zur Navigation springen

Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:42 Uhr

Bahnchaos : Bahnfahrer brauchen weiterhin Geduld

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nach dem Bahnchaos der letzten Tage spricht Verkehrsminister Reinhard Meyer bei einem Gipfeltreffen von Entschädigungen für die Sylt-Pendler

Reinhard Meyer (SPD) hätte gestern auch mit dem Autozug nach Sylt fahren können. Der Verkehrsminister entschied sich jedoch, mit seinen Mitarbeitern in Klanxbüll um 13.12 Uhr in den Zug zu steigen. Recht zuversichtlich ging er wohl davon aus, dass er sich dort nicht in einen völlig überfüllter Waggon werde quetschen oder gar auf dem Bahnsteig hätte stehen bleiben müssen. Und Meyer sollte Recht behalten, da die Lage am Montag für die Pendler schon deutlich entspannter war als in den Tagen zuvor. Der Minister kam zu einem Gipfeltreffen zum Verein der Sylter Unternehmer, um sich vor Ort ein Bild von der Verkehrslage zu machen.

Dass die Bahnverbindungen mit dem Besuch aus Kiel nun relativ reibungslos funktionierten, dafür sorgten gleich mehrere Faktoren: Erstmals stand für die Pendler ein Bus bereit, den die Nah.SH im Auftrag des Landes bei der Sylter Verkehrsgesellschaft bestellt hatte. Ein Reisebus lud um 6.05 Uhr am Niebüller Bahnhofsvorplatz Fahrgäste ein, um sie dann via Autozug zur Insel zu bringen. 89 Personen hätten in dem Bus Platz finden können – doch lediglich zwei Fahrgäste saßen am Morgen drin.

Einer davon: Achim Bonnichsen aus Klixbüll, Mitinitiator der Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“, der vermutete, dass die 80-Minuten-Fahrzeit (statt rund 30 Minuten mit dem üblichen Bahnlinienverkehr) viele Pendler abgeschreckt hatte. „Ein weiterer Grund könnte sein, dass inzwischen ein paar Züge mehr fahren und jetzt auch der Sylt-Shuttle-Plus-Zug, der 50 Minuten Fahrzeit benötigt, von den Pendlern als Alternative gewählt werden kann.“ Bonnichsen weiß, dass viele Pendler zudem in Eigenregie Fahrgemeinschaften gebildet haben, um gemeinsam mit dem Autozug zur Insel zu gelangen. „Dennoch ist die gesamte Situation für uns Pendler belastend“, bilanziert er.

Das wusste gestern Nachmittag auch Reinhard Meyer. Das Gipfeltreffen mit dem Verkehrsminister brachte die Beteiligten zwar endlich an einen Tisch, aber nur wenig greifbare Verbesserungen. Ab heute hält der Intercity auf seiner Fahrt zwischen Hamburg und Westerland auch in Klanxbüll. Nach dem Gespräch mit Bahnunternehmen, Inselpolitik und Pendler-Vertreter zog Minister Reinhard Meyer ein Fazit vor der Presse. Zwei Prioritäten seien jetzt wichtig – eine stabilere Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs und eine bessere Informationspolitik. „Da erwarte ich von den Bahnunternehmen, dass man noch schneller kommuniziert, wie es mit der Situation der Züge aussieht.“ Meyer forderte unter anderem „Kümmerer“ auf den Bahnsteigen, die vor Ort für Auskünfte bereitstehen. Wichtig seien darüber hinaus Informationen für Fahrgäste via Internet und App – damit sie rechtzeitig erfahren, welche Züge kommen, ausfallen oder Verspätung haben.

Am Freitag hatte sich die Situation nochmals verschärft, doch über das Wochenende habe sich die Lage zum Glück etwas entspannt, bestätigte Meyer die aktuelle Entwicklung. In der Nacht zum Montag seien der Nord-Ostsee-Bahn weitere Waggons zur Verfügung gestellt worden. Für eine Verbesserung hätten auch der Personenbus auf dem Autozug und die Freigabe der Fernzüge für die Nahverkehrstickets beigetragen. „Aber ausruhen geht nicht, wir müssen Stabilität reinbringen, und das ist jetzt die Aufgabe der Bahnunternehmen.“ Meyer kündigte an, nach der Betriebsübernahme durch die DB Regio und vor Beginn der Weihnachtsreisetage ein weiteres Gespräch mit allen Beteiligten führen zu wollen. „Wir werden auch über Entschädigungen nachdenken müssen“, sagte der Verkehrsminister. Kunden hätten eine Leistung bestellt, die sie nicht erhalten hätten. Das gelte auch für Pendler, die zusätzlich zu ihren Monatskarten noch für Fahrten mit dem Autozug gezahlt haben.

Carsten Kerkamm vom Verein Sylter Unternehmer wies auf die existenzielle Bedeutung einer zuverlässigen Bahnanbindung für den gesamten Wirtschaftsraum Nordfriesland hin. Allerdings richtete der Sylter auch Worte des Dankes an NOB, an DB Regio und das Ministerium, die zumindest einen eingeschränkten Bahnverkehr möglich gemacht hätten. „Wenn man nicht so schnell gehandelt hätte, wäre am ersten Freitag gar kein Zug mehr gefahren.“

NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow versicherte, dass sich die NOB bundesweit weiter bemüht, Fahrzeuge anzumieten – als Ersatz für die 90 Züge, die vor über einer Woche als Sicherheitsmaßnahme nach technischen Problemen aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Am Sonntag habe man den Fuhrpark mit elf Fahrzeugen weiter deutlich aufstocken können. „Wir gehen mit Ausnahme von vier Fahrtenpaaren davon aus, dass wir nun den Fahrplan leisten können.“

Am Ende fand Achim Bonnichsen lobende Worte. „Das Gespräch war heute sehr positiv“, so der Mitinitiator der Pendler-Initiative. „Es wurde sehr offen miteinander umgegangen.“ Nach der Pressekonferenz setzten sich Minister Meyer und Nah.SH-Chef Bernhard Wewers nochmal mit Pendlern zusammen und hörten sich das Desaster aus erster Hand an. Auf den Bahnhöfen gab es auch gestern wieder Probleme. Der Zug um 16.22 Uhr ab Westerland hatte nur vier Waggons, Fahrgäste blieben erneut an den Bahnsteigen zurück.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2016 | 06:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen