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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 09:04 Uhr

Ernte in Schleswig-Holstein : Warum der Spargel teurer wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Preise für das saisonale Gemüse auch in den kommenden Jahren steigen - und: es ist nicht nur das Wetter.

Preetz | Nur der Kopf schaut raus. Mit einem beherzten Handgriff sticht Marek Wloch zu – und legt die kostbare Stange in einen Korb. Dort hat der Erntehelfer genug für eine großzügige Mahlzeit – und spätestens jetzt ist klar: Es ist Spargelzeit. Am Dienstag hat sie die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein offiziell eröffnet.

Spargel ist ein besonders beliebtes Gemüse in Schleswig-Holstein – nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch bei den Bauern selbst. Hinter den Kohlarten und Möhren belegt Spargel den fünften Platz bei den flächenmäßig meistangebauten Gemüsesorten. Allerdings gibt es starke Preisschwankungen.

Doch es ist klar: Der Spargel wird immer teurer. Schuld sind der Fachkräftemangel und die Kosten durch den in der Landwirtschaft steigenden Mindestlohn. Galten im vergangenen Jahr noch 7,40 Euro sind es in diesem Jahr schon 8 Euro pro Stunde. „Bis Ende 2017 wird der auf 9,10 Euro steigen“, sagt der Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer, Thomas Hanf, der dem Erntehelfer bei der mühsamen Arbeit zusieht. „Ich rechne damit, dass der Preis für ein Kilo Spargel von der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 bis Ende 2017 im Schnitt um etwa einen Euro pro Kilo steigen wird. Jetzt sind wir preislich irgendwo dazwischen.“

Die Verbraucher könnten das nur schwer merken, denn der Preis für Spargel ist stark witterungsabhängig. An sonnigen Tagen wachsen die Stangen bis zu 10 Zentimeter, plötzlich gibt es viel Ware, die vom Feld muss, und die Preise sinken. Die Landwirte müssen darauf reagieren, in den Erntehochzeiten genügend Personal haben. Der Unternehmensberater kräuselt die Stirn und sagt: „Und die Landwirte müssen ihre steigenden Kosten ja irgendwie wieder reinholen.“

Einer dieser Landwirte steht neben ihm auf dem Acker des Lindenhofes in Preetz (Kreis Plön). Christoph Donath-Totzke schaut zufrieden auf seine Felder. „Ich gehöre nicht zu denen, die meckern“, sagt der 40-Jährige. In der vierten Generation bewirtschaftet er den 25 Hektar großen Hof, Spargel macht den Hauptverdienst aus. Donath-Totzke verkauft direkt an die Verbraucher, beliefert aber auch Einzelhändler und Restaurants. Und jede Stange, die er ausliefert, hat mindestens ein Arbeiter in der Hand gehabt. „Wir haben viel Handarbeit, es gibt keine Erntemaschinen für Spargel, wir brauchen gute Mitarbeiter.“

Der beste, den er hat, heißt Wolf Edward. Der 61-Jährige kommt seit 1992 jede Saison auf den Hof. Im Laufe der Jahre hat er Nachbarn, Freunde und Verwandte aus seinem Heimatort Czersk in Polen für den Ernteinsatz bei Donath-Totzke angeworben. Bis zu 35 Erntehelfer kommen in der Saison – alle aus Czersk. „In Polen habe ich als Dreher 500 Euro im Monat verdient“, sagt Edward. Auf dem Lindenhof bekommt er acht Euro die Stunde, arbeitet an sechs Tagen zehn Stunden lang. „Da habe ich gern meinen Urlaub geopfert“, sagt der Erntehelfer.

Und warum er immer auf denselben Hof kommt? „Arbeit gut, Chef gut, Geld gut.“ Und den Erntehelfern werde einiges geboten. Am Wochenende hat Donath-Totzke mit ihnen die Eröffnung ihres neuen Wohnhauses gefeiert: Fünf Zimmer, 120 Quadratmeter. „Man muss die Leute nicht nur gut bezahlen, man muss auch in die so genannten weichen Faktoren investieren, sonst kommen die nicht wieder“, sagt der Landwirt. Die Löhne seiner Arbeiter würden sich auch ohne gesetzliche Vorgaben im Bereich des Mindestlohns bewegen, denn auch in Polen steigen die Löhne, und osteuropäische Arbeiter könnten auch in anderen Branchen gutes Geld verdienen.

Gutes Geld geben die Schleswig-Holsteiner für ihren Spargel aus. Der Trend gehe zu regionalen und saisonalen Produkten – und das gelte eben besonders für den Spargel, sagt Thomas Hanf, Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer. Die Zahl der Betriebe sei zwar geschrumpft, aber die Anbaufläche sei von rund 15.000 Hektar im Jahr 2002 auf aktuell etwa 25.000 Hektar gestiegen. Hanf ist sich sicher, dass die Verbraucher die höheren Preise akzeptieren werden – oder wie Christoph Donath-Totzke sagt: „Die Leute haben jetzt einfach Heißhunger auf Spargel.“

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erstellt am 26.Apr.2016 | 15:16 Uhr

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