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Treuer Besuch : Auswanderer als treue Feriengäste

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Jahr 1960 reiste der Emmelsbüller Julius Bock mit seiner Ehefrau nach Australien aus / Seit 20 Jahren ist er aber regelmäßig in seiner Heimat zu Gast

Zwar ist der gebürtige Emmelsbüller Julius Bock (80) 1960 nach Australien ausgewandert, durch regelmäßige Besuche ist er seiner Heimat aber immer treu geblieben. Auch derzeit ist er wieder mit seiner Ehefrau Marianne bei Karin Gonnsen, mit deren verstorbenen Ehemann er früher kurz als Schmied zusammen gearbeitete hatte, in Emmelsbüll zu Gast. Da die Eheleute Bock im Landhaus-Gonnsen schon vor 20 Jahren zum ersten Mal ihren Heimat-Urlaub verbrachten, wurden sie jüngst von Karin Gonnsen und Sohn Christian mit einem Blumenstrauß und Präsent besonders geehrt. Inzwischen weilen sie zum elften Mal dort und waren zuvor schon vom Fremdenverkehrsverein in Dagebüll geehrt worden.

„Ich war eine Hausgeburt, mit Hilfe der Hebamme Bartlefsen aus Neugalmsbüll“, erzählte Julius Bock schmunzelnd, der nach Ende der Schulzeit bei Christian Nielsen (in der Region nur unter Kikke Schmied bekannt) in Dagebüll das Schmiede-Handwerk gelernt hat. Dort hätte er nach seiner bestandenen Prüfung auch als Geselle für 25 D-Mark pro Woche bei freier Kost und Logis bleiben können. Aber er wollte erst mal ausschlafen, wie er meinte, um dann etwas anderes zu machen. Und da sein Bruder ein Jahr zuvor bereits in den Bergbau nach Westfalen gegangen war, zog es den jungen Schmiedegesellen 1954 auch nach Gelsenkirchen. Dort fand er mit der jungen Näherin Marianne Polzer die Liebe seines Lebens, und 1959 wurde geheiratet.

Nicht um Abenteuer verlegen, beschloss das Ehepaar ein Jahr später nach Melbourne in Australien auszuwandern. Von Italien aus ging es mit dem Schiff zu einer fünfwöchigen Seereise los. Die Überfahrt wurde vom australischen Staat bezahlt, mit der Verpflichtung, mindestens zwei Jahre dort zu bleiben. Arbeitskräfte wurden auf dem Kontinent nämlich dringend gesucht und besonders aus Europa angeworben. „Damals hatte Australien sechs Millionen Einwohner, heute sind es 20 Millionen“, so der Auswanderer. 1964 wurde in Melbourne das einzige Kind der Eheleute Bock, Sohn Andrew, geboren, der nur bis 1980 bei Besuchen in Deutschland mit dabei war. Ihm gefällt es im Geburtsland seiner Eltern nicht so sehr, wie seine Mutter erzählte. Julius Bock arbeitete zunächst als Schlosser in einer Fabrik, bevor er sich mit einer Tankstelle in Melbourne selbstständig machte. Diese tauschte er nach 18 Monaten dann mit einem Fuhrunternehmen, das er mit bis zu acht Lastzügen gemeinsam mit einem Partner aufbaute. Unterstützung erhielt er in der Firma von seiner Ehefrau, die aber auch noch als Näherin aktiv war. Nach knapp 12 Jahren verkaufte Julius Bock sein Unternehmen, um 1972 mit seiner Familie einen viermonatigen Deutschland-Urlaub zu unternehmen. In dieser Zeit wollte man testen, ob die Familie nach Deutschland zurückkehren oder aber endgültig in Australien bleiben wollte, zumal der Auswanderer damals immer noch ein Grundstück in Emmelsbüll besaß. Es wurde verkauft, denn der Entschluss stand fest, für immer in Australien zu bleiben. Julius Bock: „Emmelsbüll bleibt meine Heimat, aber Melbourne ist unser Zuhause.“

Und so ging es für die Familie wieder zurück in den fünften Kontinent, wo Julius Bock dann wieder in einer Fabrik arbeitete, davon 18 Jahre in leitender Funktion im Büro, 14 bis 15 Stunden täglich, wie er sagte. 1955 gingen die Eheleute Bock in Rente, er mit 55 Jahren, wobei in den ersten zehn Jahren vom eigenen Geld gelebt werden musste, denn die staatliche Rente gab es dort auch erst ab 65. Nach den vielen Jahren harter Arbeit konnte Julius Bock das Golfspielen sowie die Urlaubsfahrten gemeinsam mit Ehefrau Marianne in verschiedene Länder in vollen Zügen genießen. Aber sie empfangen in Melbourne auch viele Gäste, wie Bekannte und Verwandte aus Deutschland. Diese haben sie teilweise auch in Emmelsbüll getroffen oder besuchen sie auf ihren Reisen.

Über Australien berichten die Eheleute Bock nur Positives: „Das Land war immer gut zu uns, besonders das Gesundheitswesen ist dort sehr großzügig.“ War das Auswanderer-Paar in der ersten Zeit meistens rund drei Monate auf Deutschland-Besuch, sind es diesmal nur gut acht Wochen, davon drei in Emmelsbüll. „Wir werden auch älter“, heißt es unisono.

Das Paar reist stets mit einem gemieteten Auto selbst durch das Land. Weitere Stationen sind nach Nordfriesland noch Kühlungsborn an der Ostsee, Goslar im Harz, in der Nähe von Gera, natürlich auch Gelsenkirchen sowie Inzell bevor es dann wieder nach Melbourne zurückgeht.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 11:30 Uhr

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