zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Hohenlockstedt : Wettstreit der tollen Knollen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Traditionelle Geschmacksprobe: Fünf Kartoffeln im Test. Belana schmeißt Allians vom Thron.

Die einen sind fest kochend, andere vorwiegend fest kochend und die übrigen mehlig kochend. Aber ansonsten ist eine Kartoffel doch eine Kartoffel, oder? Wer so denkt, war noch nie bei der Kartoffelgeschmacksprobe der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln in Hohenlockstedt. Fünf Sorten verschiedener Erzeuger kommen dort inkognito auf den Teller und werden von 235 Testessern mit Schulnoten von 1 bis 5 bewertet. Wer als Siegerin vom Tisch gehen will, muss optisch und geschmacklich eine tolle Knolle sein.

Nummer 1 überzeugt in der B-Note nicht: „Die ist aber dreckig“, stellt Bettina Senne fest. Geschmacklich dagegen gibt es nicht viel zu meckern: „Ein bisschen mehlig, aber gut“, ist sie sich mit Bärbel Passig, die ihr gegenüber sitzt, einig. Die Frauen sind Profis: Sie machen sich zunächst nur Notizen, Noten vergeben sie erst ganz zum Schluss. Bei Nummer 2 zeigt sich bereits, dass Geschmäcker verschieden sind. „Ich find’ die super“, sagt Bettina Senne. Bärbel Passig dagegen ist nicht überzeugt: „Den Geschmack mag ich nicht. Die ist zwar festkochend, aber die erste war schöner.“ Ihr Mann Jörg – begeisterter Bratkartoffel-Esser – ist gedanklich schon am heimischen Herd: „Goldgelbe Bratkartoffeln gibt das.“ Bettina Senne, deren Ehemann Bernd selbst Kartoffeln anbaut und zum Vorstand der Erzeugergemeinschaft gehört, ahnt bei Nummer 3 ihr Problem: „Ich mochte bis jetzt alle – ich mag einfach Kartoffeln.“ Aber diese Sorte habe eindeutig einen fischigen Beigeschmack, findet ihre Nachbarin zur Linken. Das könnte natürlich auch am Matjes liegen, der als Beilage gereicht wird. Nummer 4 bringt Jörg Passigs Augen zum Strahlen: „Schööööön gelb“, schwärmt er. „Und schmeckt auch gut.“ Die übrigen Gäste am Tisch kauen ebenfalls zufrieden. Das sieht bei Nummer 5 anders aus. „Zu süßlich“, kritisiert Bettina Senne. Und Jörg Passig streikt: „Die schmeckt mir nicht. Die ess’ ich nicht auf.“

Zuhause kommt bei den Passigs bevorzugt die Sorte Allians auf den Teller. „Die ist schön schlank, da kann man super Bratkartoffeln draus machen“, sagt Jörg Passig. Belana sei aber auch gut. Das Hohenlockstedter Ehepaar kauft grundsätzlich bei den Kartoffelhöfen in der Region ein und probiert verschiedene Sorten. „Wie bei Brot“, sagt Bärbel Passig.

Damit neue Sorten überhaupt eine Chance bekommen, gibt es die Geschmacksprobe. „Neue Sorten bekommen kaum einen Fuß auf die Erde, wenn sie nicht mal verkostet werden“, sagt Siegfried Thurau, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln. Über 250 zugelassene Sorten gebe es in Deutschland. Ein durchschnittlicher Schleswig-Holsteiner kenne höchstens zehn davon. Diesmal waren zwei ganz neue Sorten dabei: Glorietta, die seit 2012 im Handel ist, und Goldmarie, die es erst seit 2013 gibt. Außerdem kamen Annabelle, Belana und Allians auf den Teller. Letztere sei zwar recht schwierig im Anbau, habe aber ihre Liebhaber, sagt Thurau. Sie hat es geschafft, drei Mal in Folge die Geschmacksprobe zu gewinnen. Damit sie das Zeug zur Siegerin hat, müsse eine Kartoffel goldgelb sein und einen leicht buttrigen, nussigen Geschmack haben, erklärt Thurau. In der Praxis bedeutet das für ihn: „Mir schmeckt eine Kartoffel, wenn ich sie auch ohne Beilage gerne esse. Wenn ich Salz oder Butter brauche, ist schon nicht mehr gut.“ Dabei könne aber auch das Kochen über Wohl oder Weh entscheiden: „Zwei der heutigen Sorten haben mir an anderer Stelle schon besser geschmeckt.“

Nachdem Peter Hansen und sein Team der Volksbank Raiffeisenbank die Bewertungszettel ausgezählt habe, steht fest: Die neuen Sorten haben keinen Überraschungssieg hingelegt. Auf Platz 1 kommt mit Belana eine alte Bekannte. Es folgen Annabelle, Allians, Goldmarie und Glorietta. Ihr Schicksal ist damit aber längst noch nicht besiegelt, weiß Siegfried Thurau: „Es waren auch schon Sorten in einem Jahr der Renner und im nächsten Jahr weg vom Fenster.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen