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Norddeutsche Rundschau

30. September 2014 | 12:21 Uhr

Itzehoe : Zwölfjähriger terrorisiert Mitschüler

vom

Ein Zwölfjähriger macht Probleme an der Wolfgang-Borchert-Regionalschule in Itzehoe. Die Eltern drängen auf eine schnelle Lösung - und haben selbst Angst.

Itzehoe | Es passiert fast täglich. Immer wieder sorgt ein Zwölfjähriger für Ärger an der Wolfgang-Borchert-Regionalschule (WBR). Massiven Ärger: Der Fünftklässler beschimpft und bedroht Mitschüler, attackiert sie ständig. Auch Lehrern gegenüber verhält er sich nicht besser. Die Eltern gehen auf die Barrikaden und verlangen ein Eingreifen der Behörden: "Wir wissen nicht mehr, wie wir die Kinder schützen sollen", sagt eine 45-Jährige aus Heiligenstedten.
Ebenso wie eine 34-Jährige aus der Wilstermarsch hält sie ihren Namen lieber geheim. Zu groß ist die Sorge, was nach dem Schritt in die Öffentlichkeit passiert. "Die Kinder wissen auch um seinen Umgang", sagt die 34-Jährige mit Blick auf das Milieu, das Polizei und Justiz schon oft beschäftigt hat. Nach Informationen der Norddeutschen Rundschau lebt der Junge nicht zu Hause, sondern bei einer 17-Jährigen, die ebenfalls sehr gut bekannt ist bei der Polizei.

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Polizist rät zu Anzeigen

Die kann nichts tun: Der Zwölfjährige ist nicht strafmündig. Dennoch sei es sinnvoll, Anzeigen zu erstatten, sagt Oliver Michels, Leiter der Ermittlungsgruppe Jugend bei der Kriminalpolizei. Dann könnten die ersten, sanften Schritte, die das Jugendstrafrecht vorschreibt, übersprungen werden, wenn der Junge 14 und damit strafmündig ist.
Er wiederholt die fünfte Klasse an der WBR, doch die Hoffnung auf eine Entspannung hat sich nicht erfüllt. Der ganze Katalog an erzieherischen Versuchen und Strafen sei abgespult worden, sagt Schulleiterin Marlies Latzenberger. Zwei Wochen lang war der Junge vom Unterricht suspendiert. Freitag kam er wieder, musste aber nach Hause geschickt werden. Am Montag ebenso. Aber es bestehe ja Schulpflicht. "Wir versuchen alles, aber wir haben nicht mehr Möglichkeiten", sagt Marlies Latzenberger. "Wir sind absolut machtlos. Eigentlich ist das ein Fall fürs Jugendamt."

Berhörden-Mühle mahlt langsam

Dort wurden auch die Eltern schon vorstellig. Die Behörde suche eine Fremdbetreuung, aber die Mühle mahle langsam, klagt die 34-Jährige. Die WBR-Kinder seien täglich durch den "absolut aggressiven" Jungen in Gefahr. Von normalem Schulbetrieb sei nicht zu reden. Selbst Kinder, die nicht als Opfer auserkoren seien, brächen vor Angst weinend zusammen. Weil er nachmittags die Stadt unsicher mache, traue sich ihre Tochter nicht mehr zu ihren Freizeitaktivitäten, ergänzt die andere Mutter.
Doch dass ein Kind aus einer Schule genommen und in einer Jugendeinrichtung untergebracht wird, sei eine seltene Ausnahme, sagt Harry Strößner, Leiter des Kreisjugendamtes. Ohne auf den Einzelfall einzugehen, erklärt er: Aufgabe der Behörde sei die Unterstützung von Kindern und Eltern im Hinblick auf eine angemessene Erziehungssituation. "Das Jugendamt ist nicht dafür da, den schulischen Ablauf zu organisieren."

"Schule kann gar nicht richtig ansetzen"

Aber es ist auch aus Sicht von Schulrätin Gisela Zimmermann am Zug. Es handele sich um einen hoch auffälligen Jungen aus völlig hilflosem Elternhaus, der in die Kriminalität abzurutschen drohe. "Schule kann gar nicht richtig ansetzen." Das Jugendamt habe sich schon Ende Oktober für zuständig erklärt und eine stationäre Unterbringung im Rahmen der Jugendhilfe genehmigt. Auf die Umsetzung wartet die Schulrätin, besteht aber gleichzeitig darauf, dass der Zwölfjährige die Schule besucht. "Es soll kein Ping-Pong-Spiel werden zwischen Schule und Jugendamt" - denn es gehe um den Jungen.
Egal wie, die Eltern wollen, dass etwas passiert. "Es gibt 25 Kinder, die in Angst und Schrecken leben", sagt die 34-Jährige. Geplant ist, dass die Klasse 5c am Mittwoch zu Hause bleibt: "Es ist das einzige Druckmittel, das wir haben." Doch so ein Druck sei der falsche Weg, meint die Schulrätin: "Da setzen sich die Eltern ins Unrecht. Das sollen sie lassen."

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erstellt am 30.Nov.2012 | 05:27 Uhr

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