zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 04:20 Uhr

Auf Streife in Itzehoe : Wenn die Polizei zu Hause klingelt...

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Beamten des Bezirksdienstes sehen in Itzehoe nach dem Rechten und besuchen Gesetzesbrecher auch schon mal persönlich.

Normalerweise schreckt jeder Gastwirt zusammen, wenn die Polizei bei ihm auftaucht. Nicht so bei Ralf Mentzel und Jochen Klapetke. Als die beiden Beamten einer Kneipe in der Innenstadt einen Besuch abstatten, werden sie freundlich begrüßt. Klapetke zeigt dem Gastwirt ein Foto: „Dieser Mann soll öfter mal hier sein. Kennen Sie ihn?“ Der Gastwirt verneint: „Nein, nie gesehen.“ Der Polizeibeamte steckt das Bild wieder ein, erkundigt sich noch kurz, ob sonst alles gut laufe, und verlässt zusammen mit seinem Kollegen die Kneipe. „Bis zum nächsten Mal“, ruft ihnen der Wirt nach.

Mentzel und Klapetke sind zwei von insgesamt sechs Beamten des Bezirksdienstes und damit gewissermaßen das Gesicht der Polizei in Itzehoe und Umgebung. „Wir machen das, was früher ein Dorfpolizist gemacht hat“, sagt Mentzel, der früher in Wacken arbeitete und nun seit zwei Jahren den Bezirksdienst in Itzehoe leitet. Täglich sind er und seine Kollegen in der Innenstadt unterwegs, betreuen den Polizeiladen im Holstein-Center, begleiten Veranstaltungen, machen Präventionsarbeit in Schulen und Kindergärten und vollstrecken auch immer wieder mal Haftbefehle. „Wir sind gewissermaßen Mädchen für alles“, sagt Ralf Mentzel und lacht.

Auch auf der Straße kennt man die beiden. Viele grüßen die Beamten auf ihrem Weg durch die Innenstadt. Heute steht noch ein Hausbesuch auf dem Programm: Ein Autofahrer war zu schnell unterwegs und wurde geblitzt. Auf die Post der Behörden hat die Besitzerin des Wagens nicht geantwortet, nun schauen die Beamten persönlich bei ihr vorbei.

Auf dem Weg kommen den beiden einige Radfahrer entgegen, die auf der falschen Straßenseite fahren. Jochen Klapetke stoppt sie: „Wissen Sie, was Sie falsch gemacht haben?“, fragt er eine ältere Dame, die von ihrem Rad absteigt. Sie schüttelt mit dem Kopf. Geduldig klärt der Polizist sie auf, dass sie bitte auf der rechten Seite fahren müsse. „Schon allein zu Ihrer eigenen Sicherheit.“ Das versteht sie und überquert gleich darauf die Straße. „Eigentlich sind die meisten Menschen einsichtig“, sagt Jochen Klapetke, der bereits seit 20 Jahren im Bezirksdienst arbeitet. Allerdings komme es immer häufiger vor, dass Bürger auch ausfallend oder aggressiv würden. „Man muss schon vorsichtig sein.“

Angekommen an der Haustür der Autobesitzerin, stellen die Beamten nach zweimaligem Klingeln fest, dass sie nicht zu Hause ist. Mentzel wirft ihr ein Schreiben in den Briefkasten mit der Aufforderung, sich bei der Polizei zu melden. „In den meisten Fällen wird das ignoriert. Aber wir werden nicht locker lassen.“

Die beiden Beamten mögen ihre Arbeit, schätzen vor allem den persönlichen Kontakt zu den Menschen. „Zu vielen Leuten aus der Stadt pflegen wir fast freundschaftliche Beziehungen. Das ist in vielen Fällen sehr hilfreich.“ Für viele Bürger seien sie gewissermaßen auch Seelsorger. „Manche kommen regelmäßig im Polizeiladen vorbei, einfach nur um sich zu unterhalten“, erzählt Mentzel. Nicht zuletzt sei es für die Bürger wichtig, regelmäßig Polizisten in der Stadt zu sehen: „Das stärkt das Sicherheitsgefühl.“

Die aktuelle Lage in Itzehoe schätzen er und sein Kollege als relativ entspannt ein. „Kein Bürger muss Angst haben.“ Bedrohliche kriminelle Entwicklungen gebe es nicht. Sorge bereitet den Beamten ein anderes Problem, auf das sie immer wieder stoßen: „Die Zahlungsmoral der Leute lässt nach.“ Auch kleine Beträge von zehn oder fünfzehn Euro könnten immer mehr Bürger nicht aufbringen. Ob dafür Geldmangel in Folge sozialer Probleme oder schlichter Zahlungsunwille verantwortlich sind, möchten die Beamten lieber nicht beurteilen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Jul.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen