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Nordfriesland Tageblatt

29. April 2017 | 03:48 Uhr

Mit Herzblut : Auf den Spuren Rio Reisers

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Musikerpaar Vera Nitsch und Jens Horn aus Hessen besucht Südtondern, um mehr über den „Ton Steine Scherben“-Sänger zu erfahren.

Hessen, die in Südtondern Urlaub machen – das ist nicht unbedingt ungewöhnlich. Vera Nitsch und Jens Horn aus dem Odenwald allerdings sind dieser Tage in besonderer Mission unterwegs: Die beiden Musiker begeben sich auf die Spuren von Rio Reiser und gestalten ihre ganz persönliche Bildungsreise.

Mitgebracht haben sie mehrere Biografien über den Künstler, Gitarre und Akkordeon sowie Neugier und Entdeckergeist. Natürlich wissen sie längst, dass das Anwesen in Fresenhagen seit mehreren Besitzerwechseln nicht mehr öffentlich zugänglich ist. Mit dem Fahrrad wollen sie die Gegend um das ehemalige Rio-Reiser-Haus erkunden und haben Kontaktdaten ehemaliger Weggefährten des Künstlers in der Region zusammengetragen. Und: Schon vor der Buchung hatten sie sich bei Tourismusmanagerin Sabine Schwarz erkundigt, welche Stationen in Südtondern ihre Reiser-Reise bereichern würden.

Sind die beiden Rio-Reiser-Fans seit frühster Jugend? Nicht unbedingt: „Die ersten Sachen von ,Ton Steine Scherben’ habe ich abgelehnt“, gibt Vera Nitsch zu. Jens Horn ergänzt: „Eigentlich kannte ich immer nur vier Lieder: ,Macht kaputt, was euch kaputt macht’, ,Keine Macht für niemand’, ,König von Deutschland’ und ,Junimond’.“ Das hat sich geändert, seit Vera Nitsch auf das Theaterstück „König von Deutschland“ gestoßen ist, inszeniert von Heiner Kondschak. Die Musikrevue mit Liedern und Szenen aus dem Leben des Sängers hat die 55-Jährige und ihren Partner (61) inspiriert, sich intensiv mit dem Künstler und der Band „Ton Steine Scherben“ zu beschäftigen.

Das Ergebnis: „Ich bin fasziniert vom Gesamtwerk Rio Reisers. Und ein wesentlicher Teil davon ist fast vor der Haustür unserer Lecker Ferienwohnung entstanden“, sagt Vera Nitsch. Sie bewundert den Mut und die Möglichkeiten der „Scherben“, sich nicht auf die Plattenindustrie eingelassen, sondern in Fresenhagen ihre Musik im eigenen Studio aufgenommen zu haben. „Sie haben sich selbst hingegeben. Die Musik stand an oberster Stelle.“

Das ehemalige Rio-Reiser-Haus.
Das ehemalige Rio-Reiser-Haus. Foto: Sybille Bremer

Und das Musikerpaar hat Parallelen zu sich selbst entdeckt. Die beiden spielen gemeinsam in der Band „Aygenart“, die sich selbst als „experimentierfreudiges Ensemble aus dem Odenwald“ beschreibt. „Aufs und Abs in der Band kennen wir auch“, sagt Jens Horn. Nach der Auflösung von Ton Steine Scherben hätten Rio und die anderen Mitglieder mit mehreren 100.000 Mark Schulden dagestanden: „Auch wir kennen Auftritte ohne Bezahlung, bei denen sich der Veranstalter plötzlich nicht mehr daran erinnert, dass die Musiker auch Verpflegung und Unterkunft brauchen. Als freier Musiker spielt man in der Regel ohne Verträge“, berichtet Vera Nitsch. Allerdings: „Wir hatten immer auch ein Standbein im bürgerlichen Leben“, sagt Jens Horn.

Am Sonntag geht es zurück nach Hessen, genauer, in den kleinen Ort Brombachtal. „Das ist mein Fresenhagen“, sagt Vera Nitsch. Bis dahin wird das Musikerpaar die Zeit in Südtondern intensiv zur Spurensuche, Entspannung und künstlerischer Anregung nutzen. „Auf jeden Fall genießen wir es einfach, die Landschaft zu sehen und die Luft zu atmen, die Rio zu so tollen Liedern inspiriert haben“, fasst Jens Horn zusammen. Er ist überzeugt: „Sein Gesamtwerk ist ein Schatz, den viele nicht erkannt haben.“

Die Entdeckungstour auf den Spuren Rio Reisers ist nicht die erste dieser Art: Auch die Beatles und der österreichische Liedermacher Hubert von Goisern hatten die Hessen schon zu Bildungsreisen inspiriert.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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