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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 19:23 Uhr

Jungimker : Vorfreude auf den eigenen Stadt-Honig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach dem Bienensterben im vergangenen Jahr haben sich die Bestände wieder erholt. Zwei Jungimker aus Itzehoe freuen sich auf ihren ersten Honig.

Noch ist das Wetter einfach zu kalt für Honigbienen: Beim Pressetermin lässt sich kein einziges Exemplar der Nutztiere im Bienengarten des Imkervereins Itzehoe und Umgebung am Rand der Kreisstadt blicken. „Keine Sorge“, beruhigt Alexander Wohlrab. „Das ist ganz normal bei den Temperaturen. Die Bienen sind gut durch den Winter gekommen und eigentlich schon richtig aktiv.“

Für den 38-jährigen Imker ist die gerade gestartete Bienensaison eine ganz besondere: Gemeinsam mit seiner Freundin Anja Bergen will der Itzehoer zum ersten Mal Honig von seinen eigenen Bienenvölkern ernten. Die Imkerei ist für Wohlrab nicht ganz neu. Sein verstorbener Vater produzierte auch Honig. „Ich bin mit Bienen groß geworden“, sagt der Itzehoer. Er habe sich aber in jungen Jahren nie besonders für dieses Hobby interessiert. Das änderte sich erst vor etwa zwei Jahren. „Irgendwie hat mich die Faszination doch gepackt. Liegt mir wohl in den Genen.“

Zunächst habe er sich rund ein Jahr lang eingelesen, berichtet der Baustoffprüfer. „Bienen sind ein hochkomplexes Thema.“ Mit der Zeit reifte der Wunsch, selbst Völker zu betreuen. Gemeinsam mit seiner Freundin besuchte er einen Kurs des Itzehoer Imkerclubs und trat Anfang 2015 dem Verein bei. „Die Nachwuchsförderung dort ist wirklich toll. Jeder Jungimker bekommt ein Bienenvolk geschenkt und erfahrene Imker stehen neuen Mitgliedern zum Start als Paten zur Seite.“

Das intensive Bemühen um den Nachwuchs sei wichtig, erklärt Wohlrab, denn wildlebende Bienenvölker gibt es heute in Deutschland praktisch keine mehr. „Stirbt die Imkerei aus, verschwinden auch die Bienen.“ Danach sieht es im Moment aber in Itzehoe nicht aus. „Ich bin mit 35 Jahren zwar das Küken in der Runde“, sagt Anke Schneider, Vorsitzende des Imkerclubs, aber der Verein wachse stetig. In diesem Jahr seien fünf neue Mitglieder dazugekommen.

Im Fall von Alexander Wohlrab wurde Pate Helmut Gabler nicht nur beratend tätig. Er fing im Frühsommer vergangenen Jahres auch dessen erstes Bienenvolk in Münsterdorf ein. „Bienenvölker teilen sich durch Ausschwärmen“, erklärt Wohlrab. „Ich bekam die Info, dass in Münsterdorf ein Volk gesichtet wurde, war aber bei der Arbeit. Daher war ich sehr froh, dass Helmut einspringen konnte.“ Ein weiteres Volk besorgte sich Wohlrab wenig später selbst von außerhalb. Dann mussten sich die Bienen erstmal vermehren. „Im ersten Jahr wird noch kein Honig geerntet. Im Gegenteil: Zu Beginn werden die Tiere zunächst gefüttert, weil sie ja keine Vorräte haben und Energie brauchen, um zu wachsen und sich selbst versorgen zu können.“

Ein kritischer Punkt sei dann die erste „Bienenhochzeit“ gewesen. Die Königinnen verlassen dafür den Stock, um sich mit mehreren Drohnen, den Bienenmännchen, zu paaren. Die Paarung erfolgt in der Luft. „Dabei kann einiges schief gehen. Die Königin ist ein ziemlich dicker Brummer und mancher Vogel sieht darin einen willkommenen Leckerbissen“, erklärt Wohlrab. Stirbt die Königin, können die Arbeiterinnen zwar eine Nachfolgerin aufziehen. Doch das Volk verliert wertvolle Zeit bei der Vermehrung. Es ging aber alles gut. Auch im Winter hatten Wohlrab und die anderen Itzehoer Imker im vergangenen Jahr nicht mit so starken Verlusten wie in anderen Jahren zu kämpfen. „Es war war kein schlechtes Bienenjahr“, sagt Anke Schneider.

Der milde Winter bereitet ihr aber etwas Sorgen im Hinblick auf den Befall der Völker mit Varroa-Milben. Diese Parasiten sind eine tödliche Gefahr für Bienen gegen die jeder Imker kämpft. Das Problem: Da die Milben die Bienenlarven befallen, ist eine effektive Behandlung der Insekten ist nur in Brutpausen möglich. Die legen die fleißigen Bienen aber nur bei wirklich kaltem Wetter ein. „Kälteperioden hatten wir im vergangenen Winter kaum. Das könnte sich noch als Problem erweisen.“

Auch Alexander Wohlrab und Anja Bergen haben ihre Völker gegen die gefährlichen Milben behandelt und hoffen nun, erstmal von der Plage weitgehend verschont zu bleiben. „Leider wird man die Varroa nie wirklich los“, sagt Wohlrab. Die beiden Neuimker freuen sich aber nun zum Frühlingsbeginn vor allem auf ihren ersten eigenen Honig. Anders als viele Imkerkollegen ziehen sie nicht mit ihren Völkern in die Nähe von Rapsfeldern, sondern bleiben am Stadtrand von Itzehoe. „Das ist eine ganz bewusste Entscheidung“, sagt Bergen. Das Nahrungsangebot für die Bienen bestimme den Geschmack des Honigs und der aus Städten habe eine besondere Würze. „Da ist von Kirschblüte bis Thymian alles drin und das trifft unseren Geschmack.“ Geerntet wird je nach Wetterlage einmal zum Ende des Frühlings und einmal im Sommer. Dass ihr Honig ihnen schmeckt, wissen die beiden aber schon jetzt. „Wir haben den Honig aber schon mal direkt aus der Wabe probiert“, verrät Wohlrab.


>Weitere Infos über Anfängerkurse und die Aktivitäten des Imkervereins unter www.imkerverein-itzehoe.de




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erstellt am 27.Apr.2016 | 13:30 Uhr

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