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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 18:30 Uhr

Flüchtlingsunterbringung : Warten auf Patienten in der Erstaufnahme

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Das Klinikum Itzehoe stellt im Ankunftszentrum ein Team mit Ärzten und medizinischen Assistentinnen für Erstuntersuchungen

Das Wartezimmer ist leer. An diesem Tag hat das Team des Klinikums Zeit, um über seine Arbeit im Ankunftszentrum zu sprechen. Denn erst seit kurzem finden im Torhaus der ehemaligen Kaserne Erstuntersuchungen für Asylbewerber statt. Und da zurzeit wenige Flüchtlinge kommen, ist auch nicht viel zu tun. Das kann sich aber täglich ändern.

Der Unfallchirurg Hedayatullah Amiri sitzt mit Dolmetscher Farhad Sindi und den ärztlichen Assistentinnen Christina Suthmann-Thormählen sowie Irene Schmoock am Tisch. Sie unterhalten sich mit Christina Thomsen. Die Angestellte des Klinikums Itzehoe regelt alles, was mit Flüchtlingen zu tun. So teilt sie auch den Dienst der Ärzte und medizinischen Assistentinnen ein. Sie besorgt alle Materialien und kümmert sich darum, dass es reibungslos läuft.

Hedayatullah Amiri hätte gern mehr zu tun. „Es ist langweilig“, sagt der 31-jährige gebürtige Afghane. Der Arzt will nicht untätig sein. Nicht einmal zu Hause ist er es, erzählt er. Trotz seiner Familie arbeitet er in seiner Freizeit noch ehrenamtlich für Flüchtlinge im Camp Hamburg-Harburg.

Seit November arbeitet Hedayatullah Amiri für das Klinikum. Das er die Stelle bekam, ist wohl auch seinen umfangreichen Sprachkenntnisse zu verdanken. Er kann mit Iranern sprechen, Menschen aus Pakistan, auf englisch hat er studiert und er kann „ein bisschen arabisch“. Sein Vater, ein Staatsanwalt in Afghanistan, spreche sogar noch japanisch, erzählt der Unfallchirurg.

Als Amiri zum Klinikum Itzehoe wechselte, war er willkommen. Denn im November gab es noch die Landesunterkunft in Kellinghusen, wo er gleich Erstaufnahmeuntersuchungen machte. Die Unterkunft wurde inzwischen geschlossen, jetzt ist er deshalb an zwei Tagen in Glückstadt tätig. Die übrige Dienstzeit ist er im Itzehoer Krankenhaus.

„Läuse und Krätze“ sind das erste was er zu Untersuchungen aus Kellinghusen nennt. Schlimme Krankheiten waren und sind kein Thema. „Die Leute, die nach Deutschland kommen, sind jung und gesund.“ Sie haben keine Herzprobleme, „aber Fußprobleme“, sagt er zu Auswirkungen der Flucht.

Trotz seiner Sprachkenntnisse hat er Farhad Sindi als Dolmetscher an seiner Seite bei Untersuchungen. Sindi ist gebürtiger Kurde aus dem Irak, dort hat er einst als Polizist gearbeitet. Der 36-Jährige sprich perfekt deutsch – „ich habe es mir selber beigebracht mit Kinderbüchern“.

Wenn Patienten kommen, sind Christina Suthmann-Thormählen sowie Irene Schmoock gefragt. Denn die Erstuntersuchungen von neu angekommenen Flüchtlingen ist ein Gesamtpaket. Der Arzt untersucht auf Krankheiten, die Assistentinnen prüfen den Blutdruck, impfen und messen eventuelles Fieber. Und eines wird immer vorab gemacht: beim weiblichen Geschlecht bereits ab zwölf Jahren ein Schwangerschaftstest. „Wegen der Impfungen“, erklärt Christina Thomsen.

Dass die Untersuchungen vor Ort stattfinden, hat praktische Gründe für Michael Kappus, ärztlicher Direktor des Klinikums. Denn er wollte von vornherein vermeiden, dass Flüchtlinge mit ansteckenden Krankheiten ohne Voruntersuchungen ins Klinikum kommen. Werden welche entdeckt, gibt es eine Einweisung ins Krankenhaus, wo die Abteilungen spezielle Zimmer haben.

Neben den Erstuntersuchungen gibt es eine weitere Abteilung im Glückstädter Ankunftszentrum. Dort behandeln niedergelassene Ärzte täglich die Patienten, die auf dem Gelände wohnen. Auch das hat seinen Grund: So soll verhindert werden, dass sie die Notfallambulanz im Klinikum aufsuchen. Dort ist so viel zu tun, dass für leichte Beschwerden wie eine Erkältung keine Zeit ist.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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