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Nordfriesland Tageblatt

01. Juli 2016 | 11:58 Uhr

Schranke defekt : Ärger mit der Bahn: Zug rast ungebremst durch Klanxbüll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mehrere Anwohner berichten von schnellen Zugdurchfahrten bei offenen Schranken. Die Deutsche Bahn verweist auf Sicherheitsprotokoll.

Klanxbüll | Für die Gemeinde Klanxbüll mit ihren knapp 1000 Einwohnern ist der Schienenverkehr im Dorf Normalität: Täglich passieren rund 100 Auto- und Personenzüge den örtlichen Bahnhof. Wer hier lebt, der fühlt den Puls der Ferieninsel Sylt. Jetzt sind einige Anwohner des Bahnhofs in Sorge. Der Grund sind ungebremste Autozüge und eine defekte Schrankenanlage.

Anwohnerin Angelika Fritz lebt gerne in Klanxbüll. Seit sechs Jahren wohnt die gebürtige Sylterin in Sicht- und Hörweite des Bahnüberganges. Der Betrieb an sich störe sie nicht, sagt Fritz. Vielmehr hat sie über Monate Probleme bei der Schrankenanlage beobachtet und fordert jetzt mehr Sicherheit: „Erst am Montag hat sich die Schranke wieder nicht schließen lassen – mehrere Autozüge sind danach über eine Stunde ungebremst vorbeigerauscht.“ Auch Nachbar Helge Boysen kennt das Schauspiel: „Da muss was passieren – besonders mit Hinblick auf die vielen Schulkinder.“

Auf den Schrankenausfall am vergangenen Montag, 6. Oktober, hingewiesen, bestätigte die Deutsche Bahn die Fehlfunktion: „Der Bahnübergang war am Montag von 12.20 Uhr bis 13.08 Uhr gestört. Aufgrund eines Drahtseilbruches konnten die Schrankbäume nicht wie üblich vom Fahrdienstleiter in Klanxbüll geschlossen werden“, teilte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst mit. Der Defekt sei durch Bahntechniker schnellstmöglich behoben worden.

Der Beobachtung durch Anwohner, dass der Bahnübergang Klanxbüll in den vergangenen Monaten häufiger von Ausfällen betroffen gewesen sei, kann die Deutsche Bahn hingegen nicht zustimmen: „Die Schrankenanlage ist nicht als besonders störanfällig bekannt“, so Brunkhorst. Auch eine ungebremste Durchfahrt von Zügen bei offenen Schranken, darf es laut Deutscher Bahn eigentlich nicht geben. Für solche Fälle gebe es eindeutige Vorschriften: „Wenn die Schranken am Bahnübergang nicht geschlossen werden können, erledigt der Lokführer die Sicherung wie folgt: Der zuständige Fahrdienstleiter erteilt dem Triebfahrzeugführer den schriftlichen Befehl, vor dem entsprechenden Bahnübergang zu stoppen. Durch das Andreaskreuz ist die Vorfahrt für Schienenfahrzeuge klar geregelt. Der Triebfahrzeugführer gibt ein Hupsignal und fährt langsam im Schritttempo auf den Übergang. Wenn die Lok auf dem Überweg steht, ist dieser gesichert. Der Zug fährt dann normal weiter.“

Ein Video, dass Anwohnerin Angelika Fritz mit ihrem Handy aufgenommen hat, belegt jetzt aber zumindest eine umgebremste Zugkreuzung. Der kurze Film zeigt einen mit Autos beladenen Sylt Shuttle, der den geöffneten Bahnübergang am Montag mit hoher Geschwindigkeit überfährt. Angelika Fritz betont, dass es ihr nicht darum gehe, die Deutsche Bahn „anzuschwärzen“, vielmehr wolle sie auf ein Sicherheitsproblem hinweisen: „Gerade gegen Mittag kommen hier viele Schulkinder mit dem Bus an und müssen dann über die Gleise.“

Auch in Göttingen beim Fahrgastverband Pro Bahn löst der ungewöhnliche Vorfall erst einmal Kopfschütteln aus: „Wenn das wirklich passiert sein sollte, dann würde mich das schon extrem wundern“, sagt Pressesprecher Gerd Aschoff. „Eigentlich darf so etwas nicht passieren, denn es gibt strenge Sicherheitsvorgaben.“ Für die Zukunft rät Aschoff den Anwohnern derartige Vorfälle exakt zu protokollieren, um der Bahn so detaillierte Angaben machen zu können. Falls das nicht helfe, sei das Eisenbahn Bundesamt der richtige Ansprechpartner.

Das Problem sei schon jetzt vielen Klanxbüllern bekannt, sagt Angelika Fritz. „Der Übergang muss sicher sein und die Schranken müssen funktionieren. Es darf nicht erst etwas passieren.“

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erstellt am 09.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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