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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 11:17 Uhr

Nach Insolvenz : „Wir wollen weiter wachsen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zehn Monate dauerte das Insolvenzverfahren: Geschäftsführer Lutz Bitomsky hat die Itzehoer Walter Otto Müller GmbH in Eigenverwaltung saniert.

Herr Bitomsky, nach dem großen Brand im Jahr 2014 sind Sie mit großem Selbstbewusstsein schnell an den Wiederaufbau Ihrer Firma gegangen. Der anfängliche Erfolg wurde in den vergangenen Monaten von einem Insolvenzverfahren überschattet. Was war geschehen?

Zum einen haben wir nach dem Brand viele Aufträge auslagern müssen. Die Unternehmen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, haben teilweise die von uns und von unseren Kunden geforderten Qualitäten nicht halten können. Zum anderen hatten sich einige unserer Kunden zeitweise von uns abgewandt. Das führte zu Umsatzeinbußen.

Letztlich war also die fehlende Liquidität Ursache für die Insolvenz?

Ja, im Zeitraum ab dem zweiten Quartal 2015 war die Liquidität nicht ausreichend und konnte auch durch gute Aufträge nicht verbessert werden. Wir hatten erstens noch nicht wieder die Umsätze erreicht, die wir gebraucht hätten. Zweitens wurde der Wiederaufbau etwas teurer, als der Erstbau gekostet hat. Drittens fehlten noch Gelder von der Versicherung in erheblicher Größe.

Jetzt, zehn Monate später, wurde das Insolvenzverfahren aufgehoben. Was hat zur Sanierung des Unternehmens beigetragen?

Es gab eine Einigung sowohl mit den Altbanken als auch mit den Lieferpartnern. Außerdem haben Mittel, die ich persönlich eingebracht habe, zur Sanierung beigetragen.

Saniert wurde nicht klassisch durch einen Insolvenzverwalter, sondern in Eigenverwaltung. Warum?

Das Gericht hat gesehen und anerkannt, dass es in diesem Verfahren besondere Umstände gab. Es waren keine klassischen Management-Fehler, die zur Zahlungsunfähigkeit führten, sondern ursächlich war die Brand-Katastrophe. Deshalb durfte es die Eigenverwaltung geben.

Und das war aus Ihrer Sicht positiv?

Ja, denn auf diese Weise blieben wir als Unternehmen für unsere Kunden weiter erhalten. Entscheidungen konnten schnell getroffen werden. Wir mussten uns nicht mit einem Insolvenzverwalter abstimmen, sondern konnten mit einem Sachwalter zusammenarbeiten, was deutlich einfacher war.

Ist es inzwischen gelungen, den Kundenstamm in alter Größe wieder aufzubauen?

Wir haben nahezu alle Kunden zurückgewinnen können. Das ist eine ausgesprochen erfreuliche Entwicklung. Durch Anstrengungen in der Akquise haben wir sogar neue weitere Kunden gewinnen können. Insofern bin ich mit der heutigen Auftragslage ausgesprochen zufrieden.

In jüngster Vergangenheit gab es viele negative Nachrichten aus der Wirtschaft Itzehoes. Können wir von Ihrer Firma zukünftig positive Nachrichten erwarten?

Ich bin da sehr zuversichtlich. Eines der Hauptaugenmerke der Sanierung war, die Arbeitsplätze zu retten. Nachdem dies gelungen ist, werden wir das Unternehmen weiterentwickeln. Es gibt Ideen. Wir haben unsere Akquise-Möglichkeiten forciert. Wir wollen, wenn auch moderat, weiter wachsen. Das soll im Laufe der Zeit auch dazu führen, dass wir weiteres Personal einstellen.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass Sie weiterhin Fachkräfte für Itzehoe gewinnen können?

Der Fachkräftemangel ist ein wirkliches Problem. Ich kann junge Menschen durchaus verstehen, die sagen, ich möchte nicht in Itzehoe leben, sondern in Hamburg. Es ist die Aufgabe von uns Arbeitgebern, für ein attraktives Umfeld und eine erstklassige Ausbildung zu sorgen. Außerdem müssen wir interessante Perspektiven für die Zeit nach der Ausbildung bieten.

Ist Itzehoe für Sie ein Standort mit Zukunft?

Ich lebe hier seit vielen Jahren, und ich lebe hier gerne. Ich habe den Standort nie in Frage gestellt und werde es auch nie tun.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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