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Norddeutsche Rundschau

02. Dezember 2016 | 19:14 Uhr

Auffangstation : Wo aus „Notfellen“ Glückspilze werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Auffangstation für nordische Hunderassen in Hohenlockstedt-Springhoe kümmert sich um bis zu 15 Tiere.

„Man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“ Was einst Heinz Rühmann sagte, gilt heute mehr denn je beim Tierschutzverein „Nordlicht für Notfelle“. Die Auffangstation für nordische Hunderassen wurde im Juni 2013 im Hohenlockstedter Ortsteil Springhoe gegründet. Von Anfang an mit dabei ist die Vorsitzende Corinna Harders. Sie ist für die ehrenamtlichen Helfer, aber auch Interessenten und Sponsoren die erste Ansprechpartnerin. Zu ihren täglichen Aufgaben gehört aber vor allem die Arbeit mit den Hunden. Für maximal 15 Vierbeiner gibt es Platz. „Als erstes gibt es morgens Futter. Danach trudeln dann gegen 10 Uhr die ersten Ehrenamtler ein.“ Anschließend werden die Gehege von innen und außen sauber gemacht. „Innen wischen wir jeden Tag. Und natürlich werden auch die Betten gemacht“, erzählt Julia Kemfert, die bei den Nordlichtern für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Das sagen wir, wenn wir die Decken ausschütteln“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern. Auch die großzügigen Außengehege werden täglich gereinigt und bei Bedarf instand gesetzt sowie das Stroh in den bereitgestellten Hütten kontrolliert. „Und wenn es im Sommer heiß ist, stellen wir Badeschüsseln raus. Auch die werden jeden Tag sauber gemacht und das Wasser ausgetauscht“, so Kemfert.

Während die einen putzen, brechen die anderen schon zu den ersten Spazierrunden mit den Hunden auf. Eine, die jeden Tag zum Gassi gehen kommt, ist Brigitte Horns. Bei Wind und Wetter dreht die ehemalige Lehrerin mit Hündin Sanga täglich große Runden. „Ohne die Ehrenamtler könnten wir hier schließen“, zeigt sich Corinna Harders dankbar für die Hilfe. Etwa zehn Freiwillige kommen regelmäßig, um bei der Arbeit mit den Hunden zu helfen oder das 7000 Quadratmeter große Gelände in Schuss zu halten. Dafür ist auch Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) Lars Lübbers zuständig, dessen handwerkliche Fähigkeiten stets gefragt sind. Der 18-Jährige hat in diesem Jahr sein Abitur gemacht und hilft schon seit dem vergangenen Sommer in dem Tierschutzverein. „Die Arbeit mit den Hunden mag ich aber am liebsten. Wenn ich nach Hause gehe, habe ich immer das Gefühl, etwas Sinnvolles gemacht zu haben“, sagt der junge Mann. Besonders beliebt sind auch bei ihm die Kuscheleinheiten mit den Vierbeinern. „Es ist wichtig, dass die Hunde nicht nur körperlich ausgelastet sind, sondern auch geistig beschäftigt werden“, erklärt Corinna Harders. Interessenten klärt sie deshalb stets über die rassespezifischen Eigenschaften der Hunde auf. „Die Leute müssen ja wissen, worauf sie sich gegebenenfalls einlassen. Das sind nämlich oft die Abgabegründe.“ So gelten die nordischen Rassen allgemein als sehr ursprüngliche Hunde mit einem großen Bewegungsdrang. Außerdem gehen sie ihrem Jagdtrieb nach Möglichkeit gern nach. „Deshalb kann man sie oft nicht unangeleint laufen lassen“, so Harders. Und: „Sie sind gar nicht spielbedürftig. Was diese Hunde machen, muss für sie selbst Sinn ergeben.“ Dennoch seien es ausgesprochene Familienhunde, als Wachhunde taugten sie aber nicht. Doch wer sich auf einen Bewohner der „Nordlichter für Notfelle“ einlässt, bekommt einen Freund fürs Leben.

Viele der Hunde kommen von Tierschutzorganisationen oder aus Animal Hording-Haushalten und sind deshalb verhaltensauffällig. Das Nordlicht-Team braucht in solchen Fällen oft viele Monate, um die Tiere zu sozialisieren. „Sie kommen hier wie Wildhunde an und haben eine Todesangst, wenn sie beispielsweise ihr Gehege verlassen sollen. Bis wir soweit sind, dass wir sie vermitteln können, dauert es dann oft sehr lange“, weiß Corinna Harders. Doch gelungen sei das immer: „Bisher haben alle ein neues zu Hause gefunden“, freut sich die Stationsleiterin. Im vergangenen Jahr hat der Verein 18 Hunde vermittelt. „Wir haben aber nicht nur schwierige Hunde hier. Trotzdem gibt es bei jedem etwas anderes zu tun“, ergänzt Julia Kemfert. So sei ein Hund beispielsweise zu übergewichtig, während andere sehr ängstlich sind.

Obwohl die Nordlichter auch ihre neuen Halter also auf Trab halten, ist das Interesse dennoch groß und dehnt sich sogar auf ganz Deutschland aus. Rüde Ice beispielsweise wird bald nach Erfurt ziehen, wo er von Lisa Leipold und Benjamin Büchner aufgenommen wird. „Wir haben ihn im Internet gesehen und uns restlos in ihn verliebt, der Funke ist sofort übergesprungen. Für uns stand gleich fest, dass das der Hund ist, der zu uns gehört. Uns war aber auch klar, dass es schon richtig passen muss, wenn man einen Hund mit Vorgeschichte bei sich aufnimmt“, erzählt Leipold, die schon Hündin Flocke besitzt. Bei einem ersten Besuch beschnupperten sich Vierbeiner und Menschen. Das Fazit: „Ice ist ein cooler Typ. Jetzt können wir es kaum noch erwarten, dass er zu uns kommt“, berichtet das junge Paar bei seinem zweiten Besuch in der Auffangstation. Während Ice kaum in der Auffangstation angekommen war und schon Interessenten hatte, leben andere Artgenossen schon etwas länger bei den Nordlichtern. So etwa das einzige Pärchen, die „Oldies“ Nico und Mischka, die nur zusammen vermittelt werden. Die Kosten, die bis zur Vermittlung anfallen, bestreitet der Verein vor allem aus Spenden und Patenschaften. „Paten können bei uns die Summe, die sie spenden wollen, selbst bestimmen. Uns hilft jeder Euro“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Doch auch Sach- und Futterspenden helfen den Tieren. „Und ein fester Sponsor wäre auch toll, weil wir dann vielleicht eine 450-Euro-Kraft einstellen könnten, die uns bei der Gehegepflege hilft, und auch Verantwortung übernehmen kann. Dann könnten wir eine eine feste Anzahl in Not geratener Hunde aufnehmen.“ Der größte Kostenfaktor sind stets die Tierarztkosten. „Jeder Hund soll ja eine Rundum-Versorgung bekommen.“

>Weitere Infos: www.nordlicht-notfelle.de

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erstellt am 01.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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