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Norddeutsche Rundschau

19. Februar 2017 | 17:47 Uhr

Liebesroman : Wie leise Musik aus der Ferne

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Autor Manfred Eisner aus Brokdorf veröffentlicht sein erstes Buch.

„Leise Musik aus der Ferne“ ist der Titel des Romans von Manfred Eisner – und könnte treffender nicht sein. Dem Autor aus Brokdorf gelingt es in seinem Erstlingswerk, den Leser sprachlich geschickt durch das Leben der Grundschullehrerin Clarissa und des Sonderlings Heiko zu lenken, so dass deren wachsende Zuneigung zueinander wie leise , aus der Ferne erklingende Musik intensiv empfunden wird. Der Liebesroman spielt zeitlich in der schwindenden Weimarer Republik nebst deren düsteren Vorboten des nationalsozialistischen Regimes. „Es gibt zweifelsohne unzählige Liebesgeschichten. Diese hier möchte ich aber erzählen, weil mir sehr daran gelegen ist, dass deren Zeitkulisse nochmal in Erinnerung gebracht wird“, schreibt Manfred Eisner in einem kurzen Vorwort zu seinem Buch. Denn: „Wir erleben leider eine Zeit, in der offensichtlicher Fremdenhass gegenüber unseren ausländischen Mitbürgern abermals ausbricht.“ Und er stellt provokativ die Frage: „Haben wir denn aus der Geschichte wirklich nichts gelernt?“

Der Roman beginnt mit einer zufälligen Begegnung mit einem brasilianischen Autor, der in einer Hamburger Kneipe eines seiner Werke vorliest, zwischenzeitlich vom Portugisischen in die deutsche Sprache übersetzt. Als Ort der Handlung wählte er in der deutschen Übersetzung eine imaginäre norddeutsche Kleinstadt: Oldenmoor.

Um dem typischen Kleinstadtmilieu Anfang der 30er Jahre auch den stimmigen historischen Hintergrund zu geben, hat Manfred Eisner viel in der Wilsterschen Zeitung recherchiert. „Ich habe viel gestöbert und einiges aus jener Zeit eingefügt“, erzählt der Autor. Zum Inhalt: Die junge Grundschullehrerin Clarissa von Steinberg erlebt den stetigen finanziellen und moralischen Verfall ihrer vormals wohlhabenden und einflussreichen Familie, begleitet von besonderem Unbehagen über die sich zuspitzende politische Lage. In Clarissa keimen Zweifel und Fragen auf, die sie ihrem Tagebuch anvertraut und im Dialog mit diesem zu beantworten versucht. Zudem ist ihr Vetter Heiko, der als schwarzes Schaf der Familie gilt, ein unbegreifliches Rätsel, dessen Lösung sich ihr erst erschließt, als es zu einer plötzlichen Begebenheit kommt, die alles auf den Kopf stellt.

Geschrieben hat Manfred Eisner das Manuskript zu seinem Roman schon vor 20 Jahren. „Ich habe immer wieder versucht, einen Verlag zu finden“, berichtet er, doch immer wieder sei es zurückgeschickt worden. Es sei wohl nicht die Zeit für Liebesromane – ohne Sex und Blutvergießen – gewesen. Nun habe er das Glück, die Wewelsflether Autorin Gerda Thormählen zu kennen. „Sie hat mir dankenswerterweise den Weg zum Engelsdorfer Verlag gewiesen.“ Mit Unterstützung der Itzehoer Lektorin Birgit Rentz sei es ihm gelungen, das, was 20 Jahre in der Schublade lag, „in drei Monaten zu vollenden“. Eisner: „Ich war am meisten überrascht, aber irgendwie doch sehr erfreut.“

Seinerzeit hatte er auch schon damit begonnen, eine Fortsetzung zu schreiben. Die ist jetzt auch fertig gestellt, geht demnächst zum Verlag – betitelt mit „Crescendo bis Fortissimo“ und soll noch in diesem Jahr erscheinen. „Ein dritter Teil wird wohl auch noch folgen“, kündigt der Brokdorfer an. Der zweite Teil beginnt im Jahr 1935, wird mehr politisch geprägt sein als der erste Roman. 1935 ist auch das Geburtsjahr von Manfred Eisner, der in München zur Welt kam. Er erlebte Kindheit und Jugend als Emigrant in Südamerika und wuchs dreisprachig auf. Nach dem Tod seines Vaters kehrte seine Mutter nach Deutschland zurück. Er selbst war für eine englische Zeitung in Montevideo als Journalist tätig, machte später eine Buchhaltungslehre. 1957 folgte er seiner Mutter nach Deutschland, studierte in West-Berlin Lebensmitteltechnologie. Die Rückkehr nach Deutschland sei für ihn sehr problematisch gewesen, er habe große Bedenken gehabt. „Doch ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben“, erzählt er dankbar, ist glücklich mit seiner Frau und seiner Familie.

In seinem Beruf arbeitete Manfred Eisner bis zur Rente. Nebenbei fing er an, den Roman zu schreiben, „erst immer mit der Schreibmaschine“. Als der erste Computer auf den Markt kam, legte er sich einen solchen zu. „Seitdem ist der PC mir ein guter Gefährte geworden“, meint er schmunzelnd.

Leise Musik aus der Ferne, erschienen im Engelsdorfer Verlag, 16 Euro,

ISBN 978-3-95488-671-5

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erstellt am 06.Feb.2014 | 05:00 Uhr

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