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Nordfriesland Tageblatt

04. Dezember 2016 | 07:13 Uhr

Niebüll : Anwohner können aufatmen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Neue Leitung für Abwässer aus der Produktion – wenn es in Niebüll unangenehm riecht, dürfte das nicht mehr an Danisco liegen

Nur ganz leicht riecht es auf dem Betriebsgelände von Danisco (Dupont) am Donnerstag nach Gülle. Kein Vergleich zu früher: Da soll es manchmal ziemlich streng gerochen haben. Noch schlimmer: Es stank in umliegenden Wohngebieten. Anwohner fühlten sich belästigt und beschwerten sich. Nun können alle aufatmen. Das Abwasser aus der Produktion von Joghurt- und Schimmelkulturen wird inzwischen in einer extra verlegten Leitung zur Kläranlage transportiert. Bereits seit dem 4. August sei die Leitung in Betrieb, seitdem habe es keine Beschwerden mehr gegeben, berichteten Vertreter von Danisco und der Stadt Niebüll gestern übereinstimmend.

250.000 bis 300.000 Liter fließen täglich durch den riesigen Abwassertank auf dem Gelände von Danisco, erklärte Betriebsleiter Michael Paulsen. Diese Menge entspricht in etwa dem Verbrauch von 550 Vier-Personen-Haushalten im selben Zeitraum. Danisco gibt dem Klärwerk also viel zu tun. Zudem sind die Abwässer aus der Produktion deutlich stärker verschmutzt als Abwässer aus Privathaushalten – und sie kommen stoßweise. Damit sich das Klärwerk besser darauf einstellen kann, hatten Tankwagen im vergangenen Jahr probeweise Abwasser von Danisco zur Wiederaufbereitung gefahren. Das Abwasser wurde zwischengelagert und konnte so gezielter in den regulären Klärprozess eingebracht werden. Als Dauerlösung wurde schon damals eine Sonderleitung zum Transport der Danisco-Abwässer favorisiert. Ein Plan, der auch umgesetzt wurde.

2,7 Kilometer lang ist die Strecke, auf der die Rohre verlegt wurden: vom Danisco-Standort in der Gotteskoogstraße bis zur Kläranlage im Süderweg 3. Die Abwässer aus dem Betrieb fließen also nicht mehr durch die normale Kanalisation, sondern werden in einer Sonderleitung transportiert. 195.000 Euro hat Danisco dafür ausgegeben.

„Erste Gespräche zu dem Thema hatten wir schon vor drei, vier Jahren“, sagte Bürgermeister Wilfried Bockholt. Das Wachstum von Danisco sei mit immer mehr Abwasser einhergegangen. Dies sei für das Klärwerk problematisch geworden. Dazu kamen noch die Anwohnerbeschwerden über Gestank. „Was den verursacht hat, ist nie ganz klar geworden“, erklärte Betriebsleiter Paulsen. Es habe auch Klagen an Tagen gegeben, an denen die Firma nichts in die Kanalisation eingeleitet habe. Ignorieren konnte Danisco die Lage allerdings nicht, wie Geschäftsführer Reinhold Sand erläuterte: „Wir sind umzingelt von Wohngebieten und einer Schule. Als wir mal Anwohner auf unser Gelände eingeladen haben, schwappte eine Welle der Verärgerung über uns hinweg.“ Paulsen sagte, man habe schließlich die wahrscheinliche Ursache des Geruchs entdeckt. Er hoffe jedenfalls, dass sich das Problem nun dank des geschlossenen Systems erledigt habe.

An einem Streit war offenbar von vornherein keinem der Beteiligten gelegen. „Es geht um ein gutes Miteinander, und wir haben mit der separaten Leitung einen guten Weg gefunden“, sagte Bockholt. „Diese Leitung ist daher auch ein Zeichen für die Zusammenarbeit der Stadt mit einem der größten privaten Arbeitgeber in der Region.“ Danisco könne weiter Abwasser je nach Bedarf ableiten, das Klärwerk habe keine Probleme mehr, auch das Geruchsproblem habe sich wohl erledigt. Die sehr warmen Spätsommertage boten in der Hinsicht ideale Testbedingungen. „Es scheint zu funktionieren, sonst hätte man schon etwas gemerkt“, sagte Paulsen. Und zumindest für Gerüche in der Innenstadt könne man auf keinen Fall verantwortlich sein, denn da führt die neue Leitung nicht lang.

Wenn es künftig in Niebüll mal komisch riecht, dürfte das also nicht an Danisco liegen.

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erstellt am 22.Sep.2016 | 10:45 Uhr

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