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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

Auf dem Prüfstand: Das eigene Konsumverhalten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Stadthalle wurde jüngst ihrer Rolle als Indoor-Marktplatz wieder gerecht: Stimmengewirr, Trubel und animierte Stimmung an einem langen informativen Vormittag deuteten auf ein ungewöhnliches Ereignis hin. Viele junge Menschen tummelten sich beim Aktionstag „Globales Lernen“ ab dem frühen Morgen im Saal.

Das Bündnis „Eine Welt“ hatte zum Thema „Wieviel ist genug?“ eingeladen. Dazu gab es eine Vielzahl an Info- und Aktionsständen von sehr unterschiedlichen Organisationen und Institutionen im weiten Rund. Die Infostelle Klimagerechtigkeit erteilte Ratschläge zum eigenen Verhalten, die Heinrich-Böll-Stiftung regte an, den Fleischkonsum zu überprüfen und Artefact gab sinnvolle Beispiele für den Einsatz von Sonnenenergie. „Cool“, lobte ein Schüler mit Kennerblick den kleinsten Solarrenner der Welt, der anschaulich im Kreis herumraste.

Bei „Brot für die Welt“ ging es um den eigenen „ökologischen Fußabdruck“. Unter dem ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen unter den heutigen Produktionsbedingungen dauerhaft zu ermöglichen. Schüler konnten selbst errechnen, wie sehr sie Umwelt mit Ernährung, Mobilität, Konsum und Wohnen belasten, wie groß ihr persönlicher Fußabdruck ist. Auf Info-Kärtchen gab es gute Tipps wie „Weniger fliegen, mehr erholen“ oder „Sprit sparen, Fahrrad fahren“. Die Animation kam bestens an. „Ich bin bisher noch nicht geflogen“, erläuterte Finn (17), „doch wenn man berechnet, wie lange eine Autofahrt dauert im Vergleich zum Flug?“ Eine Flugreise wollte er daher nicht ausschließen, den Pkw-Besitz schon eher. „Ein Auto brauche ich nicht, mache alles mit dem Rad!“ Auch Marvin (14) und Sebastian (13) waren hochmotiviert. Wie die meisten Schüler mit Arbeitsblättern ausgerüstet, berichteten sie begeistert vom Ratequiz um Fischarten und Fischbestände. „Wir haben richtig gelegen mit unseren Schätzungen!“ Der Stand des Niebüller Stadtmarketings war ebenso dicht umlagert wie der Weltladen Niebüll. Holger Heinke konnte mit seinem Anti-Müll-Adventskalender punkten, während der Weltladen eindeutig bewies, wie lecker fair gehandelte Schokolade schmeckt. Wer noch nichts vom Jugendwaldheim Süderlügum gehört hatte, wurde hier von Fachleuten über „Waldmeister – die Arbeit im Wald“ informiert. Eine Welt war wörtlich zu nehmen: Frühere Entwicklungshelfer erzählten durchaus kritisch über ihre Erfahrungen, Flüchtlinge und Migranten schilderten ihre Schicksale und Lebenswege. In der interkulturellen Lounge stellten junge Kielerinnen ihr Projekt „Sisters, Frauen für Afrika“ vor. Vom ökologischen Freiwilligendienst bis zum internationalen Engagement reichten die Angebote.

Berufsschullehrer Sven Oliver Martin, Mitglied im Arbeitskreis Globales Lernen Schleswig-Holstein, hatte es geschafft, den alljährlichen Praxistag, an den sich noch Workshops für Lehrer anschlossen, nach Niebüll zu holen. Dicht umdrängt waren über Stunden die einzelnen Stände – gelernt haben alle etwas. Veränderung geht nicht von heute auf morgen, war die Erkenntnis - doch der Wille wächst. „Auf Fleisch verzichten möchte ich nicht“, gab Jennifer (18) zu, „doch weniger Fleisch essen, das geht schon.“ Die App „Rettet die Hühner“ gab dazu den passenden Anstoß.


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erstellt am 10.Nov.2016 | 17:18 Uhr

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