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Nordfriesland Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:43 Uhr

Juliläum : 30 Jahre: Ein Maler und sein Museum

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Am Sonnabend feiert das Richard-Haizmann-Museum mit einer Sonderausstellung sein Bestehen. Im Mittelpunkt steht der Namensgeber

In seinem Heimatort Villingen in Baden-Württembergs findet er nur wenig Beachtung. In Niebüll ist ihm dagegen ein Museum gewidmet: Richard Haizmann zog es 1934 nach Niebüll – in die Nachbarschaft von Emil Nolde. Im Norden widmete er sich seiner Kunst, bis er 1963 verstarb – aber nicht in Vergessenheit geriet: 30 Jahre später wurden seine Werke erstmals in der Rathausstraße 2 gezeigt. Mit der großen Richard-Haizmann-Schau „Von Innen nach Außen“ wird nun am morgigen Sonnabend, 18 Uhr, das Bestehen des Museums gefeiert. Redner sind Bürgermeister Wilfried Bockholt, Kultur-Staatssekretär Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer, Freundeskreis-Vorsitzende Dr. Katrin Tuxhorn und Museumsleiter Dr. Uwe Haupenthal.

Das Richard-Haizmann-Museum präsentiert seit 1986 eine Werkauswahl des Bildhauers, Malers und Grafikers Richard Haizmann. Darüber hinaus zeigt das Museum seit dieser Zeit in wechselnden Ausstellungen Kunst der Klassischen Moderne wie der Gegenwart – die Werke norddeutscher und skandinavischer Künstler bilden in diesem Zusammenhang ebenso einen Schwerpunkt wie konstruktiv oder konkret arbeitende Künstler. Damit hat das Haus ein originäres Profil und seinen Platz in den Museen des Landes gefunden.

Begonnen hatte alles viel früher. Der Nachlass des Künstlers war 1979 an die Stadt Niebüll gegangen. Zur Pflege der Sammlung wurde eine Stiftung gegründet, durch die Stadt und den Kreis. Durch die Neugestaltung des Rathausplatzes samt Rathausneubau konnte das alte Amtsgebäude mit Hilfe der Städtebauförderung in ein Museum umgewandelt werden. Gründungsdirektor war Erwin Heizmann. Niebüll hatte sich also früh auf den Weg gemacht, Richard Haizmann zu würdigen. Alt-Bürgermeister Heinz Loske erinnert sich an den Besuch Richard von Weizsäckers am 21. Juni 1986. Er verwies damals auf das nahende Ereignis bei der Begrüßung: „Wir werden am 21. August 1986 im Rahmen unserer 550-Jahrfeier das Richard-Haizmann-Museum eröffnen und das Werk von Richard Haizmann der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir haben zu Ihrer Ehre, Herr Bundespräsident, einige Werke des Künstlers als kleinen Vorgriff in dem Sitzungssaal des Rathauses präsentiert.“ Ein Start nach Maß dann im August, sogar Ministerpräsident Uwe Barschel erschien – und die sichtlich bewegte 91-jährige Witwe Hella Haizmann. Erwin Heizmann erweiterte die Konzeption in Richtung moderne Kunst. Nach seinem frühen Tod leitete 1991 der Künstler und Kunstprofessor Andreas Brandt das Haus kommissarisch, ehe der heutige Leiter Dr. Uwe Haupenthal übernahm.

Wie kam der Künstler nach Niebüll? Bis 1933 nahm er von Hamburg aus an nationalen und internationalen Ausstellungen teil, und seine Werke wurden von Museen angekauft. Private Kunstsammler hielten ihm die Treue wie das Sammlerehepaar Walter und Maria Bamberger, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Bamberger, der in Berlin lebte, erhielt eine Anstellung als Zeichenlehrer am Friedrich-Paulsen-Gymnasium. Die Bambergers nahmen trotz beengter Verhältnisse Richard Haizmann auf, der in Hamburg von den Nationalsozialisten verfemt wurde und deshalb Anfang der 30er-Jahre in Nordfriesland Abstand zu den politischen Ereignissen, aber auch eine neue künstlerische Inspiration suchte. Richard Haizmann hatte in den 20er-Jahren begonnen, sich als Künstler zu etablieren. 1926 zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in einer Ausstellung seine frühen Arbeiten. Große Beachtung fand auch seine große Tierplastik Katze, die auf der Europäischen Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wurde. Er arbeitete Brunnen und Brückengeländer, die zum Teil noch heute zu sehen sind. Eine Edvard-Munch-Ausstellung der Galerie Commeter im Jahr 1930, in der er sein Keramik-Werk präsentieren konnte, brachte ihm den endgültigen Durchbruch. In Niebüll angekommen, durfte der Künstler im Gegensatz zu Emil Nolde weiterhin künstlerisch tätig sein.

Richard Haizmann kehrte 1950 bis 1961 in die abstrakte Formenwelt seiner frühen Schaffensphase zurück, entdeckte aber für sich neue Techniken: die Monographie und den großformatigen Holzschnitt. Inhaltlich beleuchtete er die uralten heiligen Themen in vertiefter, überzeitlicher Sicht. So entstanden elf Holzschnittzyklen wie „Menschen und Götter“, „Erzengel“ oder „Christus“.

In der Ausstellung, die im Museum gezeigt wird, ist ein Querschnitt seines Schaffens zu sehen. Alles besondere Werke aus dem Bestand des Hauses, die die Entwicklung des Künstlers dokumentieren, seine unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsphasen reflektieren. Spannend wird die Gegenüberstellung mit Werken von zeitgenössischen Künstlern.

Richard Haizmann (1895 -1963) war zunächst Galerist (unter anderem stellte er Van Gogh und Emil Nolde aus), ab Anfang der 20er Jahre Künstler, Mitglied der Hamburger Sezession und stellte unter anderem in Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig oder Oslo aus. Seine anthrosophische Kunstauffassung missfiel den National-Sozialisten, er bekam Ausstellungsverbot. Die NS-Machthaber zerstörten sein Skulpturenlager und zeigten seine Werke in der berüchtigten Wander-Ausstellung 'Entartete Kunst'. In Niebüll fand Richard Haizmann ab 1934 Unterschlupf. Wenngleich seine Kunst nach dem Krieg in Hamburg, Bielefeld und New York ausgestellt wurde, fand Haizmann nicht wieder zurück zu seinem Können der frühen Jahre.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 06:30 Uhr

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