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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 01:18 Uhr

Barocke Werke und moderne Kompositionen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Tatsache, dass das Ehepaar Anne-Grete und Carsten Hansen im Dezember 2015 die Kirchengemeinde Süderlügum mit der Spende einer neuen, über 570  000 Euro teuren Marcussen-Orgel für die Marienkirche bedachte, veranlasste die Beschenkten, die Reihe der „Süderlügumer Kirchenkonzerte 2016“ ins Leben zu rufen.

Die dritte Veranstaltung dieser Serie gestaltete die international erfahrene Konzertorganistin Birgit Wildemann aus Nieblum (Föhr).

Mit dem Ziel, die vielseitigen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten des wohltuend warm klingenden Instrumentenneubaus aufzuzeigen, der 21 Register, Pedal und zwei Manuale aufweist, interpretierte die hochvirtuose Künstlerin unter dem Thema „Toccare – schlagen – berühren“ Toccaten unterschiedlichster Art aus dem Zeitraum von der Renaissance bis zur Gegenwart. Dabei machte sie deutlich, dass sich das im Namen der Kompositionsgattung anklingende „Berühren“ nicht allein auf das Anschlagen – also den physischen Kontakt der Finger und Füße mit den Tasten und dem Pedal – bezieht, sondern auch auf die emotionale Wahrnehmung.

Bevor der erste Ton erklang, hieß der örtliche Organist Jochen Seeger die Zuhörer willkommen und erläuterte Birgit Wildeman vom Altarraum aus ihrem Publikum die von ihr selbst ausgewählten Werke. Dann nahm sie an der Orgel Platz, zu deren Erhalt sie den Süderlügumer Einwohnern und den Musikfreunden aus der Umgebung zuvor herzlich gratuliert hatte.

Zum Auftakt spielte sie den „Lockruf der Vögel“ von Jean Philippe Rameau, einen lautmalerisch gestalteten, auf beide Manuale verteilten Dialog zweier miteinander kommunizierender Singvögel. Es folgten zwei Werke von Johann Sebastian Bach: „Toccata-Adagio C-Dur (BWV 564)“ und das von den Orgelvirtuosen in aller Welt wohl am häufigsten dargebotene und dadurch zu „der Toccata“ gewordene Opus „Toccata und Fuge d-moll (BWV 565). Die erstgenannte Komposition zeichnet sich durch rasante Läufe am Anfang aus, denen ein Pedalsolo von mitreißendem Temperament folgte. Beide Werke forderten der Solistin ein Höchstmaß an Konzentration und spieltechnischem Können ab.

Als Kontrast zu den barocken Meisterwerken ließ Birgit Wildeman die an Chromatik reiche „Toccata terza“ von Girolamo Frescobaldi erklingen, die häufig in katholischen Messen auf die „Wandlung“ (des Brotes in den Leib Christi) hinweist und durch krasse Dissonanzen das Leiden Jesu versinnbildlicht. Von ganz anderem Charakter und besonderem Reiz erwies sich ein nicht tanzbarer, sondern rein konzertanter und unmittelbar ins Ohr gehender „Tango“ von Astor Piazolla: ein Werk von anrührender Melancholie.

Stark gefordert waren die Zuhörer beim Hören der hochmodernen, von Tilo Madek 1975 für eine präparierte Kirchenorgel verfasste Komposition. Sie stellt dar, wie ein aufziehbarer Spielzeugvogel sich in seinem Käfig die Flügel bricht. Dabei nutzte die Interpretin die unterschiedlichsten Klangeffekte von zumeist aufregender Art. Zur Beruhigung der Gemüter ließ sie dem Flügelbruch den sanft auf dem Wasser dahingleitenden „Schwan“ von Camille Saint-Saens und das zarte Madrigal „Innsbruck, ich muss dich lassen“ folgen.

Nach dem von der starken Zuhörergemeinde andächtig mitgesungenen Choral „Nun ruhen alle Wälder“ ließ die Organistin das reguläre Programm mit dem spätromantischen, spieltechnisch extrem anspruchsvollen „Choral Nr.3 in a-moll“ von Cesar Frank ausklingen.

Der stehend gespendete Schlussapplaus des spürbar begeisterten Publikums bewog die Künstlerin aber, noch mit einer Zugabe aufzuwarten: Zu hören gab es einen klangschönen Satz aus einem Konzert von Antonio Vivaldi.

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erstellt am 29.Mai.2016 | 14:36 Uhr

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