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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 07:01 Uhr

Grippewelle : „Zum Impfen gibt es keine Alternative“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Claudia Vollmers fordert Risikogruppen zur Influenza-Impfung auf. Engpässe beim Grippe-Impfstoff erwartet sie nicht.

Itzehoe | Mit dem kühleren Herbstwetter beginnt die Grippesaison. Das bringt auch das Thema Impfung auf die Agenda. Im Interview erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes des Kreises Steinburg und Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Innere Medizin, Dr. Claudia Vollmers, wann die Grippegefahr am höchsten ist und was in diesem Jahr rund um die Influenza-Impfung wichtig ist.

„Nur ein kleiner Piks“: Amtsärztin Claudia Vollmers sieht die Risiken von Impfungen gelassen.
Amtsärztin Claudia Vollmers. Foto: Grützmacher
 

Frau Vollmers, was unterscheidet die Influenza von anderen grippalen Infekten?

Die Influenza ist das, was man die „echte Grippe“ nennt. Im Gegensatz zu normalen Symptomen wie Husten oder Schnupfen bei grippalen Infekten ist die Influenza eine ernste Erkrankung, die zu Lungenentzündungen, hohem Fieber und einem schweren Krankheitsgefühl führen kann, bei gleichem Risiko der Ansteckung. Jeder, der mal eine Influenza hatte, kennt den Unterschied zu grippalen Infekten. Bei bestimmen Konstellationen kann die Influenza auch tödlich verlaufen.

Kann man jetzt schon prognostizieren, ob die Grippewelle dieses Jahr besonders schlimm wird?

Nein, das kann man erst im Nachhinein feststellen. Fakt ist, es wird wieder eine Grippewelle geben, das ist jedes Jahr so.

In welchen Monaten schlägt die Grippe am härtesten zu?

Januar und Februar sind die Monate, wo die Krankheitswelle hereinbricht. Dann sind die Praxen bei Haus- und Kinderärzten brechend voll. Bei einer richtigen Grippe können Sie nur die Symptome bekämpfen. Es ist ein Virus, der sich nicht durch Antibiotika bekämpfen lässt.

Empfehlen Sie die Grippeimpfung?

Auf jeden Fall. Selbst wenn man die Grippe doch bekommt, beweisen Statistiken, dass schwere Krankheitsverläufe dadurch abgemildert werden.

Viele Menschen sind kritisch gegenüber Impfungen. Können Sie das nachvollziehen?

Also als Schulmedizinerin und selbst durchgeimpfte Person kann ich nur sagen: Es sollte nach den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission geimpft werden. Ganz einfach, weil die Erkrankungen zu bekommen, gegen die wir impfen können, keine sinnvolle Alternative ist. Die Impfung ist nur ein kleiner Stich im Gegensatz zu dem, was man sonst bekommen könnte. Auch jetzt schon versucht man die Frequenzen zu reduzieren und gerade für Kinder Impfstoffe zusammenzufassen, damit es nur ein Piks ist. Ich denke, je mehr Impfstoffe wir irgendwann auf anderem Wege anbieten können, über die nasale Einnahme zum Beispiel, umso mehr wird das Impfen auch angenommen.

Im Internet wird gelegentlich von Schauergeschichten berichtet, in denen Kinder angeblich durch die Nebenwirkungen von Impfungen gestorben sind. Sind Ihnen solche Fälle bekannt?

Es mag sporadische Fälle geben, in denen von so etwas berichtet wird. Ich halte es aber für Gerüchte. Derartige Nebenwirkungen sind nicht nachvollziehbar und wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Aber es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Impfen wirkt.

Wenn man sich impfen lassen will, wann ist der beste Zeitpunkt dafür?

Man sollte am besten jetzt loslegen. Bis zum Anfang der Grippewelle macht eine Impfung Sinn, mittendrin nicht mehr. Weil sich die Grippeerreger jedes Jahr ändern und der Schutz nicht lange anhält, sollte man sich jährlich impfen lassen.

Für welche Bevölkerungsgruppen gilt das besonders?

Kinder ab sechs Monaten und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen wie Asthma sollten sich impfen lassen. Außerdem gibt es eine Empfehlung für Menschen über 60 Jahren, weil hier das Immunsystem einfach schwächer wird. Außerdem sollten sich Menschen mit immunschwächenden Krankheiten und Schwangere impfen lassen. Der Schutz der Impfung wird mit auf das ungeborene Kind übertragen. Zudem wird empfohlen, dass sich Personen, die beruflich in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Heimen oder medizinisch tätig sind, impfen lassen.

In manchen Teilen Deutschlands gab es im letzten Jahr Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoffen. Wird in Itzehoe genug Impfstoff vorhanden sein?

Sowas ist bisher nicht an uns herangetragen worden. Es scheint derzeit gut zu laufen. Bisher sind uns Gott sei Dank keine Probleme bei den Bestellungen bekannt. Das Paul-Ehrlich-Institut, das ja sozusagen unsere Quelle ist, hat uns ebenfalls bislang keine negativen Rückmeldungen in Bezug auf die Impfstoffe gegeben.

Ist es auch möglich, sich im Gesundheitsamt direkt impfen zu lassen?

Nein, das geht nur bei den niedergelassenen Ärzten. Wir haben leider kein Impfangebot für die Bürger. Wir würden das gerne machen, haben dafür aber nicht das Personal. Deswegen sollte man zu seinem Haus- oder Kinderarzt gehen und sich dort impfen lassen.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 05:07 Uhr

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