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Nordfriesland Tageblatt

28. März 2017 | 04:27 Uhr

Leuchtturm-Hotel in Dagebüll : Besuchermagnet mit Blick aufs Watt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Idee einer Berliner Architektin ging auf: Dagebülls Mini-Hotel im alten Leuchtturm ist schon für die nächsten zwei Jahre ausgebucht. Der Turm Nordseeblick ist besonders bei Paaren beliebt - denn es können nur zwei Personen übernachten.

Dagebüll | „Hier ankommen ist wie eine Vollbremsung“, beschreiben Kerstin und Thomas aus Leipzig ihren ersten Eindruck vom Aufenthalt im Dagebüller Leuchtturmhotel. „Der Turm, der Sturm, der Regen und natürlich die Nordsee – mehr oder weniger, wenn sich Ebbe und Flut abwechseln“, schreiben sie ins Gästebuch, bedauern, dass die Zeit zu kurz war, betonen aber, dass die Eindrücke bleiben.

Aus einem Leuchtturm ein Hotel zu machen? Und sogar nur eins für zwei Personen? Diesen Traum träumten die Berliner Tim und Heike Wittenbecher – er Wirtschaftsingenieur, sie (gastronomisch erfahrene) Architektin, beide noch keine fünfzig, mitten im Berufsleben stehend und voller (verrückter?) Ideen. Einen Traum hatten sie bereits auf Usedom realisiert und den dortigen Lotsenturm in ein Hotel verwandelt, das zu einem Renner wurde und die Lust auf mehr machte. Bald entdeckten sie den verwaisten Dagebüller Leuchtturm, 1929 erbaut und seit 1986 außer Dienst, durch eine Lichtkanone auf der Dagebüller Mole ersetzt und vorher in den Seekarten als das „Dagebüll Koog Unterfeuer“ verzeichnet, das vom Standort 54 Grad nördlicher Länge und acht Grad östlicher Breite den Schiffen half, sicheren Kurs auf die nordfriesische Küste zu nehmen.

„Das isses“, sagten sich die Berliner, kauften dem Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning den Turm ab, und ließen dessen Inneres durch heimische Firmen in ökologischer Bauweise in ein Luxushotel umwandeln – genauer in ein „Mini-Hotelchen“ und das kleinste an der deutschen Nordseeküste. Im Juni 2012 wurde es fertig und den staunenden Dagebüllern vorgestellt.

Das Innere? Von der Tür an der Nordseite betritt man den Bad- und Energiebereich mit Whirlpool und Garderobe, treppauf darüber den Schlafraum mit Doppelbett, Kuhfell an der Wand und Flachbildfernseher am Fußende. Lounge oder „Laterne“ heißt nach 48 Stufen das Oberstübchen mit Sofa, Minibar, Radio, Espressomaschine – und 360 Grad Rundblick aufs Watt, Oland, Langeneß, Lorendamm., Hafen und Hinterland. Eine Wandheizung sorgt für anheimelnde Wärme. Und überhaupt: alles was man erblickt, um sich hat, berührt und benutzt, ist vom Feinsten. Luxus eben. Und der hat auch seinen Preis: 250 Euro für die Nacht, 290 am Wochenende und 400 Euro an Feiertagen.

Das Dagebüller Leuchtturmhotel wurde auf Anhieb ein Schlager. Sein Doppelbett ist seit dem ersten Tag besetzt und auf fast zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Paare (und Pärchen) nehmen die enormen Wartezeiten gerne in Kauf. Zumeist buchen sie nur eine oder einige wenige Nächte. Morgens finden die den (im Preis inbegriffenen) Korb mit dem Frühstück vor der Tür. Verweilen sie länger als nur eine Nacht im Hotelchen, bedarf es nur eines kurzen Spaziergangs zur Dagebüller Gastronomie. Der Hafen ist nur 800 Meter entfernt.

Doch Essen und Trinken sind eher eine Marginalie als die Hauptsache bei einem Aufenthalt in dem Mini-Hotel. Die Eintragungen im Gästebuch spiegeln wider, was die Hotelgäste empfinden. Kostproben gefällig?

„Das hier ist ein besonderer Ort für besondere Augenblicke“, schwärmen Stefan und Elli. „Bei Tag ist es der traumhafte Ausblick auf die malerische See – und bei Nacht das Gefühl wie in einer Raumkapsel im Nirgendwo.“ Die aus der Schweiz angereisten Cayra und Gianni sprechen von einem einzigartigen und stürmischen Erlebnis im Turm. „Ein Leuchtturm ganz für uns? Besser konnte ich meinen Geburtstag nicht verbringen“, notiert Lee aus dem Rheinland. Annika und Victor mussten ein Jahr warten, bis sie einen „Termin im Turm“ bekamen – und hatten zu diesem Glück auch noch Glück mit dem Wetter, abgesehen von den Magischen Stunden der Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. „Der Turm hat seine ganz eigene Zeitrechnung und entschleunigt schon bei der Ankunft“, schreiben Torben und Sandra und flippen sogar ein wenig poetisch aus, wenn vom Blick aufs Watt, dem Geschrei der Möwen und dem Rattern der Hallig-Lore die Rede ist.

Beim Durchblättern des Gästebuchs wird deutlich, dass den Traum, den sich Heike und Tim Wittenbecher erfüllten, auch Menschen träumen, die in das 15 Meter hohe ehemalige Leuchtfeuer einkehren. Doch die beiden „Berliner Türmer“ träumen (und planen) weiter. Dem niedlichen Versteck für zweisame Tage und Nächte, das als „Nordsee-Hideaway“ gedacht ist, folgt in Kürze ein weiteres Turmprojekt. In Bad Saarow nahe Berlin erwarben sie einen Wasserturm, der auch in ein Mini-Hotel umgewandelt werden soll.

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erstellt am 13.Mär.2014 | 05:30 Uhr

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