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Nordfriesland Tageblatt

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Bahnchaos : Brandbrief nach Kiel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Niebülls Bürgermeister und Sylter Bürgervertreter fordern NAH.SH-Chef Wewers auf, die unzumutbaren Zustände sofort zu beenden.

Lange Wartezeiten und menschenunwürdige Verhältnisse in völlig überfüllten und überhitzten Zügen, in denen vielen Sylt-Pendlern und auch Touristen die Luft zum Atmen fehlt: Diese furchtbaren, seit einer Woche realen Verhältnisse in den Personenzügen von und nach Sylt haben Bürgermeister Wilfried Bockholt sowie die Spitzenvertreter der Sylter Politik und Verwaltung dazu bewegt, einen Brandbrief mit drastischen Formulierungen und klaren Forderungen direkt an Berndhard Wewers, Geschäftsführer des Nahverkehrsbundes Schleswig-Holstein, zu verfassen, den sie persönlich für die noch immer unzumutbaren Zustände verantwortlich machen.

„Wir fordern für unsere Pendlerinnen und Pendler schlicht: verlässliche Bahnverbindungen mit ausreichender, bedarfsgerechter Transportkapazität. Beschaffen Sie bitte umgehend, nein sofort, mehr Trieb- und Reisezugwagen für den lebensnotwendigen Transfer in unserer Region.“ Damit unterstreichen die Vertreter Niebülls und Sylts, dass sie mit ihrer Geduld am Ende sind. „Es muss sofort etwas passieren. Mittlerweile fahren zwar mehr, aber immer noch deutlich kürzere Züge. Noch immer bleiben Menschen auf den Bahnsteigen stehen, weil die Wagen überfüllt sind. Immer mehr Niebüller fahren bis nach Langenhorn, um einen Platz zu bekommen. Wer es in den Zug geschafft hat, sollte mit wenig Sauerstoff auskommen.“ So schildert Bernd Neumann, Niebülls stellvertretender Bürgermeister, die nicht akzeptable Situation. Er ist selbst Pendler, arbeitet in der Verwaltung der Gemeinde Sylt. Gestern hatte er um 17 Uhr eine wichtige Sitzung im Niebüller Rathaus. Ob er diese erreichen konnte, stand gut zwei Stunden vorher noch nicht fest, denn: „Mein Zug um 15.52 Uhr soll heute nur zwei Wagen haben, das wird ein Kampf.“

Niebüll sei laut Neumann von dem Bahn-Desaster am stärksten betroffen. „Weil viel mehr Niebüller auf die Insel pendeln als umgekehrt. Viele Familien in Niebüll und Umgebung können ihr Leben kaum noch planen, können ihre Kinder nicht betreuen, sie fehlen als Ehrenämtler und haben unzumutbar lange Arbeitstage“, kritisiert Bernd Neumann.

„Ohne die rund 4500 Sylt-Pendler läuft auf der Insel vieles nicht“, wird im Brandbrief an den NAH-SH-Chef unmissverständlich dargestellt. Geschäfte könnten nicht geöffnet werden, Schulen und Kindergärten müssten später öffnen oder früher schließen, Pflegekräfte könnten nicht abgelöst werden, viele Dienstleistungen im öffentlichen, sozialen und privaten Bereich müssten wegen Personalmangels ausfallen. Wilfried Bockholt und seine Kollegen werfen Bernhard Wewers vor: „Sie verantworten, dass die Lebensader der Insel Sylt geschädigt wird und verantworten auch den Schaden für die Region.“

Bernhard Wewers sagt auf Nachfrage dazu: „Ich verstehe den Unmut der Pendler und die Sorgen auf Sylt sehr gut. Die NOB tut alles, um ausreichende Kapazitäten zu organisieren. Und natürlich unterstützen wir sie dabei.“ Leider sei die Herausforderung, spontan 90 Reisezugwagen zu ersetzen, so groß, dass Lösungen etwas länger brauchen.“ Verkehrs-Staatssekretär Frank Nägele, dem der Brief ebenso wie Wirtschaftsminister Reinhard Meyer zugesandt wurde, sagte, dass er von den beteiligten Bahnunternehmen erwarte, dass sie rasch Ersatzmaterial organisieren, um zumindest zu den Stoßzeiten die Engpässe zu lindern.

Volles Verständnis hätten alle Pendler dafür, dass alle Wagen der NOB aus sicherheitstechnischen Gründen aus dem Verkehr gezogen werden mussten. „Doch dass noch immer nicht ausreichend Ersatz geschaffen werden konnte, macht schon wütend und fassungslos“, sagt Bernd Neumann.

 

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erstellt am 18.Nov.2016 | 07:15 Uhr

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