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Nordfriesland Tageblatt

10. Dezember 2016 | 15:49 Uhr

Auf dem Weg zum Klimaschutz-Vorbild

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Nordfriesland hat sich hohe Ziele gesetzt – im Umweltausschuss informierte Gunnar Thöle über den Stand der Dinge

Gunnar Thöle, seit April 2012 als Klimaschutzmanager im Kreis Nordfriesland tätig, stellte im Ausschuss für Wirtschaft und Umwelt seine Konzeption vor. „Der Kreis Nordfriesland hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 klimafreundlichster Landkreis in Schleswig-Holstein zu werden“, so Thöle. „Was meistens Energiewende genannt wird, die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen, haben wir schon vor vielen Jahren erreicht. Wir haben Eigenversorgungsquoten von mittlerweile über 550 Prozent für den gesamten Kreis, und einzelne Orte im Kreisgebiet erzeugen sogar das mehr als Hundertfache ihres eigenen Strombedarfs selbst.“

Jetzt widme man sich den Themen Energiesparen und Mobilität. Jede ungedämmte Häuserfassade habe Potenzial für Wärmeeinsparung. Hier hakte Bürgermeister Wilfried Bockholt ein. „Wir haben dazu eine Sprechstunde, die gut genutzt wird.“ Bauamtsleiter Udo Schmäschke ergänzte, dass es viele Initiativen gebe, von Solar bis LED für die Stadt. Dazu kämen viele öffentliche Gebäude wie Rathaus, FPS oder Hospiz, die vom zentralen Blockheizkraftwerk bedient werden. Niebüll habe 20 Liegenschaften, die man klimafreundlich ausrüsten möchte; zum Teil sei es schon geschehen wie bei der Gemeinschaftsschule und dem Feuerwehr-Haus in Deezbüll. Bei Neubauten wie der Südtondernhalle werde darauf geachtet. Auch „rund um Niebüll“ will man aktiv werden. Eine Mitarbeiterin des Amtes Südtondern sei mit einer halben Stelle am Thema Klimaschutzkonzept dran, das Amt habe 140 Gebäude in der Verwaltung. Drei unterschiedliche Gebäude (Schule, Begegnungsstätte, Feuerwehr-Haus) sollen beispielhaft saniert werden.

Thomas Uerschels (SPD) verwies auf die Vorbildfunktion der Stadt. Gleichzeitig erwähnte er den Altbaubestand. „Ich wohne selbst in einem alten Haus; hier lohnt sich die Dämmung nicht mehr. Die Kosten sind zu hoch.“ Das wurde im Saal gleich missverstanden: Als Aufforderung zum Abriss der alten Niebüller Häuser, damit überall klimafreundliche Neubauten stehen – das gehe gar nicht, grummelte es aus den Reihen. „Die reetgedeckten Häuser sind ein Markenzeichen der Stadt“, so Lars Petersen (SSW). Dem stimmten die Ausschussmitglieder unisono zu. „Nicht so gemeint“, ruderte Thomas Uerschels zurück. Tatsächlich habe aber der Klimaschutz auch Grenzen und sei bei manchen Maßnahmen wie der Styroporverkleidung sogar kontraproduktiv. Auch seien die Maßnahmen durch Einblastechnik von Material in die Zwischenwände der Häuser umstritten. Stichwort Mobilität: „Als ländliche Region ist Nordfriesland von langen Wegen gekennzeichnet“, sagte Gunnar Thöle weiter. Die jeweiligen Fahrtstrecken würden nur von wenigen gleichzeitig zurückgelegt. Das erschwere die Zusammenfassung von mehreren Wegen im ÖPNV. Sein Fazit: Das Auto wird weiterhin die Hauptrolle spielen. Große Erfolge gebe es in der Elektromobilität: Jeder tausendste Nordfriese fährt elektrisch Auto. „Das klingt wenig, ist aber mehr als fünf Mal so viel wie im Rest Deutschlands – und jeden Monat werden es mehr“, sagte der Experte.

Mit inzwischen mehr als 70 öffentlichen Stromtankstellen im gesamten Kreis gehe es gut voran. Der direkte Nachbar Dänemark und große Teile Norwegens und Schwedens seien längst mit einem Netz an Schnellade-Stromtankstellen ausgerüstet. „Deutschland noch nicht“, kritisierte Gunnar Thöle, „Darum hat sich Nordfriesland gemeinsam mit den umliegenden Kreisen das Ziel gesetzt, ein Netz von Schnelladern entlang der gesamten Westküste von Dänemark bis Hamburg zu installieren.“

Wilfried Bockholt fasste zusammen, dass alle gefordert seien: „Wir müssen etwas tun – und wir sind dran.“ Dazu gehörten auch kleinere Schritte wie das Stadtradeln, das aktuell die Bürger zum Mitmachen aktiviere.

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erstellt am 13.Jun.2016 | 13:09 Uhr

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