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Nordfriesland Tageblatt

26. August 2016 | 12:09 Uhr

Biikebrennen in Niebüll : Besucher trotzen dem Wetter

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zum 33. Mal loderte gestern in Deezbüll-Burg – wie überall an der Westküste – das Biikefeuer.

„Zündet die Biike an!“ Das rief Albert Panten, Vorsitzender des „Frasche Feriin for Naibel-Deesbel än trinambai“, gestern um 19.05 Uhr den Fackelträgern der Jugendfeuerwehr Niebüll zu. Wenig später gingen 2500 ausgediente Niebüller Weihnachtsbäume in Flammen auf. Rund um die Biike, eine der größten an der nördlichen Westküste, wärmten sich wieder an die 1000 Niebüller und Gäste, die teilweise von weither gekommen waren, um das feurige Spektakel mitzuerleben.

Die Biike auf der Burg, dem Deezbüller Dorfplatz, wurde erstmals 1983 entzündet – gestern zum 33. Mal. Einmal fiel das Biikefest aus, als die Deezbüller Feuerwehr aufgelöst wurde und deren Traditionsgemeinschaft sich später auf den Weg machte, den noch jungen Brauch zusammen mit dem Friesischen Verein fortzusetzen.

Im Namen der Traditionsgemeinschaft FF Deezbüll hieß Albert die Besucher des Dorfplatzes willkommen. Diese hatten sich auf dem Rathausplatz versammelt und waren im Umzug, angeführt vom Freien Fanfarenzug und begleitet von Fackelträgern der Jugendwehr, nach Deezbüll gezogen. Auf dem Biikeplatz war alles wie immer vorbereitet. Am Freitag waren das Holzgestell für die Biike aufgebaut und gestern die Tannenbäume hoch aufgeschichtet worden. Am 10. Januar hatte sie die TG in Niebüll eingesammelt und in drei landwirtschaftlichen Scheunen trocken gelagert. Es kamen wieder acht Fuhren zusammen – Tendenz steigend, weil Niebüll seit dem ersten Biikebrennen stark gewachsen ist.

„Einmal im Jahr können wir die Lebensgeister der Natur in gewohnter Weise symbolisch erwecken“, sagte Panten in seiner Biikenrede, „und uns an der Wärme der Flammen und der nachbarschaftlichen Gemeinschaft erfreuen.“ Der Regen habe zwar zwar Nässe ins Material gebracht, „aber das ist wie im Leben, wenn böse Geister unter vielen Namen das erhoffte Wohlbehagen manchmal stören“.

Nach der Schilderung Pantens ist es 450 Jahre her, als die magische Verwendung des Feuers in Nordfriesland erstmals schriftlich erwähnt wurde. Ursprünglich war es der Schlusspunkt wochenlanger „Festereien“ in dunkler Jahreszeit. Schon nach Weihnachten pflegte man sich in Häusern zu treffen, um allerlei Spiele, Tänzereien, Mummenschanz und Gelage zu veranstalten. Dann ließen obrigkeitliche Verbote und gesellschaftliche Entwicklungen nur die Biike übrig, auch wenn heute nach dem „Brennen“ hier und da noch Vergnügung und Schmauserei gepflegt werden.
Panten auf Friesisch (und passend zum gestrigen „Tag der Muttersprache“): „Iirtids jäif et bai üs dåt Schulwen, ouers nü sate we bai’t fiirnsiinj unti twittere än unerhüüle oudere manschne ma facebook, duch et ächt iilj jeeft’t eeling heer nuch önj Deesbel.“

Bis in die späten Abendstunden war Gelegenheit, sich mit Freunden und Nachbarn zu unterhalten, am Grill eine Wurst zu futtern und an der Feuerwehrbar ein Getränk zu bestellen. An die Kinder war auch gedacht. Und nicht nur für die Kinder gab’s Waffeln vom Deezbüller Bäcker. Wer viel Zeit mitgebracht hatte, konnte gegen Mitternacht sehen, dass von der mächtigen Biike nur noch ein glimmender Haufen übrig geblieben war.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 04:30 Uhr

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