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Nordfriesland Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:16 Uhr

Lesung im Leck-Huus : Autorin lässt die Säge singen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mit angenehmer Lesestimme, lebhafter Gestik und Mimik sowie Musik bot Sandra Lüpkes eine bildhafte Erzählung ihrer „Inselträume“

Literatur oder Musik? Das eine schließt das andere nicht aus. Der Mix macht den besonderen Reiz aus bei den Lesungen von Sandra Lüpkes. Im Leck-Huus überzeugt die Autorin und Sängerin aber hauptsächlich mit ihrer lebendigen und bildhaften Erzählung von „Inselträumen“. In Kooperation mit der Bücherei Leck wurde diese Veranstaltung möglich.

Die Autorin aus Münster nimmt nicht auf der Bühne Platz. Auf gleicher Ebene wie ihr Publikum hat sich Sandra Lüpkes in der alten Scheune eingerichtet, kann dennoch von allen dank eines Stuhlhockers gut gesehen werden. Der „schnuckelige Saal“ gefällt ihr und auch die friesische Mentalität: „Ich habe lange Jahre auf Juist gelebt“. Eine Insel ohne Autos, mit Pferdekutschen, Fahrrädern und einer Fähre, die nur einmal täglich zum Festland schippert, plaudert sie. Die Idee, eine Buchreihe rund um ein Hotel auf einer Insel zu schreiben, setzt Sandra Lüpkes in die Tat um.

Nach 15 Romanen, drei Sachbüchern, zwei Erzählungen und drei Kurzgeschichten-Sammlungen (Gesamtauflage von knapp 600  000 Exemplaren) entstehen „Das kleine Inselhotel“ und „Inselhochzeit“. Nun schlägt sie den dritten Band, „Inselträume“, auf. Die Zuhörer nehmen Teil am Leben der Jannike Loog, die mit ihrem Mann Mattheusz ein Hotel betreibt. Beim Paar hat der Alltag Einzug gehalten. Wo bleibt die Romantik? Das ist der Nährboden für Träume, in dem der attraktive Insulaner Nils Boomgarden eine Rolle spielt.

Mit ihrer angenehmen Lesestimme, lebhafter Gestik und Mimik zieht Sandra Lüpkes die Zuhörer in ihren Bann. Ihren Protagonisten haucht sie mit wortreichen Beschreibungen Leben ein. „Augen wie eine Ölpfütze“? Das mag befremdlich erscheinen, doch die Münsteranerin liefert eine einleuchtende Erklärung: „Wer einmal eine schmierig braune Lache im Sonnenschein betrachtet, der weiß: Es gibt sonst keine Farbe, die gleichzeitig satt und vollkommen, aber auch ein Versprechen auf den kompletten Regenbogen ist!“

Lasse, der Autoknacker ohne Selbstbewusstsein, und der Ganoven-Boss Rollo treten auf den Plan, die Tratschtanten haben einen kurzen Auftritt, dann ist da noch die planlose Schuldirektorin oder der schwule Bürgermeister. Auf 320 Seiten begegnet der Leser vielen skurrilen Figuren. Sie ergänzen sich zu einem Roman ganz nach dem Rezept: Erzählkunst mit einem guten Schuss Humor und einer gehörigen Prise Krimi. Rundum: „Inselträume“ ist eine leichte, gut lesbare Lektüre.

Die Mutter zweier Kinder schreibt seit 2000, ist vor allem für ihre Krimis bekannt und entpuppt sich nicht zuletzt als ein Multitalent. Mit einem Soundkonzept tourt die Autorin und Sängerin durch die Lande. Ihre Lesungen bereichert sie mit Musik- und Klangcollagen, spielt Flügelhorn und Melodica, entlockt dem Kamm Töne und lässt die Säge singen. Sandra Lüpkes benutzt die Musik als Übergänge zu ihren ausgewählten Textpassagen. Alte plattdeutsche Lieder, modernisiert und aufgepeppt, hat sie in ihrem Repertoire, singt die Nationalhymne von Juist „De Rand vun de Welt“, oder von „Pastor sein Ko ….“. „Davon gibt es 120 Strophen. Keine Angst, ich singe nicht alle“, sagt sie und hält Wort, bevor sie „Sturm und Flut“ in Noten packt und ihr Publikum in die Nacht schickt. „Sie erzählen so schön, ich könnte Ihnen stundenlang zuhören“, dankt eine Zuhörerin. Ein Lob hat auch die Autorin parat: „Es ist so schön gemütlich bei Ihnen!“

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erstellt am 04.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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