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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:25 Uhr

Serie : Wo Kühe zum Frühaufsteher werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für Bauer Bernd Voß ist die Arbeit im Melkstand derzeit nur ein „Ferienjob“ / Zwei Mitarbeiter halten den Betrieb in Nortorf aufrecht

Das erste, was einem im Morgengrauen auf dem Hof in Diekdorf über den Weg läuft, ist ein Roboter. Auf einem Rasenstück zieht ein Rasenmäher gemächlich seine Kreise. Die eigentliche Arbeit in dem Milchviehbetrieb muss aber noch immer per Hand erledigt werden. Und an diesem Morgen muss auch der Bauer mal selbst mit anpacken. „Ich mache das als Ferienjob“, schmunzelt Bernd Voß. Seit er für die Grünen im Landtag sitzt, hat er zwei Angestellte. Einer von ihnen, der gelernte Landwirt Malte Fuhlendorf, ist im Urlaub. Der andere ist gebürtiger Rumäne und eigentlich gelernter Tischler. Bernd Voß ist froh, dass Mathias Nyaguly in seinem Familienbetrieb die Stellung hält. „Der Fachkräftemangel ist bei in der Landwirtschaft längst angekommen. Und er wird noch zunehmen“, weiß der 62-Jährige wie schwer es ist, gute und zuverlässige Mitarbeiter zu bekommen.

Morgens um 5 ist Mathias Nyaguly schon längst auf den Beinen, hat im Melkstand alles vorbereitet – während der Bauer noch gemütlich beim Kaffee sitzt. Früher, so erinnert dieser sich, habe er mit dem Melken oft erst eine Stunde später begonnen. „Dafür war es dann abends auch eine Stunde später.“ Lachend fügt er hinzu: „Das war natürlich gut für das Tierwohl, damit die Kühe auch mal ausschlafen konnten.“ Heute sei der Arbeitsbeginn eher „Mitarbeiter-getrieben“. „Meine Leute machen eben gerne etwas früher Feierabend.“

Im Melkstand selbst läuft alles völlig routinemäßig ab. Die Kühe kennen das Spiel. Auf ein kurzes Kommando von Mathias Nyaguly marschieren sie hinein und beziehen Position. 80 bis 90 Tiere werden hier zweimal am Tag an die Melkmaschine im „Doppel-Sechser“ angeschlossen – sechs Tiere stehen links, sechs rechts. Und das an sieben Tage die Woche und an 356 Tagen im Jahr.

Natürlich kommt man im Gespräch auch schnell zur Milchkrise. „Das ist unterirdisch“, bringt Bernd Voß es auf den Punkt. Seine Milch liefert er zur Breitenburger Milchzentrale – für gerade mal 21 Cent das Kilogramm. Dabei kann er bei aller Not noch vergleichsweise gelassen bleiben. Auf vielen Höfen wurde in den vergangenen Jahren groß investiert. Die Banken wollen ihr Geld wiederhaben. Und vielfach muss der Not leidende Familienbetrieb auch noch zwei oder gar drei Generationen ernähren. Bernd Voß weiß natürlich um die Sorgen und Nöte seiner Berufskollegen gerade auch in der Wilstermarsch, wo es zur Milchviehhaltung kaum Alternativen gibt. Seine einfache Rechnung: „Auf den Betrieben fehlen derzeit jedes Jahr 100  000 Euro. Das wird die Region noch richtig verändern.“

In ein Klagelied einzustimmen, ist dennoch nicht die Sache von Bernd Voß. Seine Parole: „Durchhalten und auf Perspektiven hoffen.“ Schließlich „ist und bleibt Landwirt ein schöner und vielfältiger Beruf“. Wie es auf seinem eigenen Hof weitergeht, ist dabei noch offen. „Ein paar Jahre habe ich ja noch“, sagt er. Der Sohn hat sich beruflich allerdings anderweitig orientiert. Vielleicht, so hofft Voß, läuft es ja auch in einer Art Nebenerwerb weiter. Er selbst will allerdings auch bei der Landtagswahl im nächsten Jahr noch einmal seinen Hut in den Ring werfen. Dank zweier guter Mitarbeiter weiß er, dass der Betrieb weiter läuft. „In diesem Jahr habe ich auch Glück gehabt mit der Erntesituation.“ Bernd Voß war oft dann vor Ort, wenn das passende Wetter seinen tatkräftigen Einsatz erforderte. „Ansonsten greife ich natürlich auch häufig auf Lohnunternehmer zurück.“

Derweil hat Mitarbeiter Mathias Nyaguly die Arbeiten im Melkstand voll im Griff. „Draußen liegt noch eine Kuh“, gibt er dem Bauern noch schnell mit auf den Weg. Der will dem Tier dann nachher wieder auf die Beine helfen. Im Vorbeigehen bringt Bernd Voß noch schnell den Mähroboter wieder auf Kurs. Das Gerät hatte sich in einem Gebüsch festgefahren. Ganz ohne den Bauern geht es auf dem Hof eben doch nicht.

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erstellt am 02.Aug.2016 | 05:00 Uhr

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