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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 00:21 Uhr

Wenn Pferdeäpfel plötzlich Kunst sind

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

14 Mitglieder des Künstlerbundes Steinburg zeigen im Wenzel-Hablik-Museum aktuelle Arbeiten

Die meisten Besucher lächeln verschämt, wenn sie an Anke Mellins Objekten vorbeigehen. Die ratlose Frage „Warum ist das Kunst?“ steht in vielen Gesichtern. Die Künstlerin selbst bringt es unverblümt auf den Punkt: „Das ist Scheiße aus Neuenkirchen.“ Genauer: Pferdeäpfel, die sie in Beton abgegossen und danach wieder herausgekratzt hat, um die Negativform mit Alu aufzufüllen und freizulegen.

Die Künstlerin, die in Neuenkirchen/Bahrenfleth lebt und arbeitet, zeigt ihre Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Aktuell 2016“ des Künstlerbundes Steinburg im Wenzel-Hablik-Museum. 14 Mitglieder der Vereinigung präsentieren bis zum 4. Dezember den derzeitigen Stand ihres Schaffens mit Bildern, Drucken und Objekten.

Auch Karl-Heinz Hacker arbeitet seit vielen Jahren mit Aluminium und ist mit einer riesigen Guss-Stele mitten im Hauptraum präsent. Eine Baumgöttin schaut dem Betrachter entgegen, über ihr drückt heftig der Stein des Sisyphus – die Vergeblichkeit des Tuns ist Hackers Thema, während Svea Gustavsen mit winzigen schwarzen Menschen auf riesigen weißen Flächen auf die großartige Weite und Unendlichkeit im hohen Norden verweist.

Anke Mellin wiegt ihre Alu-Guss-Objekte in den Händen und erklärt, dass sie sich mehr Würdigung für die Exkremente von Pferden, Kühen oder anderer Tierarten wie Kamelen wünscht. Diese sammelt sie seit einiger Zeit, in Aluminium, versteht sich. Ihr Projekt verweist auf die Bedeutung des Kreislaufs, auf natürliche Düngung. Auch die Gesundheit der Lebewesen lasse sich an ihren Ausscheidungen ablesen. Heute verschwänden diese nicht mehr so schnell wie bei älteren WC-Modellen. Die Antwort auf die Frage, warum das Kunst sei: Anke Mellin ist in einem kreativen Prozess einem modernen Tabu auf der Spur.

Am Sonntag, 27. November, steht sie von 11.30 bis 14 Uhr in der Ausstellung als Gesprächspartnerin zur Verfügung. Solche Künstlergespräche seien in der Vergangenheit schon mehrfach mit Erfolg angeboten worden, erläuterte Heinrich Kröger, Vorsitzender des Künstlerbunds, zur Eröffnung.

Wer angesichts von Mellins Objekten mit dem Kunstbegriff hadert, sollte die Gelegenheit nutzen. Denn die Frage, was Kunst sei, könnten er und auch die Ausstellung nicht allgemeingültig beantworten, erläuterte Kröger: „Wenn Sie es mögen, ist es vielleicht Kunst. Wenn Sie es nicht mögen, geht das Werk daran nicht kaputt.“

Er beschrieb den aufwändigen Vorlauf zur Gruppenausstellung, denn ein „Sammelsurium“ sollte vermieden werden. Nach einer Bewertung durch eine Jury sind aus den eingereichten Arbeiten diejenigen zusammengestellt und im Modell angeordnet worden, die sich aufeinander beziehen können und sich zum „durchgestalteten Ganzen“ ergänzen.

So nimmt es der Besucher nun auch wahr und konfrontiert sich mit den Provokationen der Natur, dem Eismeer, der griechischen Mythologie, Nymphen, dem Mond und vielen weiteren Themen, die die Arbeiten im fiktiven Zwiegespräch anreißen. Weitere ausstellende Künstler sind Karl-Heinz Arlt, Petra Bergerhoff, Barbara Beutner, Gisela Brandes, Arnold Gietl, Brigitta Holste, Ulf Michaelis, Gunda Schanze, Manfred Schlüter, Michael Staats und Manuel Zint.

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