.

Was hat sich im abgelaufenen Jahr in Lexgaard getan ?
Wir haben uns in erster Linie darum gekümmert, die Gemeindewege wieder instandzusetzen. Aber es waren nur notdürftige Reparaturen. 3500 Euro haben wir investiert, und das ist schon mehr, als ursprünglich geplant war. Durch Mais- und Gülletransporte zur Biogasanlage sind Wege in Mitleidenschaft gezogen worden. Deshalb überlegen wir, auch an Landwirte und Lohnunternehmer heranzutreten. Die sind natürlich der Meinung, dass sie durch das Zahlen von Steuern aus der Verantwortung sind. Aber es kann auch nicht sein, dass durch die Biogasanlage keine Gelder in die Kasse fließen, alle Einwohner aber für die Beseitigung der Schäden aufkommen müssen.

Wie sieht es mit dem Vereinsleben in Ihrer Gemeinde aus?
Vereine haben wir keine, unsere Bürger müssen sich da an die umliegenden Gemeinden orientieren. Und das tun sie auch. Süderlügum ist etwa vier Kilometer, Leck sieben Kilometer entfernt. Wenn etwas Größeres ansteht, mieten wir uns das Pastorat in Karlum, ansonsten gibt es hier unsere Gaststätte „Watt bi Watt“, in der wir nach Möglichkeit einmal im Jahr zu einem Gemeindefest einladen. Wir treffen uns traditionell ebenfalls beim Biikebrennen im Ort. Eine eigene Feuerwehr haben wir nicht, betreut werden wir brandschutztechnisch von Braderup aus. Wir leisten einen Jahresbeitrag und beteiligen uns jetzt auch an der Beschaffung eines neuen Feuerwehr-Fahrzeuges. Unser Anteil beträgt 20  000 Euro, und das ist für einen kleinen Ort wie uns schon sehr viel.


Wie sind die Anbindungen in Lexgaard ?

Wer bei uns lebt, benötigt schon einen Pkw. Ansonsten fährt bei uns ein Schulbus, der die Schüler täglich nach Süderlügum, Neukirchen, Leck oder Niebüll bringt. Doch derzeit haben wir in Lexgaard nur vier Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Das könnte sich durchaus ändern, wenn man Ihnen die Möglichkeiten geben würde?
Ja, wir haben etliche Anfragen von Menschen, die bei uns bauen möchten. Der Grund sind die Ruhe und der dörfliche Charakter. Es gibt eben viele Menschen, die nicht gern in der Anonymität der Städte mit Lärm und ähnlichem leben. Sie wollen nicht den Nachbarn in die Fenster schauen, sondern ihre Kinder in Ruhe aufwachsen lassen. Das Problem: Wir dürfen aufgrund unserer geringen Gemeindegröße keine Baugebiete ausweisen, obwohl wir es gern würden – und wenn es nur für vier oder fünf Neubauten wäre. Platz haben wir genug.

Wer also nach Lexgaard ziehen möchte, hat derzeit nur eine Chance.
Ja, richtig: Eigentum zu erwerben, wenn ein Haus frei wird. Wir werden uns aber weiterhin mit dem Thema beschäftigen.

Sie sind in Lexgaard geboren. Was gefällt Ihnen hier besonders gut?
Ich liebe die Stille, das gute Verhältnis zu den Nachbarn. Wir pflegen ein gutes Miteinander. Aber wenn jemand seine Ruhe haben will, dann hat er sie auch. Das funktioniert, weil wir nicht so dicht aufeinander wohnen.

Welche Rolle spielen Tourismus und Landwirtschaft in Ihrer Gemeinde ?

Vermietungen von Ferienwohnungen gibt es nicht. Wir haben derzeit drei aktive Landwirte. Aber es wird schwieriger. Ein Hof mit unter 100 Hektar Land kann heute kaum noch existieren.

Mit dem Thema Neubaugebiet haben Sie ja schon einen wichtigen Wunsch für das neue Jahr angesprochen. Mögliche Bauherren und Gäste schätzen an Lexgaard die Beschaulichkeit. Wie verträgt sich das mit dem ungehemmten Ausbau von Windparks?
Ich glaube nicht, dass die Windkraftanlagen in dieser Menge wirklich nur aus ökologischen Gründen dort stehen. Vielmehr geht es darum, Geld mit ihnen zu machen. Zweifelhaft ist, ob die Erzeugung der Bauteile und der Transport des hier erzeugten Stromes durch die Republik wirklich klimafreundlich ist. Und ich glaube auch nicht, dass Windkraftanlagen für den Tourismus von Vorteil sind. Uns wurde vor mehr als 20 Jahren die Möglichkeit angeboten, hier Windparks zu errichten, aber wir haben es abgelehnt. Und so ist es noch. Hier ist der Blick in die Umgebung noch frei, auch wenn die Anlagen aus Tinningstedt und Süderlügum dicht an die Gemeindegrenzen rücken.

Hat Ihre Entscheidung Auswirkungen auf den Gemeindehaushalt?

Unsere Einnahmen sind begrenzt. Aber wir haben – auch ohne Windkraft – genug Geld in der Kasse, um unseren Verpflichtungen nachzukommen. Und: Wir sind keine Bedarfszuweisungsgemeinde. Unsere Hebesätze für die Grundsteuer A und B liegen seit 40 Jahren konstant auf dem gleichen niedrigen Niveau – bei 180 Prozent, der Hebesatz für die Gewerbesteuer bei 250 Prozent.

Was planen Sie ansonsten?
Im Frühjahr werde ich mit den Ausschussmitgliedern und einem Landwirt die Banketten ausbessern. Der Breitband-Ausbau ist bei uns derzeit kein Thema. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass er jemals ein Thema sein wird. Darüber werden wir uns wohl auch in den nächsten zehn Jahre keine Gedanken machen müssen.

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erstellt am 09.Jan.2015 | 05:00 Uhr

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